Aktualisiert 19.10.2012 14:10

Schlechter SeptemberAutoverkäufe brechen ein

Im September sind in der Schweiz die Zulassungen von Neuwagen um über 20 Prozent eingebrochen. Grosse Verlierer sind die Marken Infiniti und Jaguar. Richtig hart traf es auch Volkswagen.

von
Sandro Spaeth
Im September gingen die Neuzulassungen von VW in der Schweiz um 35 Prozent zurück – von 3400 auf 2200 Stück.

Im September gingen die Neuzulassungen von VW in der Schweiz um 35 Prozent zurück – von 3400 auf 2200 Stück.

Der September war für den Autohandel ein schwarzer Monat. Unter dem Strich resultierte bei den Schweizer Neuzulassungen ein Minus von 20,1 Prozent. Die grösste Einbusse erlitt mit 85 Prozent die Nissan-Edelmarke Infiniti. Hier gingen die neu zugelassenen Fahrzeuge im September im Vorjahresvergleich von 21 auf 3 zurück. Ebenfalls ein starkes Minus erzielte mit 82 Prozent Jaguar, von 106 auf 19 Fahrzeuge.

Richtig hart traf es im September auch Volkswagen. Die Neuzulassungen gingen um 35 Prozent zurück – von 3400 auf 2200 zurück. «Dieser Rückgang ist beträchtlich», sagt EurotaxGlass's-Automarktexperte Simon Büsser. Die aktuelle Zurückhaltung der VW-Kunden erklärt der Experte aber teilweise mit dem ab Mitte November erhältlichen neuen Golf VII.

Das Minus von 20 Prozentz im September ist laut Büsser ein Echo auf die schleppenden Autoverkäufe in ganz Europa. Zudem sei der September des Vorjahres mit fast 27 000 Neuzulassungen ein starker Monat gewesen. Höchstwerte erreichte die Schweizer Autobranche mit monatlich bis zu 30 000 Neuzulassungen im Frühling 2011 – ein beträchtlicher Teil davon «auf Vorrat». Grund dafür war das Inkrafttreten des revidierten CO2-Gesetzes per 1. Juli, welches den Import eines Grossteils der Autos verteuerte – im Extremfall mit über 20 000 Franken.

Alter Fahrzeugbestand und Preissenkungen

Im Vergleich zur Absatzentwicklung im europäischen Umfeld ist der hiesige Automarkt aber noch glimpflich davongekommen. Von Januar bis September liegt der Verkauf von Neuwagen in der Schweiz sowie im Fürstentum Liechtenstein mit rund 245 000 Autos 5,5 Prozent über dem Vorjahr. Die Gründe dafür sehen die EurotaxGlass's-Experten unter anderem in der stabilen inländischen Wirtschaft und dem hohen Durchschnittsalter des hiesigen Fahrzeugbestandes.

Ihre Verkäufe anzukurbeln versuchten die Schweizer Importeure zwischen Januar und Juni auch mit Preissenkungen – auch um die steigenden Parallelimporte einzudämmen. So hat beispielsweise Maserati die Preise je nach Modell um über 13 Prozent gesenkt, Volvo um 10 Prozent und Lancia um 9 Prozent. Nur wenige Marken hatten im aktuellen Preiskampf den Mut, die Preise zu erhöhen: So stiegen die Preise bei Porsche beispielsweise um 0,8 Prozent – und beim Land-Rover-Erfolgsmodell Evoque sogar um 4 Prozent.

Der Trick bei der Zulassung

Richtig schlecht verläuft das Autogeschäft derzeit in Deutschland. Die Absätze erreichten im September ein historisches Tief. Nur 88 000 Autos wurden im September auf private Käufer zugelassen. Das ist bei den Privatkäufern der schlechteste September seit dem Jahr 1995. Nur noch 35 Prozent aller Neuwagenkäufe gingen im September an Privatkunden. Ein Grossteil der Verkäufe an Firmen waren laut dem Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg Essen sogenannte taktische Zulassungen, sprich Fahrzeuge, die von den Marken oder den Händlern selbst in Verkehr gebracht wurden, um die Zahlen zu beschönigen.

Wie schwierig der deutsche Automarkt geworden ist, zeigt sich am Beispiel der Marke VW. Die in der Vergangenheit bei taktischen Zulassungen stets vorsichtige Marke hat im September 36 Prozent der Autos (18 636 Stück) selbst in Verkehr gebracht. Das ist laut Dudenhöffer der höchste Wert seit Beginn seiner Aufzeichnungen vor rund sieben Jahren – und ein beunruhigendes Signal. Von den deutschen Autobauern haben nur Opel und Porsche im September einen höheren Anteil erreicht.

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