Autohilfe: Fleissiger Abschlepper arbeitet vollamtlich fürs Polizeidepartement
Aktualisiert

Autohilfe: Fleissiger Abschlepper arbeitet vollamtlich fürs Polizeidepartement

Einer der Akkord-Abschlepper vom Zürcher Trendquartier ist im Hauptberuf zu hundert Prozent für das Zürcher Polizeidepartement tätig. Und seinen Nebenjob übt er mit vollem Wissen des Arbeitgebers aus.

Im Zusammenhang mit den rüden Abschleppmethoden rund ums Hotel Senator in Zürich wird immer wieder der Name N. genannt. (Name der Redaktion bekannt). Der massige Herr sei Stammgast im und vor dem Hotel Senator. Mit dem grossen gelben Chevy der «Autohilfe Zürich» räumt er auf dem Hotel-Parkplatz laut Augenzeugen alles ab, was rum steht. Die Autos schleppt er an die Geroldstrasse. Dort hat die Autohilfe Zürich einen Parkplatz gemietet. «Für 8000 Franken im Monat», wie Autohilfe-Chef Zuber gegenüber 20minuten.ch sagt.

N. schaut rund um die Hardbrücke parkplatzmässig zum Rechten. Und zwar dann, wenn auf der Trendmeile Zürichs so richtig was los ist: «N. ist vor allem zu den Stosszeiten, also Freitag- bis Samstagnacht unterwegs», erzählt ein Beobachter 20minuten.ch. Bei der Autohilfe ist N. am Morgen noch nicht zu erreichen: Er komme am Freitag immer erst so ab sechs Uhr. Dann sei er aber meistens das ganze Wochenende im Einsatz, lässt man ausrichten.

Und in der Tat. Der fleissige «Autohelfer» N. bestätigt gegenüber 20minuten.ch, dass er nächtens als Abschlepper unterwegs ist. «Ja, ich bin stundenweise für die Autohilfe Zürich tätig, aber nur «öppenemol», aushilfsweise», sagt N. Jetzt, am frühen Freitagmorgen, sei er aber kurz angebunden, er habe keine Zeit. Er müsse dringend zu einer «Sitzung». Nur soviel noch: «Beim Hotel Senator bin ich ganz selten, da könnte ich ja mit meinem Fahrzeug gar nicht durch die Einfahrt.»

Der nächtliche Job, bei dem N. laut Augenzeugen schon mal 25 Autos auflädt, ist für den Wochen-Endabschlepper nicht genug. Hauptberuflich ist er vom Staat angestellt. Und wo? – Halten Sie sich fest, liebe Leser: Im Polizeidepartement der Stadt Zürich!

N. ist dort für die Abteilung Schutz und Rettung in verantwortungsvoller Position im Vollpensum für den Zivilschutz tätig. Dort erwartet man ihn um zehn Uhr zur Sitzung.

Polizeidepartement sieht kein Problem

Weiss mann beim Polizeidepartement der Stadt Zürich, dass sein Vollzeitmitarbeiter nächtens «öppenemol» Wochenende für Wochenende Abschleppwagen für die Autohilfe Zürich fährt? «Ja, wir wissen von N.s Tätigkeit für ein Abschleppunternehmen», erklärt Dominik Müller vom Rechtsdienst Schutz und Rettung, Zürich. «Der Nebenverdienst ist ordnungsgemäss eingereicht und erlaubt worden, da dienstlich nichts dagegen spricht», sagt Müller. Er weist daraufhin, das N. keine polizeiliche Funktion inne hat und betont, dass die nächtlichen Aktivitäten N.s noch nie zu Problemen geführt haben.

Das sieht eine wachsende Zahl von Autohaltern, die rund um die Zürcher Hardbrücke abgeschleppt worden sind, diametral anders.

Manuel Bühlmann, Hansi Voigt

Abschlepper-Willkür: Haben Sie auch schon ähnliche Erfahrungen beim Hotel Senator oder an anderen Orten gemacht? Mailen Sie uns Ihr Erlebnis an feedback@20Minuten.ch

Leser wehren sich

Ermutigt durch die Recherchen von 20minuten.ch formiert sich eine Interessensgruppe von geprellten Autofahrern, die gegen die dreiste Abzockerei rechtliche Schritte einleiten will. Schreiben Sie uns auf feedback@20Minuten.ch, wenn auch Sie etwas unternehmen wollen und wir werden den Kontakt zur Gruppe herstellen.

Deine Meinung