«Schwärzeste Tag der Stadt Trier»: Auch Vater des Babys stirbt bei Amokfahrt
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«Schwärzeste Tag der Stadt Trier»Auch Vater des Babys stirbt bei Amokfahrt

In der Fussgängerzone in Trier sind Passanten von einem Autofahrer angefahren worden. Fünf Menschen sind tot – darunter ein Baby. Der 51-jährige deutsche Fahrer wurde festgenommen.

von
Karin Leuthold

Darum gehts

  • Bei einer Amokfahrt sind im Zentrum von Trier mindestens fünf Menschen getötet und mehrere verletzt worden.

  • Der Fahrer wurde festgenommen und das Auto sichergestellt.

  • Beim Amokfahrer handelt sich um einen 51 Jahre alten Deutschen aus dem Kreis Trier-Saarburg.

  • Laut Augenzeugen habe der Mann mit einem SUV «wahllos» Menschen angefahren.

In der westdeutschen Stadt Trier sind am frühen Dienstagnachmittag mehrere Menschen von einem Autofahrer angefahren worden. Laut deutschen Medien kamen dabei fünf Menschen ums Leben – darunter ein neun Wochen altes Baby und dessen Vater. Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe sprach zudem von 14 leicht und schwer Verletzten.

Leibe sprach im Interview mit dem SWR von einer Amokfahrt. Der Mann habe mit einem SUV «wahllos» Menschen angefahren und überfahren. Er sagte: «Ich bin gerade durch die Innenstadt gelaufen und es war einfach nur schrecklich. Es bot sich ein Anblick des Grauens. Da steht ein Turnschuh … das Mädchen dazu ist tot.»

Mutter des getöteten Babys liegt im Spital

«Es ist ein ganz ganz schlimmer Tag für Rheinland-Pfalz und meine Heimatstadt Trier», sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Der Oberbürgermeister Leibe spricht vom «Schwärzesten Tag der Stadt Trier nach dem Zweiten Weltkrieg.»

Zu den Opfern zählen neben dem Baby und dessen Vater, ein 45-jähriger Mann aus Trier, eine 73 Jahre alte Frau, eine 25-Jährige und eine 52 Jahre alte Frau. Die Mutter des Babys liegt den Behördenangaben zufolge im Spital. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich in einer Stellungnahme tief betroffen.

«Menschen flogen durch die Luft»

Auf Twitter veröffentlichte Videos zeigen beschädigte Geschäfte in der Fussgängerzone und einen am Boden liegenden Verletzten sowie ein Rettungsfahrzeug. Der «Triersche Volksfreund» zitierte einen Augenzeugen, der von einem Range Rover Geländewagen sprach, der in die Zone gerast sei. Menschen seien durch die Luft geflogen. Ein Helikopter kreise über dem Gebiet.

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Grosse Teile der Innenstadt von Trier sind abgesperrt.

Grosse Teile der Innenstadt von Trier sind abgesperrt.

REUTERS
Rettungskräfte aus der ganzen Region sind im Einsatz. Sie sind damit beschäftigt, Verletzte und Schwerstverletzte in die Krankenhäuser zu bringen.

Rettungskräfte aus der ganzen Region sind im Einsatz. Sie sind damit beschäftigt, Verletzte und Schwerstverletzte in die Krankenhäuser zu bringen.

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Ein 51-Jähriger war am frühen Nachmittag mit einem SUV durch eine Fussgängerzone gefahren und hatte «wahllos» Menschen angefahren.

Ein 51-Jähriger war am frühen Nachmittag mit einem SUV durch eine Fussgängerzone gefahren und hatte «wahllos» Menschen angefahren.

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Der Fahrer sei festgenommen worden, teilte die Polizei am Dienstag auf Twitter mit. Der Wagen sei sichergestellt worden. Laut «Bild»-Zeitung handelt es sich beim Fahrer um Bernd W., einen 51-jährigen Deutschen aus dem Kreis Trier-Saarburg.

«Er hupte nicht, sondern gab nur Gas»

Eine Augenzeugin berichtet gegenüber Focus: «Ich sah unzählige Menschen zur Seite springen, auf der Strasse lagen über 30 Menschen, teilweise regungslos. Das Auto fuhr gefühlt mit 70 bis 80 Stundenkilometern. Die Innenstadt war sehr gut besucht. Von hinten sah es aus wie ein SUV, es könnte ein Jeep gewesen sein.» Eine weitere Passantin sagte, dass das Auto auch Kinder erfasst habe.

Die Polizei rief via Twitter die Menschen in Trier /Rheinland-Pfalz) dazu auf, den Bereich in der Innenstadt zu meiden. Ein Grossaufgebot von Polizei und Rettungskräften war im Einsatz.

Polizei konnte den Festgenommenen noch nicht befragen

«Was in Trier geschehen ist, ist erschütternd», erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. «Die Gedanken sind bei den Angehörigen der Todesopfer, bei den zahlreichen Verletzten und bei allen, die in diesem Moment im Einsatz sind, um die Betroffenen zu versorgen.»

Rettungskräfte aus der ganzen Region seien im Einsatz. «Alle sind damit beschäftigt, Verletzte und Schwerstverletzte im Moment in die Krankenhäuser zu bringen», äusserte Bürgermeister Leibe.

Die Hintergründe zu dem Vorfall sind zunächst unklar. Ein Polizeisprecher sagte: «Zu der Motivation können wir noch nicht sagen, wir müssen den Festgenommenen erst befragen, was schwierig ist.»

Drei ähnliche Vorfälle aus letzter Zeit

Im Februar hatte im nordhessischen Volkmarsen ein 29 Jahre alter Deutscher sein Auto absichtlich in die Menge gesteuert. Dutzende Menschen wurden verletzt.

2019 hatte ein 50-Jähriger in Bottrop in der Neujahrsnacht gezielt Menschen angefahren. Er wurde in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

In Münster war 2018 ein Mann mit seinem Campingbus in eine Gruppe gerast, es gab fünf Tote. Der Täter erschoss sich, die Ermittler gehen von einer psychischen Erkrankung aus.

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