Beulen im Blech: Automasseure reisen um die ganze Welt
Aktualisiert

Beulen im BlechAutomasseure reisen um die ganze Welt

Hageldrücker aus Italien reparieren in der Schweiz Autos, die von Hagelkörnern mit Dellen übersät worden sind. Ihr Handwerk ist eine hohe Kunst.

von
B. Zanni

Ein Hageldrücker massiert die Beulen aus dem Autoblech. (Video: Tarek El Sayed)

Das Unwetter, das am 1. August über Teile der Schweiz zog, hat auf dem Opel Corsa seine Spuren hinterlassen. Über 200 kleinere und grössere Dellen verteilen sich über das Dach und die Motorhaube des Autos. So oder ähnlich sehen Autos nach jedem Unwetter mit Hagel aus, die in einem der Hagel-Help-Points der Zurich-Versicherung eintreffen. In diesem Jahr hat Zurich bereits 17 solche temporären Werkstätten eröffnet.

Am 3. August verzeichnete die Versicherung nach dem Hagelzug in Winterthur Schäden an rund 1200 Fahrzeugen von Zurich-Kunden. «Wenn es gehagelt hat, haben wir meist derart viele Schadensfälle, dass wir zu unseren lokalen Help-Points zusätzlich einen Hagel-Help-Point eröffnen, um all unseren Kunden schnell helfen zu können», sagt Sascha Disch, Chef-Fahrzeugexperte bei Zurich. Einige Fahrzeuge weisen laut Disch feine Hagelschäden auf mit rund 150 Beulen. «Von einem grossen Hagelschaden spricht man, wenn ein Auto 500 bis 1000 Beulen hat.»

Arbeiten auf der ganzen Welt

Um die Hagelschäden zu reparieren, engagiert die Zurich-Versicherung eigens so genannte Hageldrücker. «Sie sind richtige Künstler. Ihr Handwerk kann man nicht so einfach beherrschen», sagt Disch. Mit einem Drückerwerkzeug und viel Fingerspitzengefühl massieren die Hageldrücker die Dellen heraus. «Diese Art ist schneller, günstiger und ökologischer», sagt Disch. Früher dagegen hätten die Karosseriespengler die beschädigten Stellen mit Ersatzteilen ausgetauscht, was auch zu viel Abfall geführt habe. Ein kleiner Schaden kostet heute 1000 Franken, ein grosser 5000 Franken.

Gioacchino Occhiato ist in der Garage Ruckstuhl in Winterthur dabei, Dellen von einer Reihe beschädigter Autos herauszudrücken. Er arbeitet mit viel Fingerspitzengefühl. Auf gewisse Weise sehe er sich als Künstler, sagt Occhiato. Schliesslich mache er seine Arbeit mit grosser Leidenschaft. «Damit das Auto perfekt wird, braucht es viele Stunden Übung.»

Zudem wechselten die Automodelle jedes Jahr. «Man muss also genau wissen, wie man vorgehen muss.» Jedes Jahr müsse er sich deshalb neuen Herausforderungen stellen. Für ihr Handwerk nehmen die Hageldrücker auch einiges in Kauf. «Wir arbeiten auf der ganzen Welt – also überall dort, wo es gehagelt hat.»

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