Drei Autofans erzählen: Autoposer ärgern sich über häufige Polizeikontrollen
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Drei Autofans erzählenAutoposer ärgern sich über häufige Polizeikontrollen

Die Polizei greife vermehrt durch, klagen Autoposer. Bei den Polizeikorps heisst es, dass man ein Augenmerk auf die Szene habe.

von
Lynn Sachs

Rund ums Seebecken kommt es regelmässig zu Autotreffen. Die Polizei führt Kontrollen durch und spricht Wegweisungen aus.

News-Scout

Darum gehts

  • Die Polizeien in der Region Zürich vermelden regelmässig Erfolge gegen Autoposer.

  • In der Szene kommen die Kontrollen nicht gut an, wie drei Betroffene erzählen.

Polizeikontrolle mit dem Fokus Autoposer – so heisst es in mehreren Mitteilungen der Stadtpolizei Zürich aus den vergangenen Wochen. Zahlreiche Lenkende wurden gebüsst oder angezeigt, immer wieder werden Fahrzeuge sichergestellt. Alleine an den letzten zwei Wochenenden im März waren es 14 Fahrzeuge, die technische Abänderungen an den Auspuffanlagen aufwiesen.

An einem Wochenende im Februar wurden bei mehreren Autotreffen über 200 Wegweisungen ausgesprochen. Im Januar hat die Kantonspolizei Zürich in Lindau ein illegales Treffen aufgelöst und 150 Personen wegen Verstosses gegen die Covid-Verordnung verzeigt.

«Unfair und reine Abzockerei»

Der 22-jährige E. H.* hat kürzlich eine Busse erhalten – wie auch seine drei Kollegen, die mit ihm unterwegs waren. Er sass an einem Wochenende im März als Beifahrer in einem BMW. «Wir machten eine Runde und gingen zum Parkplatz am See im Kreis 2, der in der Szene bekannt ist», sagt der 22-Jährige. Dort würden sich am Wochenende jeweils rund 20 Fahrzeuge treffen – es herrsche ein Kommen und Gehen. «Die grosse Mehrheit stört die Anwohnenden nicht, sondern hat einfach einen schönen Abend.»

Später habe die Polizei den Parkplatz abgesperrt und alle Personen kontrolliert. «Jedem von uns vier haben sie eine Corona-Busse von 100 Franken aufgebrummt und uns anschliessend weggewiesen.» Er ist überzeugt, dass es die Polizei auf die Autoposer abgesehen hat. «Das ist unfair und reine Abzockerei. An der Seepromenade stehen Hunderte Personen, aber dort greift die Polizei nicht so stark durch.» Sie hätten sich nur getroffen und seien weder laut gewesen noch zu schnell gefahren. «Wenn wir etwas gemacht hätten, würde ich es verstehen.» Auch der Stau in der Innenstadt werde von der Polizei ausgelöst. «Sie blockieren mit ihrer Kontrolle die Strassen.»

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Autofans glauben, dass es die Polizei auf sie abgesehen hat.

Autofans glauben, dass es die Polizei auf sie abgesehen hat.

Privat
Der Umgang der Polizei mit solchen Treffs habe sich in den letzten Monate verschärft, findet etwa der 30-jährige A. T.*

Der Umgang der Polizei mit solchen Treffs habe sich in den letzten Monate verschärft, findet etwa der 30-jährige A. T.*

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Im Januar war es in Lindau ZH zu einem Autoposer-Treffen gekommen – 150 Autofahrerinnen und Autofahrer wurden angezeigt.

Im Januar war es in Lindau ZH zu einem Autoposer-Treffen gekommen – 150 Autofahrerinnen und Autofahrer wurden angezeigt.

Kantonspolizei Zürich

«Geht es um Corona oder etwas anderes?»

