Autobahn-Büezer: Wenn der Job ein Albtraum ist
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Autobahn-Büezer: Wenn der Job ein Albtraum ist

Horror-Job Autobahnarbeiter: Raser bringen die Büezer täglich in Todesgefahr. Die Polizei versucht mit Radar-Kontrollen, die rücksichtslosen Fahrer zu bremsen.

«Ich bin jeden Abend heilfroh, wenn ich lebendig nach Hause komme», sagt Roland Senn, Polier bei der Firma Frutiger. Er arbeitet schon seit 32 Jahren auf Autobahnbaustellen: «Angst habe ich aber keine mehr. Man lernt, damit zu leben.»

Erst am Dienstag ging der Polizei auf Senns Baustellenabschnitt zwischen Bern und Kerzers ein Raser mit 155 Stundenkilometer in die Radarfalle (20 Minuten berichtete) – erlaubt wären 80 km/h. «Steht man nahe an der Fahrbahn, wenn ein Lastwagen vorbeifährt, wird man vom Windstoss einen Meter zur Seite gedrückt», erzählt Senn. Automobilisten würden wütend, weil die Baustellenabschnitte zu lang seien. «Dabei brauchen wir den Platz zum Arbeiten und Manövrieren.»

Immer wieder kommt es auch zu Unfällen. «Vor allem nachts steigt die Unfallgefahr um das Sechs- bis Zehnfache», sagt Kurt Lüchinger, Vize-Chef des Autobahnwerkhofs Bern. «Mich hat auch schon ein Signalständer getroffen, weil ein Autofahrer zu nahe kam – seither habe ich Horror, nachts zu arbeiten.» Dabei wäre es so einfach: die Geschwindigkeit anpassen und die Abstände einhalten. «Schliesslich arbeiten wir ja für die Autofahrer.»

Alessandro Meocci

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