Aktualisiert 26.09.2016 14:33

Wandernde SteineAutofahrer ruiniert einmaliges Naturwunder

Im Death Valley bewegen sich Felsen wie von Zauberhand und hinterlassen mysteriöse Spuren. Die hat nun ein Autofahrer kaputt gemacht.

von
fee
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Die Racetrack Playa im Westen des kalifornischen Death Valleys ist ein ganz besonderer Ort: Hier bewegen sich Steine. Und zwar ohne jedes Zutun des Menschen.

Die Racetrack Playa im Westen des kalifornischen Death Valleys ist ein ganz besonderer Ort: Hier bewegen sich Steine. Und zwar ohne jedes Zutun des Menschen.

Flickr.com/Scott Beckner/CC BY-NC 2.0
Deutliche Spuren im - in der Regel staubtrockenen - Untergrund zeugen davon.

Deutliche Spuren im - in der Regel staubtrockenen - Untergrund zeugen davon.

Keystone/AP/National Park Service
Ein Stein legte einmal stattliche 880 Meter in einem Monat zurück.

Ein Stein legte einmal stattliche 880 Meter in einem Monat zurück.

PLOS One/Richard Norris/Jim Norris

So tot, wie man meinen könnte, ist das Death Valley nicht: Im Racetrack Playa, einem ausgetrockneten Seebecken, schieben sich mehrere Hunderte Kilogramm schwere Felsbrocken über den Boden. Und zwar ganz von allein. Einzig lange Schleifspuren künden von den Wanderungen der Steine.

Um das Phänomen mit eigenen Augen zu beobachten, müssen Besucher weite Wege auf sich nehmen. Oft können sie es trotzdem nur aus der Ferne betrachten. Denn das Betreten des Areals ist bei nassem Untergrund untersagt, das Befahren ist ganzjährig strengstens verboten. Schilder weisen darauf hin.

Die Bewegung der Steine wurde erstmals 2014 beobachtet. (Video: Youtube/Nature Newsteam)

Vandalen am Steuer

Dass diese manchmal nicht beachtet werden, zeigen Aufnahmen von Kurt M. Lawson. Der Landschaftsfotograf hatte eigentlich das Naturphänomen dokumentieren wollen. Doch dann entdeckte er die Spuren der Vandalen.

Über rund 16 Kilometer ziehen sich die Abdrücke von Autoreifen über das Areal. Stellenweise kreuzen sie die Schleifspuren der Steine. Sie zeigen: Da ist jemand mit Absicht kreuz und quer über die Racetrack Playa gefahren.

Grosses Entsetzen

Und nicht nur das: Irgendjemand – möglicherweise der besagte Autolenker – hat sogar die Initialen «D.K.» in einen der Felsen geritzt. «Ganz üble Menschen müssen das gewesen sein», kommentiert Lawson das Gesehene auf dem Blog PetaPixel. «Es ist extrem frustrierend, so etwas zu sehen», klagt ein Nationalpark-Mitarbeiter gegenüber dem «Las Vegas Review-Journal». Man gehe der Tat nach, sagt der Parkmanager. Und man überlege, wie die Spuren beseitigt werden könnten.

Über Jahrzehnte rätselten Geologen, warum und vor allem wie die Steine wandern. Doch erst 2014 kamen Forscher um Richard Norris von der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla, Kalifornien, dem Geheimnis der Steine auf die Schliche.

Wind und Eis in der Wüste

Mithilfe von Videoaufnahmen gelang es ihnen nicht nur, erstmals überhaupt die Bewegungen der Steine zu dokumentieren, sondern auch die Ursache dafür zu ergründen.

So zeigten die Bilder, dass sich in kalten Nächten dünne Eisschichten bilden, die in der Morgensonne schmelzen. Geht gleichzeitig ein Lüftchen von mindestens Windstärke 3 (schwache Brise), setzen sich die Steine auf dem schwindenden Eis in Bewegung, schrieben die Forscher im Fachjournal «PLOS One». Die Geschwindigkeit der Steine liegt demnach bei unter fünf Metern pro Minute.

Von wegen Geisterhand: Schmelzende Eisschichten treiben die Felsen weiter. (Video: Youtube/Scripps Oceanography)

So läuft die Wanderung der Steine ab. (Video: Youtube/Scripps Oceanography)

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