Aktualisiert 11.05.2017 16:56

Vandalismus

Auto demoliert – wegen «Eidgenosse»-Aufkleber?

Am Auto von Lukas Bernhard wurden in Bern Heckscheibe und Seitenspiegel eingeschlagen. Der 18-Jährige sieht sich als Opfer seiner rechten politischen Gesinnung.

von
Simon Ulrich

GIBB-Schüler Lukas Bernhard wurde die Heckscheibe zertrümmert. (sul)

Gewerbeschüler Lukas Bernhard dachte erst an einen Scherz. In der grossen Pause teilte ihm ein Kollege mit, dass jemand gerade sein Auto demoliere. Als sich der 18-Jährige dann an die Strasse begab, wo sein schwarzer Golf GTI parkiert war, traf ihn beinahe der Schlag. «Ein schwarz gekleideter Mann mit Kapuze und Handschuhen schlug wie wild auf mein Auto ein», erzählt er. Als er den Mann habe zur Rede stellen wollen, habe dieser das Weite gesucht. «Er war mit dem Velo unterwegs und konnte mir deshalb entwischen», so der GIBB-Schüler. Resultat des Vandalen-Aktes: Eine eingeschlagene Heckscheibe und zerstörte Seitenspiegel-Gläser. Bernhard hat eine Anzeige eingereicht, was die Polizei bestätigte.

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Lukas Bernhard sagt, sein Golf GTI sei von einem Vermummten mutwillig beschädigt worden. Die Polizei bestätigte, dass eine Anzeige eingereicht wurde.

Lukas Bernhard sagt, sein Golf GTI sei von einem Vermummten mutwillig beschädigt worden. Die Polizei bestätigte, dass eine Anzeige eingereicht wurde.

sul
Eingeschlagen wurden sowohl die Heckscheibe...

Eingeschlagen wurden sowohl die Heckscheibe...

ZVG
...als auch die Seitenspiegel-Gläser.

...als auch die Seitenspiegel-Gläser.

Für den Lastwagenmechaniker-Lehrling ist klar, aus welchen Kreisen der Täter stammt: «Das war wahrscheinlich ein Linksextremer», sagt er. Grund für die Annahme: Auf der Heckscheibe des Fahrzeugs prangte in Lonsdale-Schrift und grossen Lettern das Wort Eidgenosse. «Mit dem Aufkleber wollte ich zeigen, dass ich stolz auf mein Vaterland und ein richtiger Schweizer bin», erklärt Bernhard. Als Rechtsdenkender fühle er sich diskriminiert.

Begriff Eidgenosse hat braunen Beigeschmack

Laut Urs Urech, Experte für Rechtsextremismus, wird der Begriff «Eidgenosse» in rechtsextremen Kreisen zur Unterscheidung von «ethnisch reinen Schweizern» und eingebürgerten Schweizern gebraucht. In diesem Zusammenhang sei er stark völkisch geprägt und schaffe «Ausgrenzung durch Eingrenzung»: «Er sendet die Botschaft aus: ‹Wir sind die besseren Schweizer, ihr habt den Pass nur durch Einbürgerung erworben›», sagt Urech. Insofern sei er als klar diskriminierend und verletzend zu werten.

Obschon das Wort «Eidgenössische» in der Behördensprache omnipräsent ist, habe die Verwendung durch Rechtsradikale auf den Ausdruck abgefärbt. «Im Alltagsverständnis hat der Begriff mittlerweile einen braunen Beigeschmack erhalten», stellt Urech fest. Insofern habe ihn ein ähnliches Schicksal ereilt wie das Edelweisshemd. Ein liberal denkender, offener Mensch könne dieses heute kaum mehr tragen, ohne schief angesehen zu werden.

Bezeichnung erhitzt seit Längerem die Gemüter

Lukas Bernhard sieht sich selber nicht als rechtsextrem. Ebenso bestreitet er, sich durch seinen Eidgenosse-Aufkleber von Menschen abheben zu wollen, die den Schweizer Pass durch Einbürgerung erlangt haben. «Mir geht es vielmehr um die Abgrenzung von gebürtigen Schweizern, die ihr Vaterland zu wenig schätzen.»

Der Begriff Eidgenosse sorgte bereits mehrfach für Diskussionsstoff. 2013 berichtete 20 Minuten etwa über ein Stelleninserat einer Firma aus der Zentralschweiz, die als Landmaschinenmechaniker einen «interessierten Eidgenossen» suchte. 2010 thematisierte der Tagesanzeiger eine Aussage des Berner Schwingers Christian Stucki, der in einem Interview sagte: «Schweizer kann jeder werden, Eidgenosse nicht.»

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