Die 26-jährige Aargauerin S. G.* hat ebenfalls eine Busse erhalten. «Ich war an einem spontanen Autotreffen und wir waren zu viele Leute.» Deshalb habe die Polizei die Teilnehmenden gebüsst. «Ich kann die Busse verstehen. Man sollte sich an die Massnahmen halten.» Was die 26-Jährige hingegen unfair findet, ist, dass die Polizei bei solchen Kontrollen auch gleich die Autos auf Abänderungen kontrolliert. «Geht es jetzt um Corona oder um etwas anderes?»

Die Mercedes-Fahrerin geht an solche Treffen, weil sonst während der Pandemie vieles geschlossen ist. «Ich habe auch schon ein 24-stündiges Zürichverbot von der Polizei bekommen.» Der Grund dafür war, dass sie sich auf einem Parkplatz aufhielt, auf dem auch noch viele andere Autos waren. «Es war jedoch kein Treffen. Ich wollte nur mit einer Freundin einen Kaffee trinken.»

«Ich musste 1,5 Stunden warten»

Auch der 30-jährige A. T.* hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Er geht regelmässig an Autotreffs im Raum Zürich und Aargau. Der Umgang der Polizei mit solchen Treffs habe sich in den letzten Monate verschärft, sagt er. «Bei den Autotreffs kontrolliert die Polizei jedes Fahrzeug. Ich musste schon über 1,5 Stunden warten, bevor sie mich kontrollierten und ich wegfahren konnte.» Eine Busse habe er jedoch noch nie erhalten.

Wie der Mercedes-Fahrer erzählt, werden an Wochenenden jegliche auffälligen Autos angehalten. «Ich wurde vor einigen Wochen von der Polizei von einer Tankstelle weggeschickt, als ich nur kurz etwas einkaufen wollte.» Der 30-Jährige findet das Verhalten der Polizei unfair. «Man hat es definitiv auf Autofans abgesehen.»

«Aussergewöhnliches Jahr»

Die Kantonspolizei Zürich bestätigt, dass man ein Augenmerk auf Autoposer habe. «Das vergangene Jahr kann als aussergewöhnliches Jahr zum Thema Autoposer bezeichnet werden», so Sprecher Marc Besson. Bereits in den vorangehenden drei Jahren habe sich eine entsprechende Entwicklung abgezeichnet. Im Jahr 2020 wurden 849 Fahrzeuglenkende verzeigt. Die Stadtpolizei Zürich kann aufgrund eines hängigen Vorstosses von zwei Stadtzürcher FDP-Politikern derzeit nichts zum Thema Autoposer sagen.

Die Kantonspolizei Aargau hat im vergangenen Jahr eine Autoposer-Taskforce gegründet. «Während des Lockdowns im vergangenen Frühling hatten wir zunehmend den Eindruck, dass die Thematik an Dynamik gewann», sagt Sprecher Bernhard Graser. Deshalb werden wöchentlich mehrere Schwerpunktkontrollen durchgeführt.

Deutliche Zunahme bei Verzeigungen

Der Fokus liege hierbei auf technischen Manipulationen, die der Steigerung des Lärms oder der Motorenleistung dienen sollen, so Graser. Verbotene Änderungen oder Mängel werden vor Ort geahndet. Bei einem Verdacht werden auch weitergehende Ermittlungen durchgeführt, so Graser. «Das kann beispielsweise die Auswertung von Mobiltelefonen sein, mit denen Poser ihre Raserfahrten und andere grobe Verstösse gefilmt haben.»

Die Schaffhauser Polizei stellt in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme von Reklamationen über Autoposer fest. Auch bei den Verzeigungen gibt es einen Anstieg. «Es wurden 2020 rund 70 Fahrzeuglenkende in diesem Zusammenhang zur Anzeige gebracht», sagt Sprecher Patrick Caprez. An den von der Bevölkerung gemeldeten Brennpunkten führe man regelmässig Kontrollen durch.

* Name der Redaktion bekannt

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