Aktualisiert 02.06.2020 02:07

Polizeigewalt in den USA

Autopsie bestätigt Erstickungstod von George Floyd

Die Familie von George Floyd haben einen Autopsiebericht vorgelegt, der vorläufigen Erkenntnissen der US-Behörden widerspricht. Der Bericht belastet die Polizei schwer.

  • Die Familie des bei einem Polizeieinsatzes in Minneapolis ums Leben gekommenen George Floyd hat eine eigene Autopsie in Auftrag gegeben.
  • Die Gerichtsmediziner sind zu der Erkenntnis gekommen, dass Floyd bei dem brutalen Einsatz erstickt sei.
  • «Das macht alle diese Beamten vor Ort strafrechtlich haftbar», sagte ein Anwalt der Floyd-Familie.

Eine unabhängige Autopsie von George Floyd bestätigt, dass dieser bei einem Polizeieinsatz vergangene Woche erstickt ist. «Die Beweise belegen das mechanischen Ersticken als gewaltsame Todesursache», sagte Dr. Allecia Wilson von der Universität in Michigan. Sie ist eine der beiden Gerichtsmediziner, die die unabhängige Untersuchung durchführten. Der auf Floyds Hals und seinen Rücken ausgeübte Druck habe zum Erstickungstod geführt.

Die Autopsie widerspricht damit den Ergebnissen einer ersten Untersuchung, der zufolge es keine Hinweise auf eine traumatische Strangulation gebe und gesundheitliche Probleme mit dem Herz sowie Bluthochdruck zu seinem Tod beigetragen hätten.

Neben dem Knie auf dem Hals war auch das Gewicht der beiden anderen Polizisten auf seinem Rücken verantwortlich für Georges Tod.

Antonio Romanucci, ein Anwalt der Familie Floyd.

Der unbewaffnete Floyd wurde am Montag vergangener Woche in Minneapolis von einem weissen Polizisten minutenlang mit dem Knie auf dem Hals zu Boden gedrückt worden und starb kurz darauf. Ein Video zeigte Floyd, wie er wiederholt flehte, dass er nicht atmen könne. Polizist Derek Chauvin hatte sein Knie fast neun Minuten lang fest auf Floyds Hals gedrückt. Zwei weitere Polizisten knieten auf Floyds Rücken.

Antonio Romanucci, ein Anwalt der Familie Floyd, fordert, dass alle Polizisten angeklagt werden sollten, nicht nur Chauvin. «Neben dem Knie auf dem Hals war auch das Gewicht der beiden anderen Polizisten auf seinem Rücken verantwortlich für Georges Tod. Dadurch wurde der Blutfluss zum Gehirn verhindert und auch die Luftzufuhr in seine Lunge», sagte Romanucci. «Das macht alle diese Beamten vor Ort strafrechtlich haftbar.»

Der Krankenwagen war sein Leichenwagen.

Ben Crump, Anwalt der Familie Floyd.

«Wir können nach etwas weniger als vier Minuten sehen, dass Geroge Floyd regungslos, leblos ist», sagte Dr. Michael Baden, der im Auftrag der Familie Floyd an der unabhängigen Autopsie teilnahm. Er habe bei Floyd keine gesundheitlichen Probleme gefunden, die seinen Tod hätten herbeiführen können. Auch widerlegt er die Ansicht, dass der auf den Boden gedrückte Floyd atmen konnte. «Viele Polizisten haben den Eindruck, wenn man sprechen kann, kann man auch atmen. Das stimmt nicht», sagte Baden. «Ich rede gerade und atme dabei weder ein noch aus.»

Ben Crump, leitender Anwalt der Floyd-Familie, sagte, die unabhängige Autopsie und der Videobeweis machen deutlich, dass Floyd bereits tot war, bevor der Krankenwagen kam. «Der Krankenwagen war sein Leichenwagen», sagte er.

(SDA)

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