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Autoindustrie warntAutos werden bald massiv teurer

Die Aufregung ist riesig: Wegen der CO2-Abgabe sollen Autos bald viel mehr kosten. Die Zahlen, die die Auto­mobilindustrie publiziert hat, sind schockierend.

von
Deborah Balmer

Statt 27  200 Franken wie bisher soll ein VW Golf VI 1.4 TFSI schon bald mehr als 30  000 Franken kosten – ein Aufschlag von 11 Prozent. Ein Dacia Logan 1.6 Kombi kostet heute 16  700 Franken – ein Käufer muss im Jahr 2015 laut der im «Blick» ­veröffentlichten Liste satte 33  365 Franken für das heute preiswerte Familienauto berappen. Laut Autoindustrie droht dieser Preiswucher, wenn sie bis dahin den CO2-Ausstoss nicht senkt. Denn Bundesrat Moritz Leuenberger plant bis ins Jahr 2015 ­eine Strafsteuer für neue Personenwagen. «Für uns ist es aber schlicht nicht möglich, die CO2-Grenzwerte so schnell zu senken», sagt And­reas Burgener, Direktor von Auto Schweiz. Das Bundesamt für Energie (BFE) bestätigt zwar die Pläne: «Überschreitet ein Hersteller ab 2015 den CO2-Grenzwert von 130 Gramm pro Kilometer, muss er eine Geldbusse zahlen.» Allerdings ist das BFE mit den Berechnungen der Autoindustrie gar nicht einverstanden. Lediglich 330 Franken soll ein Wagen nach der Einführung der Strafabgabe durchschnittlich mehr kosten. Burgener verteidigt seine Liste: «Wir sind näher am Markt, wissen es besser.» Er gibt aber zu: «Der Kunde wird gefordert sein, ökologischere Autos zu kaufen.»

«Neue Arbeitsplätze bei uns»

Herr Bundesrat Leuenberger, wollen Sie Autos zum Luxusgut machen?

Moritz Leuenberger: Wir wollen saubere Autos. Sparsame Wagen, die wenig Benzin brauchen, sind nicht teuer. Zudem sind Hybrid-Autos schon auf dem Markt. Und nächstes Jahr folgt die serienmässige Produktion von Elektroautos. Diese stos­sen viel weniger oder gar kein CO2 aus und schonen so das Klima.

Trotzdem werden Autos teurer. Bedroht das nicht Tausende von Arbeitsplätzen in der Schweiz und in einer Branche, der es sowieso schlecht geht?

Im Gegenteil. In der Schweiz gibt es innovative Firmen, die bei der Entwicklung sauberer Technologien weltweit führend sind. Das schafft zahlreiche Arbeitsplätze, und zwar bei uns – im Gegensatz zur klassischen Autoindustrie im Ausland. Die Autoimporteure müssen halt umdenken. Das sagen ihnen ja auch Obama und Merkel.

Sollte man nach dem Verbraucherprinzip nicht besser den Treibstoff verteuern statt die Autos selber?

Das machen wir ja mit dem neuen CO2-Gesetz. Wenn der CO2-Ausstoss bei den Autos bis 2020 nicht markant zurückgeht, führen wir eine CO2-Abgabe auf Benzin und Diesel ein. Jetzt liegt der Ball bei den Automobilherstellern und den Importeuren. Sie haben es in der Hand, ob diese Abgabe nötig wird oder nicht.

Neues CO2-Gesetz

2015 soll ein neues CO2-Gesetz in Kraft treten: Dieses beruht auf der ab 2015 gültigen europäischen Verordnung, die den durchschnittlichen CO2-Ausstoss der EU-Neuwagenflotte von 130 g/km vorschreibt. Da aber die Schweiz von einem höheren CO2-Wert aus startet als die EU, müssen laut dem Bundesamt für Energie (BFE) auch höhere Bussen berechnet werden. Die Vorlage zum neuen Gesetz wird dem Parlament wohl bis Ende 2010 vorgelegt.

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