Fussgänger überfahren: Autolenker freigesprochen
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Fussgänger überfahrenAutolenker freigesprochen

In Rümlang hat ein Automobilist einen Fussgänger auf der Glattalstrasse angefahren und schwer verletzt. Allerdings trifft auch laut Obergericht den Lenker keine Schuld.

Es war in den frühen Morgenstunden, als der heute 23-jährige Autolenker am 21. Dezember 2008 in Rümlang über die Glattalstrasse fuhr. Die feuchte Fahrbahn war nicht beleuchtet. Plötzlich bemerkte der Metallbaukonstrukteur einen Schatten und wollte bremsen. Doch es war zu spät. Mit rund 73 km/h erfasste er einen Fussgänger, der auf das Dach des Fahrzeugs geschleudert wurde und in der Folge nicht nur ein mittelschweres Schädelhirntrauma, sondern auch diverse Knochenbrüche erlitt.

Unschuld beteuert

Fast drei Jahre später beschäftigte der Fall am Montag das Zürcher Obergericht. Der wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung angeklagte Aargauer beteuerte erneut seine Unschuld. Er sei weder bekifft noch betrunken gewesen konnte er geltend machen. Er habe zuerst gedacht, er habe ein Reh angefahren, erinnerte er sich zurück.

Anders sah es die Staatsanwaltschaft, die eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 80 Franken sowie eine Busse von 4 800 Franken forderte.

Plötzlich auf die Fahrbahn getreten

Die Verteidigung setzte sich für einen Freispruch ein und stützte sich dabei auf ein erstes Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf ab. Bereits dieses hatte den Autolenker entlastet. Laut Verteidiger sprachen viele Punkte gegen den Geschädigten. So hatte der zur Unfallzeit dunkel angekleidete sowie angetrunkene junge Mann die Fahrbahn plötzlich und unvermittelt betreten. So habe der Autolenker die Kollision nicht mehr verhindern können, argumentierte der Anwalt.

Verhalten des Passanten nicht nachvollziehbar

Die Oberrichter bestätigten den Dielsdorfer Freispruch vom Vorwurf der fahrlässig schweren Körperverletzung. Für sie war das Verhalten des Passanten schlicht nicht nachvollziehbar. Man wisse nicht, wie er auf die Fahrbahn gelangt sei, erklärte der Gerichtsvorsitzende Peter Marti. Der Angeklagte sei über Land gefahren und habe nicht damit rechnen müssen, dass plötzlich ein Fussgänger auftauche, fuhr er fort. Marti sprach von einem tragischen Unfall. Dem Autolenker sei jedoch strafrechtlich nichts nachzuweisen.

Mit dem Freispruch muss das unterlegene Unfallopfer einen Teil der Berufungskosten übernehmen.

Ganz ungeschoren kam der Beschuldigte allerdings nicht davon. So hat er im November 2009 in der Region Baden einen Auffahrunfall verursacht und dabei zwei unschuldige Autoinsassen verletzt. Dafür erhielt er bereits in Dielsdorf eine bedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 80 Franken sowie eine Busse von 400 Franken. Der eingestandene Vorfall spielte aber vor Obergericht keine Rolle mehr.

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