Viergeteilter BMW: Auto-Import in den Gazastreifen
Aktualisiert

Viergeteilter BMWAuto-Import in den Gazastreifen

Jedem Autoliebhaber sträuben sich die Haare: Ein nagelneuer BMW wird gevierteilt. Dies ist jedoch der einzige Weg, ihn in den Gazastreifen zu schmuggeln.

von
Saud Abu Ramadan und Hans Dahne
DPA

Zuerst wird der BMW in vier Teile zerlegt, dann schleppen Schmuggler die Teile durch einen Tunnel von Ägypten in den Gazastreifen. Dort nimmt sie Mahmud Salah entgegen - die zerlegte Karosse ist im Nu wieder fahrtüchtig.

Bei einem Automechaniker lässt Salah das Fahrgestell zusammenschweissen. «Und jetzt fahre ich ein neues Auto», sagt der 32-Jährige strahlend.

Illegales Geschäft brummt

Seit Israel das Palästinensergebiet am Mittelmeer vor drei Jahren praktisch komplett von der Aussenwelt abgeriegelt hat, schlägt der dortige Automarkt Kapriolen. Die Preise erzielten Weltrekorde, sagt der Händler Maher al-Oukka aus Gaza. Bei Occasionsautos hätten sie sich gar verdoppelt. Sejad al-Sasa sucht nach einer Erklärung. Er ist Wirtschaftsbeauftragter der radikal-islamischen Hamas, die seit Juni 2007 im Gazastreifen an der Macht ist. Weil Israel seit 2007 keine neuen Autos in den Gazastreifen hereingelassen habe, seien Autos in Gaza sehr teuer geworden, sagt er.

60 000 Autos, Lastwagen, Planierraupen und Baufahrzeuge gibt es laut seinen Angaben in Gaza. «Und in den vergangenen drei Jahren sind nur 50 neue Autos dazugekommen.» Diese Fahrzeuge seien Spenden aus dem Ausland und legal eingeführt worden. Dafür brummt in den mehreren hundert Tunneln unter Tage das illegale Geschäft - und die Hamas kassiert kräftig mit. Mohammed Nasrallah aus Gaza hat sich auf den Import von Schmuggelfahrzeugen spezialisiert: «Die (Hamas-)Behörden in Gaza haben beschlossen, eingeschmuggelte Autos zuzulassen.»

Er bezahlt 10 000 Dollar an die Behörde, damit aus einem illegal eingeschmuggelten Fahrzeug ein legal zugelassenes wird, wie er sagt. Beim Besitzer des Tunnels kauft er ein Auto für 25 000 Dollar. 10'000 Dollar bezahlt er an die Hamas, und das Auto verkauft er für 40 000 Dollar. Sein Profit pro Auto: 5000 Dollar.

Teure Ersatzteile

Weil eingeschmuggelte Ersatzteile ebenfalls astronomisch teuer sind, trennt sich manch ein Autobesitzer lieber von seinem guten Stück. Dabei regiert auch das Prinzip der Hoffnung, dass Israel die Grenzen irgendwann einmal wieder aufmachen muss. «Ich werde mein Auto jetzt für einen hohen Preis verkaufen, das Geld behalten und warten, bis neue Autos nach Gaza kommen. Dann kaufe ich mir für das gleiche Geld ein brandneues Modell», sagt der Taxifahrer Osama Daher.

Im Gazastreifen könnten vier von fünf der rund 1,5 Millionen Palästinenser ohne Hilfe der UNO nicht überleben. Während sich die Reichen mit Fantasiepreisen auf dem Automarkt überbieten, müssen sich zwei Drittel der Bürger ohne eigenen fahrbaren Untersatz mit der Sorge herumschlagen, wie sie von A nach B kommen.

Auch Preise für Esel steigen

Die einfachste Möglichkeit ist ein Sammeltaxi. Die Fahrgäste teilen sich den umgerechnet einen Euro für die Fahrt von einer Stadtgrenze zur anderen. Und wer etwas transportieren muss, lädt die Last einem Esel auf.

Doch auch bei den Grautieren herrscht Notstand, und auch sie werden eingeschmuggelt. «Ein Esel, der einmal 500 Dollar gekostet hat, wird jetzt für 800 Dollar verkauft», sagt Ahmed Hilles, Besitzer eines Gemischtwarenladens in Gaza.

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