Yahoo greift an: «Auto, Meeresbucht oder Sport?»
Aktualisiert

Yahoo greift an«Auto, Meeresbucht oder Sport?»

Ab 2009 soll eine Suchmaschine ihre Nutzer verstehen. Und das nicht nur dank sprachgesteuerter Anwendungen fürs Handy. 20 Minuten Online sprach mit Yahoo über die Zukunft der Websuche.

von
Henning Steier

Yahoo bleibt in der Krise. Kürzlich gab das Unternehmen bekannt, weltweit 1400 Mitarbeiter zu entlassen. Das sind rund zehn Prozent der Belegschaft. Der Überschuss war im dritten Quartal um knapp zwei Drittel gefallen.

Im Sommer hatte der Konzern die Übernahme durch Microsoft abgelehnt und blieb damit vor den Redmondern die Nummer 2 auf dem weltweiten Markt für Suchmaschinen. Mit welchen Innovationen Yahoo den unangefochtenen Branchen-Primus Google attackieren und Nutzer zurückgewinnen möchte, hat Andreas Krawczyk, Head of Programming, 20 Minuten Online erzählt.

Woran arbeitet Yahoo gerade?

Unter anderem testen wir seit dem Frühjahr in Indien Yahoo Glue, eine neue Art, Suchergebnisse anzuzeigen. Gibt man beispielsweise «Paris France» ein, erhält man nicht nur Links, sondern unter anderem Stadtpläne, Fotos und Videos in einem modulartigen Aufbau anstelle herkömmlicher Linklisten.

Wann kommt Glue in die Schweiz?

Das kann ich leider nicht sagen. Denn das Projekt beschränkt sich vorerst auf unsere indischen Yahoo-Nutzer. Ich gehe aber davon aus, dass modulartige Suchergebnisse kommen werden, denn wir testen zum Beispiel mit der Alpha Search in Australien ein ähnliches Konzept. Eine Herausforderung besteht allerdings.

Welche?

Das Suchverhalten und die Offenheit für neue Formen der Web-Suche sind von Land zu Land unterschiedlich. Nutzer in Europa bevorzugen in der Regel ein klares, aufgeräumtes Design. Wir werden aber auf jeden Fall semantische Suchkonzepte wie Yahoo SearchMonkey weiter entwickeln. Schon heute könnten Betreiber von Webseiten damit die Treffer zur eigenen Homepage innerhalb der Yahoo-Suchergebnisse anpassen. So kann man beispielsweise Kontaktdaten, Preise oder Bewertungen ergänzen. Die Platzierung in der Ergebnisliste lässt sich mit SearchMonkey natürlich nicht beeinflussen.

Was muss die Suchmaschine der Zukunft ausserdem können?

Sie muss herausfinden können, was der User möchte. Ein Hilfsmittel dafür haben wir mit dem Such-Assistenten bereits gestartet: Die Webseite macht dem User Vorschläge, wenn er mehrdeutige Begriffe wie Golf eingibt. Meint der Surfer das Auto, die Meeresbucht oder den Sport?

Wie wollen Sie das herausfinden?

Natürlich gibt es mehrere Ansätze. Einer ist die Statistik. Wenn also die Mehrzahl der User auf ein Ergebnis klickt, das mit dem Sport Golf zu tun hat, gewichten wir diesen Treffer höher. Zugleich prüft die Suchmaschine nahestehende Wörter, um dadurch Zusammenhänge zu erschliessen. So funktioniert auch bereits der Suchassistent in der Yahoo-Suche. Ein weiterer Ansatz sind strukturierte Daten zu verschiedenen Themenbereichen und entsprechenden Keywords. Das bezeichnen wir als InfoExpress-Modul. Gibt der Surfer nun zum Beispiel ein von uns als reiseshopping-relevant definiertes Wort wie «Ibiza» ein, öffnet sich eine Bilderreihe mit Sehenswürdigkeiten sowie direkte Links zu Hotel- und Restauranttipps oder Flugbuchung. Eine andere Variante wäre, die Suchhistorie des Einzelnen mit in das Suchergebnis einfliessen zu lassen.

Wie könnte man dann den Datenschutz garantieren?

Grundsätzlich gilt: Nur wenn der Nutzer zustimmt, dass er verbesserte Suchergebnisse erhalten möchte, würden wir Daten speichern. Das geschähe aber verschlüsselt und anonymisiert, denn uns interessiert eigentlich nicht, wer genau der Nutzer ist.

Die Werbekunden aber schon, oder?

Natürlich bieten wir personalisierte Werbe-Links an. Aber das hat für den Yahoo-Nutzer doch gleichzeitig den Vorteil, dass er nicht mit Reklame überflutet wird, die nicht seinen Interessen entspricht.

Immer mehr Bürger surfen mobil. Was plant Yahoo zum Thema Websuche mit dem Handy?

Nächstes Jahr werden wir die bereits in den USA verfügbare neue Version von Yahoo oneSearch mit einer sprachgesteuerten Software für Mobiltelefone auch in Europa anbieten. Sie wird die Suchergebnisse direkt auf dem Startbildschirm des Handys anzeigen.

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