Sprit: Autofahrer müssen fürs Falschtanken bluten

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SpritAutofahrer müssen fürs Falschtanken bluten

Jährlich tanken Tausende ihre Autos versehentlich mit Benzin statt Diesel. Das kann teuer werden. Was übernehmen die Versicherungen?

von
Dominic Benz
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Vorsicht beim Tanken: Wer einen Diesel fährt, muss aufpassen, dass er nicht den Benzin-Zapfhahn  erwischt.

Vorsicht beim Tanken: Wer einen Diesel fährt, muss aufpassen, dass er nicht den Benzin-Zapfhahn erwischt.

Keystone/Gaetan Bally
In der Schweiz betanken jährlich rund 10'000 Fahrer ihren Wagen mit falschem Treibstoff.

In der Schweiz betanken jährlich rund 10'000 Fahrer ihren Wagen mit falschem Treibstoff.

Keystone/Christian Beutler
Wer mit Benzin im Diesel-Tank weiterfährt, riskiert schwere Schäden am Motor. Die Reparaturkosten können schnell mehrere tausend Franken betragen.

Wer mit Benzin im Diesel-Tank weiterfährt, riskiert schwere Schäden am Motor. Die Reparaturkosten können schnell mehrere tausend Franken betragen.

Keystone/Martin Ruetschi

Das Malheur an der Tankstelle ist schnell passiert: Ein abschweifender Gedanke, ein falscher Griff, und schwupps - im Autotank ist Benzin statt Diesel.

Dass Autofahrer den falschen Sprit tanken, ist keine Seltenheit. Laut TCS kommt es in der Schweiz pro Jahr zu rund 10'000 solchen Verwechslungen.

Meistens wird versehentlich Benzin statt Diesel getankt. Das Umgekehrte kommt kaum vor, da der breitere Diesel-Rüssel nicht in den Benzinstutzen passt. Bei einer Verwechslung sollte der Fahrer das Auto stehen lassen. Ansonsten drohen massive Schäden am Motor. «Es können Reparturen in der Höhe von 3000 bis 5000 Franken oder mehr entstehen», teilt David Venetz, Mediensprecher von TCS, auf Anfrage mit.

«Das Auto begann zu stottern»

Diese schmerzhafte Erfahrung machte 20-Minuten-Leser Stefan R. Er war mit einem Diesel-Mietauto von Hertz unterwegs. An der Tankstelle füllte er Benzin ein. Den Irrtum bemerkte er vorerst nicht. «Ich fuhr los, bis nach kurzer Zeit das Auto zu stottern begann.»

Als gar nichts mehr ging, alarmierte er den Pannendienst. Dieser stellt rasch die Diagnose: Falschbetankung. Stefan R. kann es noch heute nicht fassen. «Es ist mir ein Rätsel, wie das geschehen konnte», sagt er.

Gesalzene Rechung

Schon bald flatterte eine Rechnung von 1002 Franken ins Haus. Hertz verrechnete das Abschleppen des Wagens, das Auspumpen des Tanks, die Reinigung sowie eine komplette Tankfüllung.

Berappen musste Stefan R. alles selber. Im Schadensprotokoll schreibt Hertz: «Eine Falschbetankung stellt laut unseren Mietbedingungen eine unsachgemässe Bedienung des Fahrzeuges das.» Daher greife die von Stefan R. gewählte Haftungsbeschränkung nicht.

«Die Versicherungen bezahlen meistens nicht»

Die Versicherer tun sich schwer mit Falschtanken. «Gemäss unseren Erfahrungen bezahlten die Versicherungen meistens nicht», sagt TCS-Sprecher Venetz. Selbst bei Mietwagen-Vollkasko sind Falschbetankungen oft von der Versicherung ausgeschlossen.

Das ist auch beim Versicherer AXA Winterthur so. «Das Risiko ist bei uns momentan nicht versicherbar», sagt Sprecherin Mirjam Eberhard. Mit einer Zusatzversicherung könnten aber die Kosten fürs Abschleppen und die Heim- oder Weiterreise gedeckt werden. Für das Auspumpen und Reinigen des Tanks sowie allfällige Motorschäden muss der Fahrer immer selber aufkommen.

Der Beifahrer ist versichert

Eine Ausnahme gibt es: «Wenn der Beifahrer und nicht der Fahrer falsch tankt, ist dies über die Grunddeckung der Privathaftpflichtversicherung des Beifahrers gedeckt», sagt Eberhard. Das gilt auch bei Mietwagen. Bei Ehepartnern zahlt die gemeinsame Haftpflicht jedoch nicht. Wer mit dem Beifahrer-Trick schummeln will, macht sich des Versicherungsbetrugs schuldig. «Das Thema steht bei uns aktuell nicht im Fokus. Grundsätzlich überprüfen wir aber alle Schadensmeldungen auf ihre Plausibilität.»

Trotz tausenden Falschbetankungen hat die Autoindustrie noch immer keine Universal-Lösung entwickelt. In den USA haben bereits vor Jahren einige Autohersteller wie VW mit Windeseile bestimmte Modelle mit Sicherheitssystemen an den Tankstutzen aufgerüstet.

Europa lässt sich Zeit

In Europa lässt sich die Industrie allerdings Zeit. Auf dem Markt sind entsprechende Adapter zu kaufen, die das Falschtanken verhindern sollen. Nur einzelne Marken wie Ford setzen serienmässig Systeme gegen Falschbetankung ein. Viele Hersteller in Europa würden versuchen, die Gefahr einer Verwechslung zu reduzieren, sagt TCS-Mann David Venetz. «Selbst der dünnere Benzin-Zapfhahn passt bei vielen Fahrzeugen nicht in die grössere Tanköffnung des Dieselmodells – jedenfalls nicht ohne weiteres.»

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