Grenzöffnung: Autoposer halten Polizei auf beiden Seiten der Grenze auf Trab
Aktualisiert

GrenzöffnungAutoposer halten Polizei auf beiden Seiten der Grenze auf Trab

Die Öffnung der Grenzen am 15. Juni bereitet der Polizei in Deutschland jetzt schon Sorgen. Doch nicht nur im Nachbarland hat man mit Schweizer Verkehrsrowdys zu kämpfen.

von
Jil Rietmann
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Die Polizei in Deutschland rechnet vermehrt mit Rasern aus der Schweiz, sobald die Grenzen wieder öffnen.

Die Polizei in Deutschland rechnet vermehrt mit Rasern aus der Schweiz, sobald die Grenzen wieder öffnen.

Foto: Keystone
Bereits am Sonntagabend lieferten sich ein weiss lackierter Audi RS 6, ein schwarzer und ein silberner BMW mit Schweizer Kennzeichen ein Rennen zwischen Geisingen und Engen (D).

Bereits am Sonntagabend lieferten sich ein weiss lackierter Audi RS 6, ein schwarzer und ein silberner BMW mit Schweizer Kennzeichen ein Rennen zwischen Geisingen und Engen (D).

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Noch während den Ermittlungen des Vorfalls vom Sonntag ereignete sich am Mittwoch bereits das nächste Rennen. Drei Mercedes und ein BMW, ebenfalls mit Schweizer Autokennzeichen, fuhren um die Wette.

Noch während den Ermittlungen des Vorfalls vom Sonntag ereignete sich am Mittwoch bereits das nächste Rennen. Drei Mercedes und ein BMW, ebenfalls mit Schweizer Autokennzeichen, fuhren um die Wette.

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Darum geht es

  • Die Grenzpolizei in Deutschland rechnet mit vielen Schweizer Rasern, sobald die Grenzen öffnen.
  • Schweizer nutzen die Strassen in Deutschland schon lange für Rennen.
  • Auch die Ostschweiz hat mit Rasern und Autoposer zu kämpfen.
  • Fehlbare Lenker werden teilweise bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, wie ein Beispiel aus dem Rheintal zeigt.

Ab dem 15. Juni sind die Grenzen zu den Nachbarländern wie Deutschland und Österreich für die Schweizer wieder geöffnet. Der Konstanzer Polizei bangt es schon jetzt vor der Grenzöffnung. Allerdings nicht wegen der vielen zu erwartenden Einkaufstouristen. Die Polizei sorgt sich wegen Raser aus der Schweiz. Denn gewisse Schweizer, die die Strassen in Deutschland für Rennen nutzen, sind den Polizisten wohlbekannt. Herbert Storz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, sagt gegenüber dem «Südkurier»: «Ich schätze, die können es kaum abwarten, wieder über die Grenze zu kommen.» Mehr noch: «Ich bin sicher, dass höllisch etwas los sein wird.»

Bereits am Sonntagabend, noch vor der offiziellen Grenzöffnung für jedermann, lieferten sich ein weiss lackierter Audi RS 6, ein schwarzer und ein silberner BMW mit Schweizer Kennzeichen ein Rennen zwischen Geisingen und Engen (D). Solch ein Verhalten sei typisch, meint Storz. Noch während den Ermittlungen des Vorfalls vom Sonntag fand am Mittwoch bereits das nächste Rennen statt. Drei Mercedes und ein BMW, ebenfalls mit Schweizer Autokennzeichen, fuhren um die Wette. Doch für diese Strassenrowdys ging es nicht ganz so glimpflich aus. Noch in derselben Nacht konnten die Täter ausfindig gemacht werden. Die acht Schweizer versammelten sich auf einem Parkplatz eines Discounters.

Diese Konsequenzen drohen fürs Rasen in Deutschland

Im Jahr 2019 lieferten sich zwei Schweizer ein Raserrennen im benachbarten Singen (D). Sie mussten sich dafür vor dem Amtsgericht Singen wegen «Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen» verantworten. Gemäss Polizeiangaben hätten sie einmal auf etwa 60 und einmal auf etwa 90 Stundenkilometer abgebremst, um danach nebeneinander voll aufs Gaspedal drücken zu können. Das Urteil des Amtsgerichts Singen fiel sehr hart aus. Die Richterin erhöhte den Tagessatz von 50 auf 100 Euro. Die Geldstrafe wurde von 4000 auf 8000 Euro verdoppelt. Zur Geldstrafe hinzu kommt ein Fahrverbot in Deutschland für vier Monate. Ausserdem gibt es für Raser in Deutschland auch Konsequenzen in der Schweiz. Wenn im Ausland ein Fahrverbot verfügt wurde und die Widerhandlung als mittelschwer oder schwer eingestuft wird, wird der Fahrausweis in der Schweiz entzogen. Die Strafe wird dabei individuell ermittelt.

