Aktualisiert 04.05.2012 13:33

Streit wegen ParkplatzAutolenker fährt Rollstuhl-Fahrer über den Haufen

Weil ein 70-jähriger Automobilist illegal auf einem Parkfeld steht, stellt ihn ein Rollstuhl-Fahrer zur Rede. Doch dieser geht auf Konfrontationskurs. Jetzt hat ihn das Gericht zu einer hohen Strafe verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Es war am 9. Dezember 2009, als ein heute 70-jähriger Autolenker seinen Personenwagen über mehrere Stunden hinweg illegal auf einem Parkplatz des Cafés Altstetten abgestellt hatte. Zum Ärger des gehbehinderten Besitzers des Parkfeldes. Als der deutsche Senior um 13.55 Uhr zu seinem Fahrzeug zurückkehrte, wollte der Geschädigte den Parksünder zur Rede stellen und begab sich mit seinem Rollstuhl vor das Auto.

Umgefahren und zurückgelassen

Dann eskalierte die Situation. Der betagte Lenker regte sich auf, startete den Motor und fuhr zuerst ein Stück rückwärts. Verfolgt vom Zeugen, der sich damit weiterhin vor der Fahrzeugfront befand. Plötzlich bewegte sich der verärgerte Autohalter nach vorne und krachte in den Rollstuhl hinein. Das Opfer fiel auf die Strasse und zog sich dabei nicht nur eine Schulterprellung, sondern auch eine Verstauchung der Halswirbelsäule zu.

Trotz der Kollision suchte der Automobilist sogleich das Weite und machte sich in verbotener Fahrtrichtung auf und davon.

Vorsatz und Fahrerflucht bestritten

Der später ausfindig gemachte Senior musste sich am Donnerstag wegen vorsätzlicher Körperverletzung, pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall sowie Verletzung der Verkehrsregeln vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Dabei stritt er jeglichen Vorsatz und die Fahrerflucht ab. «Ich wollte ihn nicht verletzen», beteurte er und führte aus, dass er die Kollision weder gesehen noch gehört habe. Auch der Verteidiger Silvio Scotoni wies eine vorsätzliche Tat zurück und sprach bloss von einer fahrlässigen Körperverletzung. Dabei drehte er den Spiess um und lastete dem Geschädigten ein Mitverschulden an. So habe sich dieser in hohem Mass selber gefährdet und seinen Klienten mit der Blockade gar genötigt, plädierte er und setzte sich für eine milde Strafe ein.

Dank Augenzeugen überführt

Das Gericht kam zu vollen Schuldsprüchen und stützte sich dabei auf die Darstellungen von zwei unabhängigen Augenzeugen. Diese hatten übereinstimmend geschildert, dass der Rollstuhl infolge einer Vorwärtsbewegung des Autos gekippt sei. Damit sei auch das Zeugnis des Geschädigten bestätigt, erklärte der Vorsitzende Rudolf Kieser. Der Sachverhalt sei damit von A bis Z erstellt. Zudem sei es ausgeschlossen, dass der Lenker das Opfer nicht gesehen habe. Der Beschuldigte habe vielmehr nur noch Rot gesehen und eine Verletzung des Rollstuhl-Patienten in Kauf genommen.

Strafe verdreifacht

Aufgrund eines erheblichen Verschuldens verdreifachte das Gericht den Strafantrag der Staatsanwaltschaft von 90 Tagessätzen auf 270 Tagessätze zu 80 Franken. Wobei die insgesamt 21 600 Franken für den Ersttäter bedingt festgelegt wurden. Hingegen muss er eine zusätzliche Busse von 800 Franken bezahlen. Zudem wurde er grundsätzlich verpflichtet, dem Mittfünfziger neben Schadenersatz eine Genugtuung in noch zu ermittelnder Höhe zu berappen.

Die Schuld am Vorfall lag laut Gericht eindeutig beim Autolenker. So habe dieser mit seiner Parksünde als Erster provoziert. Danach habe er sich geweigert, das Gespräch mit dem Privatkläger aufzunehmen. Insgesamt stufte das Gericht das Verhalten des Beschuldigten als verwerflich ein.

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