Notruf-System: Auto schlägt nach Crash selbst Alarm
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Notruf-SystemAuto schlägt nach Crash selbst Alarm

Die EU will, dass ab 2015 alle neuen Autos einen Alarmknopf und ein System eingebaut haben, das bei einem schweren Unfall automatisch die Ambulanz ruft. So sollen pro Jahr 2500 Leben gerettet werden. Die Schweiz soll mitziehen.

von
lua
Bei einem Unfall in ländlichem Gebiet kann das Notrufsystem laut EU-Kommission die Zeit, die Hilfskräfte brauchen, um an den Unfallort zu gelangen, halbieren. (Symbolbild)

Bei einem Unfall in ländlichem Gebiet kann das Notrufsystem laut EU-Kommission die Zeit, die Hilfskräfte brauchen, um an den Unfallort zu gelangen, halbieren. (Symbolbild)

Bei einem Unfall zählt jede Sekunde: Wenn ein Lenker auf einer kaum befahrenen Strasse ohne Beifahrer zu verunglückt, dauert es unter Umständen Stunden, bis Hilfe kommt. Für solche Fälle ist das automatische Notrufsystem eCall konzipiert. Über einen Crashsensor, der an den Airbag oder die Sicherheitsgurte gekoppelt ist, wird bei einem Unfall ein Notsignal ausgelöst. Wichtige Informationen wie der Standort des Autos werden an die Zentrale übermittelt, zu dieser wird auch eine Gesprächsverbindung aufgebaut.

In der EU soll das eCall-System ab Oktober 2015 für Neuwagen Pflicht werden, einen entsprechenden Gesetzesvorschlag legte zuständige Kommission jetzt vor. Auch Nicht-EU-Staaten wie Island, Norwegen und die Schweiz sollen ausdrücklich einbezogen werden. Der Bund zeigt Interesse am System: «Die Schweiz ist als Beobachter in der EU-Expertenkommission. Wir sind momentan am Prüfen, ob eCall auch für die Schweiz die Lösung ist», sagt Guido Bielmann vom Bundesamt für Strassen. Ein Entscheid werde noch diesen Sommer gefällt.

«Durchwegs positive Erfahrungen»

In ländlichen Gebieten könnte sich nach Schätzungen der EU-Kommission die Zeit, die die Hilfskräfte brauchen, um zum Unfallort zu gelangen, halbieren, in Stadtgebieten um 40 Prozent sinken. So könnten jährlich 2500 Leben gerettet werden. Der TCS hat schon Erfahrungen mit Notrufsystemen gemacht. «Wir unterstützen eCall ganz klar, das System rettet Menschenleben», sagt Daniel Keiser, Leiter Fahrzeug Assistance. Fahrzeuge von PSA Peugeot Citroën Suisse haben schon ab einem tiefen Ausstattungslevel standardmässig ein Notrufsystem, diese Meldungen werden via TCS an die Notrufzentrale weitergeleitet. «Die Systeme werden immer öfter benutzt, unsere Erfahrungen sind durchwegs positiv», sagt Keiser. Konkrete Zahlen gibt es jedoch bislang noch keine.

Mit der Helpbox bietet Alliance Suisse seit 2011 ein ähnliches Produkt an. Diese kann automatisch und manuell einen Notruf senden, die Installationskosten betragen einmalig 100 Franken, dazu kommen pro Jahr 180 Franken Nutzungsgebühren.

Bei Schutz & Rettung Zürich stösst die Idee auch auf Gegenliebe - wenn sie in der Praxis besteht. «Es gibt sicher noch ein paar offene Fragen, etwa welche Einsatzleitzentrale alarmiert wird. Denn im Gegensatz zur EU gibt es in der Schweiz drei verschiedene Notrufnummern», gibt Sprecherin Tabea Rüdin zu bedenken.

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