GIMS News: Auto-Salon Genf: Der Reiz der kleinen Revolution
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GIMS NewsAuto-Salon Genf: Der Reiz der kleinen Revolution

Die grosse Innovation sucht man dieses Jahr in Genf vergeblich. Davon profitieren unerwartete Comebacks, Revivals und Spielereien.

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Retro-Revival: Der Renault Alpine A110.

Retro-Revival: Der Renault Alpine A110.

Ford GT.

Ford GT.

Dieter Liechti
Volvo XC60.

Volvo XC60.

Keystone

Um die 150 Welt-, Europa- und Schweizer Premieren werden am Genfer Auto-Salon – respektive an der Geneva International Motor Show 2017 – enthüllt. Doch ins Scheinwerferlicht gerückt ist auch eine Derniere. Zum letzten Mal treten Peugeot und Opel unabhängig voneinander an einer Messe auf.

Der Hintergrund der Übernahme steht dabei für die Entwicklung in der Branche an sich: In Europa ist der Markt gesättigt, das Match der Zukunft wird in China entschieden. Das ist einer der Gründe dafür, dass die grossen Innovationen in Genf heuer ausbleiben. Die Hersteller präsentieren viele News, aber kaum Neues. Das jedoch bietet Raum für kleinere Revolutionen – Trends als Spiegelbild einer Branche, die sich im Umbruch befindet.

So hält etwa der SUV-Boom unvermittelt an. Doch er wird bedrängt vom Comeback der Kombis. An der elektrischen Zukunft zweifelt kaum einer, massentaugliche Modelle fehlen in Genf jedoch. Dafür gefällt man sich in E-Spielereien. Und im Spannungsfeld zwischen Verbrauchervernunft und Vergnügungswahn feiern sehnsüchtig erwartete Retro-Modelle ein Revival. Als Sinnbild einer guten alten Auto-Ära, an die sich in Genf alle gern erinnern.

5 Trends am Auto-Salon Genf 2017

Retro-Revival: Renault Alpine A110

War früher alles besser? Nicht nur VW beschwört mit seinen I.D. Buzz nostalgische Erinnerungen an den VW-Bus. Auch Fords GT 66 Heritage Edition ist eine limitierte Sonderausführung zu Ehren des GT40 Mark II, der 1966 in Le Mans für Furore sorgte. Dazu präsentiert David Brown seinen optimierten Speedback GT als Hommage an UK-Klassiker à la DB5 – und Renault feiert mit seiner Alpine A110 ein langersehntes Revival. Wobei 1955 Exemplare in Anlehnung an das Gründungsjahr als «Prèmiere Edition» vom Band laufen.

SUVs: Volvo XC60

In Europa markieren SUVs eines der letzten echten Wachstumssegmente. Kein Wunder, hält der Boom an. Zu den Neuzugängen gehören der Range Rover Velar, der als Designerstück die Lücke zwischen Evoque und Range Rover Sport besetzt, sowie der DS7 Crossback. Dazu kommen neue Varianten wie der zum Allspace gestreckte VW Tiguan, der neue Nissan Qashqai sowie die zweite Generation des Volvo XC60. Das Erfolgsrezept des XC90 auf den Mittelklasse-SUV XC60 mit hohem Sicherheitsniveau und skandinavischen Design umgemünzt – vielversprechend.

Formel-1-Wahn

Als TV-Sport steckt die Formel 1 in der Krise. Als Technologielieferantin für Strassenautos floriert sie: Aston Martin realisierte zusammen mit Red Bull Racing den Supersportwagen Valkyrie, Ferrari macht mit seinem 812 Superfast keine Kompromisse und bietet nach 70 Jahren im Rennsport mehr F1-Feeling denn je. Auch der Dendrobium-Hypercar aus Singapur setzt auf F-Technik. Und bei McLaren ist die Rennsportnähe ohnehin Grundphilosophie: Der im Windkanal geformte 720S kommt erst bei einem Speed von 341 km/h an sein Limit.

E-Spielereien: VW Sedric

Autonome Shuttles mit Elektroantrieb sollen den Verkehrsinfarkt in den Megacities von morgen vermeiden. Deshalb ist der futuristisch wirkende VW Sedric eine E-Spielerei mit Zukunft: Der selbst fahrende Roboter-Bus ist eine Art «K.I.T.T.» ohne Pedale und Lenkrad, dafür mit Pflanzen vor der Heckscheibe für ein besseres Raumklima. Ob David Hasselhoff daran Freude hätte? Klar ist: Mit Fahrzeugen wie dem VW Sedric will sich der Volkswagen-Konzern vom Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister wandeln.

Kombi-Comeback: Porsche Panamera Sport Turismo

Mit diesem Comeback hat nicht jeder gerechnet: Der gute alte Kombi gibt in Genf ein starkes Lebenszeichen von sich. Etwa mit dem neuen Opel Insignia als Sports Tourer. BMW rückt dagegen seinen Fünfer als Touring in den Fokus, Hyundai zeigt seine Neuauflage des i30 mit grosser Klappe. Selbst Porsche mischt mit und baut den Panamera nun als Kombi. Wobei diese Bezeichnung – wie bei vielen anderen Herstellern – selbstverständlich tabu ist. Ein Name wie «Sport Turismo» klingt schliesslich besser als «Kombinationskraftwagen».

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