Unfälle auf der A1: Autos unter Leitplanken stellen Experten vor Rätsel

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Unfälle auf der A1Autos unter Leitplanken stellen Experten vor Rätsel

Auf der Autobahn A1 im Kanton Thurgau sind in kurzer Zeit zwei Mal Autos unter einer Leitplanke eingeklemmt worden. Fachleute suchen Erklärungen.

von
jeb
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Am Samstagabend (15. Juli 2017) geriet ein Auto auf der A1 bei Sirnach unter die Leitplanke.

Am Samstagabend (15. Juli 2017) geriet ein Auto auf der A1 bei Sirnach unter die Leitplanke.

Kapo TG
Der Fahrer (28) musste mit leichten Kopfverletzungen ins Spital gebracht werden.

Der Fahrer (28) musste mit leichten Kopfverletzungen ins Spital gebracht werden.

Leser-Reporter
Ein Atemlufttest beim Fahrer ergab zwei Promille, sein Fahrausweis wurde eingezogen.

Ein Atemlufttest beim Fahrer ergab zwei Promille, sein Fahrausweis wurde eingezogen.

Leser-Reporter

Am Samstag geriet ein betrunkener Autofahrer mit seinem Auto unter die Mittelleitplanke der Autobahn A1 (20 Minuten berichtete). Der 28-jährige Schweizer hatte grosses Glück und überlebte den Unfall. Laut Kantonspolizei Thurgau geriet er bei Sirnach auf den Pannenstreifen und touchierte die Leitplanke. Daraufhin wollte er zurück auf die Fahrbahn lenken, verlor die Kontrolle über sein Auto und prallte in die Mittelleitplanke. Der betrunkene Fahrer hatte rund zwei Promille intus und wurde mit leichten bis mittelschweren Kopfverletzungen ins Spital gebracht.

Bereits Mitte Mai war auf der A1 bei Wängi TG ein Autofahrer nach einem Unfall unter die Leitplanke geraten. Der 55-jährige Lenker kam aus Unachtsamkeit von der Spur ab und prallte in die Leitplanke. Am Auto entstand Totalschaden. Die Mittelleitplanke wurde auf einer Länge von rund 40 Metern beschädigt. Wie durch ein Wunder wurde der Autofahrer nicht verletzt.

Wie schafft man sowas?

Leser-Reporter Matthias Hurych (22) aus Münchwilen machte sich damals ein Bild vor Ort. «Also so fest wie das Auto eingeklemmt war, fragt man sich schon ‹Wie schafft man sowas?›», so Hurych. Und wie kommt ein Auto unter eine Leitplanke?

«Leitplanken dürfen nicht zu tief sein, damit Lastwagen nicht darüber hinwegfahren können», erklärt Marco Vidale, Präsident der TCS Sektion Thurgau. Dass ein Auto unter die Leitplanken gerät, sei aussergewöhnlich. «Möglicherweise ist der Fahrer vor dem Aufprall voll auf die Bremsen getreten, so dass die Stossdämpfer ganz nach unten drückten und für kurze Zeit die Kühlerhaube des Autos somit tiefer geneigt war als üblich.» Das sei jedoch Spekulation, man müsse die Ermittlungsergebnisse der Polizei abwarten. Diese stehen noch aus.

Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) gibt es zwar Normen im Zusammenhang mit Leitplanken. «Diese unterscheiden sich aber je nach Verkehrssitution», sagt Nicolas Kessler Mediensprecher beim BFU. «Je nach Anzahl Spuren, Verkehrsaufkommen oder ob in einem Tunnel oder ausserhalb gelten andere Tiefen und Breiten für die Leitplanken.» Deshalb werde von Fall zu Fall angeschaut, welcher Leitplankentyp für welchen Autobahnabschnitt montiert werden muss.

Alkohol schlechter Begleiter

Klar sei, dass Alkohol, wie beim Unfall vom Samstag, kein guter Begleiter ist: «Wie empfehlen unmissverständlich: 'Wer fährt, trinkt nicht'. Schon ein Glas Alkohol reicht aus, dass die Reaktionsfähigkeit gemindert wird», sagt Kessler. «Ein Siebtel der schweren und tödlichen Unfälle sind auf Alkohol zurückzuführen.»

Beim Bundesamt für Strassen (ASTRA) heisst es auf Anfrage, man könnte ohne genaue Kenntnis der Sachlage keine konkreten Angaben machen, weshalb die beiden Autos unter die Leitplanken geraten konnten. Leitplanken seien «genormte Einrichtungen, die vor festgelegten Szenarien Schutz bieten. Ein Schutz vor sämtlichen denkbaren Szenarien ist naturgemäss nicht möglich.»

Für genaue Abklärungen seien Detailangaben zum Hergang nötig. Diese Daten seien dem ASTRA jedoch noch nicht bekannt, da diese nur quartalsweise mit der Kantonspolizei ausgetauscht werden.

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