Aktualisiert 12.01.2020 12:18

CES Las VegasAutoindustrie bandelt mit Tech-Branche an

An der Consumer Electronics Show waren Autohersteller nur spärlich vertreten. Dennoch zeigt sich in Las Vegas, wohin die Reise für die Konzerne geht.

von
D. Schneider
12.1.2020
Studie Mercedes-Benz VISION AVTR: Die Automobilindustrie wächst allmählich mit der Tech-Branche zusammen. Die Consumer Electronics Show in Las Vegas wurde zur gemeinsamen Plattform, auch wenn die Autohersteller nur spärlich vertreten sind.

Studie Mercedes-Benz VISION AVTR: Die Automobilindustrie wächst allmählich mit der Tech-Branche zusammen. Die Consumer Electronics Show in Las Vegas wurde zur gemeinsamen Plattform, auch wenn die Autohersteller nur spärlich vertreten sind.

Mercedes-benz ag - Global Commun
Wie aus «Avatar»: Die Studie Mercedes Vision AVTR wird an der CES in Las Vegas vorgestellt..

Wie aus «Avatar»: Die Studie Mercedes Vision AVTR wird an der CES in Las Vegas vorgestellt..

Mercedes-Benz
Wirklich abgedreht  sind die Räder, die von innen beleuchtet sind, und eine ganz besondere Art des Fahrens ermöglichen.

Wirklich abgedreht sind die Räder, die von innen beleuchtet sind, und eine ganz besondere Art des Fahrens ermöglichen.

Mercedes-Benz

«Las Vegas ist der Place to be», eröffnete BMW-Vorstandsmitglied Klaus Fröhlich seine Rede am Vorabend der Eröffnung der CES. Die Consumer Electronics Show ist eine der wichtigsten Technologie-Messen der Welt und seit einigen Jahren auch ein bedeutendes Schaufenster für die Autobranche. «An der CES geben wir einen Ausblick auf die Zukunft der Mobilität», sagt Fröhlich. Dabei nimmt die Digitalisierung eine zentrale Rolle ein: Es geht um schnelle Datenübermittlung, um Clouding und künstliche Intelligenz.

Die CES in Las Vegas ist das Mekka für diese Themen, doch Autoforscher Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sieht die Sache weniger euphorisch als auch schon: «Die CES hat für die Automobil-Szene an Attraktivität eingebüsst und unter den 4500 Ausstellern an der Tech-Messe sind gerademal zehn Autohersteller.»

Plattform für Hersteller

Dabei ging die Branche davon aus, dass Las Vegas den grossen Car Shows den Rang ablaufen werde. «Vor einigen Jahren war der CES-Hype deutlich grösser», hät Dudenhöffer fest. «Und das, obwohl die Detroit Motor Show vom Januar auf den Sommer verlegt wurde und die CES damit eine Art Monopolstellung haben könnte.» Dennoch nutzen einige grosse Autohersteller die Messe als Plattform, um Technologien von morgen und übermorgen zu präsentieren. Allen voran die deutschen Premiummarken Audi, BMW und Mercedes-Benz sowie asiatische Hersteller wie Toyota, Honda oder Hyundai.

Während im vergangenen Jahr mehrere Studien von so genannten Robo-Shuttles, also fahrerlosen Personenwagen, präsentiert wurden, dreht sich in diesem Jahr alles um die Interaktion zwischen Passagier und Fahrzeug, Mensch und Maschine. In Audis Concept-Car «AI:ME» etwa kann der Fahrgast per Blicksteuerung mit dem Auto kommunizieren, während das Auto auf die Gewohnheiten und Vorlieben des Fahrers eingeht.

Blick- und Gestensteuerung geben auch bei der BMW-Innenraumstudie «i Interaction Ease» den Ton an: So wird das riesige Panorama-Head-up-Display bedient, das sich über die komplette Breite der Frontpartie erstreckt und als Augmented-Reality-Bedienoberfläche dient. Auch die Studie «Vision AVTR» von Mercedes-Benz geht auf dieses Thema ein und stellt ausserdem eine Batterietechnologie mit auf Graphen basierter organischer Zellchemie vor. Sie benötigt keine seltenen Erden und Metalle und soll vollkommen kompostierbar sein.

Hype hat sich gelegt

Generell hat sich die Aufregung um selbstfahrende Shuttles wieder etwas gelegt. Während für das autonome Fahren auf Level 5 noch vor Kurzem ein Zeithorizont von 2025 bis 2030 als realistisch galt, winken heute viele ab. «Wir glauben nicht an den Hype um Level 5 und Robo-Taxis in diesem Zeitraum», sagt etwa BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich. Es werde noch deutlich länger dauern, um vollautonomes Fahren in die Realität umzusetzen. Derzeit arbeitet der bayerische Hersteller an der soliden Umsetzung vom autonomen Fahren auf Level 3, der so genannten Bedingungsautomatisierung, bei der der Fahrer je nach Situation noch eingreifen muss.

Auch Ferdinand Dudenhöffer sieht keine zeitnahe Umsetzung von Robo-Shuttles: «Das selbstfahrende Auto auf Level 5 wird es bei den klassischen Autobauern in den nächsten Jahren nicht geben». Verändern wird sich die Mobilität aber unweigerlich, und das setzt eine schnelle Datenübermittlung voraus. Clouding heisst dabei das Zauberwort, der Schlüssel dazu ist 5G, die fünfte Generation des mobilen Internets. Heute schon rechnen moderne Autos konstant Bits und Bytes in den Datenhimmel und zurück. Wenn dereinst jedes Auto mit allen anderen Verkehrsteilnehmern und der gesamten Umgebung kommunizieren soll, werden die Datenströme enorm. «5G ist dafür entscheidend», erklärt Young Sohn, Präsident von Samsung Electronics.

Branchen wachsen zusammen

Mit dem neuen Mobilfunkstandard können eine Million Geräte pro Quadratkilometer über das Netz kommunizieren. «Das sind zehn Mal mehr als mit dem Vorgängernetzt 4G LTE».

Auch darum wachsen Auto- und Tech-Branche mehr und mehr zusammen, und die CES in Las Vegas ist eine willkommene Partnerbörse. «Wir brauchen Partnerschaften, weil das Auto Teil eines neuen digitalen Ökosystems wird», sagt BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich. Und Christoph Grote, beim bayerischen Hersteller für die Digitalisierung verantwortlich, ergänzt: «Das Automobilgeschäft wird von vielen Elektronikherstellern mittlerweile als Kerngeschäft angesehen. Das hilft uns bei der Entwicklung neuer Komponenten».

Das zeigt exemplarisch die Studie eines Elektroautos von Tech-Gigant Sony. «Dieser Prototyp verkörpert unseren Beitrag zur Zukunft der Mobilität», erklärte Konzernchef Kenichiro Yoshida an der Präsentation des «Vision-S». Bauen will Sony den Stromer nicht, aber damit zeigen, welche Möglichkeiten für die Autohersteller in den technischen Entwicklungen von Sony stecken. Zu einer Automesse wird sich die Consumer Electronics Show in Las Vegas dennoch nicht entwickeln. Das sieht auch Autoforscher Ferdinand Dudenhöffer so: «Es spricht viel dafür, dass die wichtigste Autoshow auch in diesem Jahr wieder im April in Peking stattfinden wird. China definiert die Autowelt – das merkt man auch an der CES.»

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