Rennen gehen weiter

Man könne sich darauf einstellen, dass es weiterhin illegale Rennen bei den Grenzen zu Deutschland geben wird. Weil der sogenannte Carfreitag in Singen dieses Jahr wegen der Corona-Situation ausfallen musste, bestehe bei den Rasern Nachholbedarf, meint Storz. Deshalb appelliert der Pressesprecher an seine Polizeikollegen im kompletten Einzugsgebiet Konstanz: «Seid jetzt besonders wachsam.» Er geht davon aus, dass die Polizei auch auf Social Media entsprechende Hinweise sichten wird. Die Fahrweise der Raser habe sich auch in Corona-Zeiten nicht verändert. Auch dass es seit April verschärfte Raserkontrollen in Deutschland gibt, habe die Situation nicht verbessert.

Probleme mit Poser am Schweizer Bodenseeufer

Doch nicht nur in Deutschland sind Raser und Autoposer ein Problem. Die Bewohner der Ostschweizer Städte Arbon und Romanshorn fordern nun Hilfe von der Thurgauer Regierung. Die Anwohner des Hafenbeckens in Romanshorn fühlen sich vom Lärm gestört. «Eigentlich hätten wir so eine schöne Ruhezone hier am Hafen, doch die aufheulenden Motoren sind einfach nur unnötig», sagt eine Anwohnerin gegenüber TVO. In den letzten Monaten habe das Problem sehr stark zugenommen, sagt auch die Leitung der Stadt Romanshorn. «Wir prüfen verschiedene Massnahmen wie Schranken und Nachtfahrverbote», sagt Roger Martin, Stadtpräsident von Romanshorn. Doch auch dann sei das Problem nicht wirklich gelöst. Er geht davon aus, dass die Autoposer sich einen anderen Ort suchen, um sich gegenseitig zu beweisen

Auch in Arbon gehören Autoposer und Schnellfahrer zum Tagesprogramm. «Es braucht definitiv mehr Kontrollen der Polizei», sagt Dominik Diezi, Stadtpräsident von Arbon. Deshalb fordert er eine sinnvolle Taktik, wie man gegen die Raser vorgehen wird. Bereits jetzt macht die Kantonspolizei Thurgau vermehrt Kontrollen. Seit April sind circa 50 Autofahrer angezeigt worden, die ihre Motoren aufbrüllen liessen. «Meistens handelt es sich um jüngere Männer mit Migrationshintergrund, die zu laut unterwegs sind», sagt Michael Roth, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau.
In Rorschach im Kanton St. Gallen forderten die Anwohner sogar autofreie Stunden, damit sich die Lärmsituation durch die Autoposer verbessert. Dass genauso harte Massnahmen ergriffen werden müssen, hoffen die Städte Arbon und Romanshorn nicht.

500 Franken Busse für Poser

Auch im St. Galler Rheintal sind Poser ein Problem. Kürzlich wurde ein im Rheintal wohnhafter Kosovare per Strafbefehl verurteilt, weil er an einem Feiertag im April in der Nähe eines Bahnhofs im Rheintal den Motor seines stehenden Audi R8 aufdrehte und so extremer Motorenlärm entstand. Kaum sei dieser Lärm verstummt gewesen, sei der Motor im Leergang wiederum hochgedreht worden, sodass unnötiger Lärm entstand. Blöd für den Lenker: Eine zivile Polizeipatrouille beobachtete den Vorfall. Als ein Polizist den Kosovaren stellen wollte, fuhr er davon. Der Polizist folgte dem Audi und konnte dessen Lenker rund 50 Meter weiter vorne kontrollieren. Der Mann wurde kürzlich von der Staatsanwaltschaft zu einer Busse von 500 Franken sowie zur Zahlung von Gebühren und Auslagen von 550 Franken, also insgesamt 1050 Franken, verurteilt. Anstelle der Busse könnte der Mann auch eine fünftägige Ersatzfreiheitsstrafe wählen. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig. (jeb)

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