Autofahrer dürfen im Stau Zeitung lesen
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Autofahrer dürfen im Stau Zeitung lesen

Ein Autofahrer ist zu Unrecht mit 100 Franken gebüsst worden, weil er im Stau Zeitung gelesen hat. Laut Bundesgericht hat der Lenker keine Verkehrsregeln verletzt.

Der Mann hatte mit seinem Smart im Oktober 2003 am Sihlquai in Zürich im stockenden Kolonnenverkehr gestanden. Er nutzte den Stau, um eine Zeitung zu lesen, die auf seinen Oberschenkeln und dem Lenkrad lag. Wenn es jeweils wieder ein paar Meter vorwärts ging, liess er die Zeitung so liegen, las aber nicht.

Beim Lenken behindert

Das Zürcher Obergericht büsste ihn dafür mit 100 Franken. Nach seiner Ansicht wurde er durch die Zeitung beim Lenken behindert. Zum einen sei seine Sitzhaltung und seine Beweglichkeit beeinträchtigt worden, zum anderen habe die Gefahr einer Fehlreaktion beim Herunterrutschen der Zeitung bestanden.

Das Bundesgericht hat dem Mann nun Recht gegeben und seine Beschwerde gutgeheissen. Laut den Lausanner Richtern ist unter den gegeben Umständen keine Verletzung der Verkehrsregeln ersichtlich. Beim Sihlquai handle es sich um eine gerade, gut ausgebaute und übersichtliche Hauptstrasse. Das Wetter sei gut gewesen.

Kein Risiko für Fehlreaktion

Der Lenker habe dem Verkehr und der Strasse in den Phasen des Staus trotz Zeitungslektüre die erforderliche Aufmerksamkeit widmen können. Während den kurzen Fahrten im Schrittempo über wenige Meter sei die Bedienung des Fahrzeugs höchst einfach und daher trotz Behinderung leicht zu bewältigen gewesen.

Zudem habe er einzig mit dem Halten des Vordermanns rechnen müssen. Schliesslich habe nach menschlichem Ermessen praktisch auch kein Risiko einer Fehlreaktion bestanden. Wäre die Zeitung tatsächlich heruntergerutscht, so hätte der Lenker gelassen den nächsten Stopp abwarten können, um sie wieder aufzunehmen. (sda)

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