Schlechtere Konditionen: Avec-Shops wehren sich gegen Valora-Kündigung
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Schlechtere KonditionenAvec-Shops wehren sich gegen Valora-Kündigung

Der Kiosk-Konzern hat die Verträge mit den selbstständigen Avec-Filialen gekündigt. Nun steigen die Betreiber auf die Barrikaden. Valora lasse sie ausbluten.

von
Sandro Spaeth
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Franchisenehmer von Valora wehren sich gegen den Kioskkonzern. Ihnen wurde der Franchisevertrag gekündigt.

Franchisenehmer von Valora wehren sich gegen den Kioskkonzern. Ihnen wurde der Franchisevertrag gekündigt.

Valora/Alexander Palacios
Der neue Agenturvertrag sei massiv schlechter, finden die betroffenen Unternehmer.

Der neue Agenturvertrag sei massiv schlechter, finden die betroffenen Unternehmer.

Keystone/Patrick Huerlimann
Valora verzichtet künftig aufs Franchisesystem und setzt aufs Agenturmodell. Die Verträge mit den selbstständigen Unternehmern wurden im Juli gekündigt.

Valora verzichtet künftig aufs Franchisesystem und setzt aufs Agenturmodell. Die Verträge mit den selbstständigen Unternehmern wurden im Juli gekündigt.

urs Jaudas

Noch im Februar hatten die selbständigen Avec-Betreiber Grund zur Hoffnung: Auf einer Veranstaltung für Franchisenehmer, Agenturleiter und Geschäftsführer im Berner Kursaal betonten die Valora-Topmanager, wie wichtig die Franchisenehmer als Partner für den Kioskkonzern seien. Bei den Avec-Shops setzte Valora nämlich während Jahren auch aufs Franchisesystem. So zahlten 30 eigenständige Unternehmer monatlich eine Franchisegebühr und führten über 50 Läden auf eigenes Risiko.

Der Schock kam im Sommer: Valora kündigte den Franchisenehmern die Verträge per Ende Jahr und stellte ihnen einen Agenturvertrag in Aussicht. Das Problem: Die neuen Konditionen sind laut den Avec-Betreibern massiv schlechter. 20 Minuten weiss von fünf Fällen, in denen sich Avec-Unternehmer mit Hilfe von Anwälten gegen Valora wehren. Sie monieren, die Kündigung sei missbräuchlich, da es sich um eine Änderungskündigung zur Durchsetzung schlechterer Vertragsbedingungen handle.

Bleibt am Ende ein Verlust?

Die Franchise-Nehmer führen etwa zu tiefe Provisionssätze ins Feld und argumentieren, der erzielbare Ertrag liege beim Agenturvertrag massiv tiefer. Und das, obwohl das wirtschaftliche Risiko fürs Personal allein bei der Avec-Agentur sei. Nehme man den budgetierten Umsatz für ein mässiges Geschäftsjahr 2019 als Vergleichsgrundlage, bleibe gar ein Verlust von mehreren zehntausend Franken.

Eine Valora-Sprecherin sagt auf Anfrage: «Uns ist bekannt, dass einzelne Franchise-Nehmer die Kündigung in Frage stellen.» Das Ziel ist laut Valora eine für beide Seiten langfristig erfolgreiche Geschäftsbeziehung. Zudem betont das Unternehmen, dass Valora nicht die Franchise-Verträge ändere, sondern das Franchising-System aufgrund einer Neuausrichtung ganz aufgebe.

«Die Konditionen sind zugunsten von Valora»

Die bisher selbstständigen Avec-Betreiber sind von den neuen Konditionen enttäuscht: «Valora lässt uns ausbluten. Die offerierten Konditionen sind teils willkürlich und immer zugunsten von Valora», sagt einer, der mehrere Avec-Läden im Franchise-System führt. Laut 20 Minuten vorliegenden internen Informationen haben schon bei den aktuellen Konditionen viele selbständige Avec-Filialen Probleme: Demnach hätten 2018 23 der rund 50 Franchise-Verkaufsstellen Verlust geschrieben, drei waren sogar überschuldet und gingen in Konkurs.

Die kolportierten Zahlen will Valora nicht kommentieren, wehrt sich aber gegen den Vorwurf der laut Kritikern willkürlichen Konditionen: «Das offerierte Provisionsmodell stützt sich auf unsere langjährigen Erfahrungswerte und ermöglicht erfolgreiches Unternehmertum», so eine Sprecherin. Valora betreibe in der Schweiz seit 2010 erfolgreich das Agentursystem, darunter etwa mit den K-Kiosken und den Brezelkönig-Ständen.

Welchen Einfluss hatte der SBB-Deal?

Die Avec-Betreiber vermuten als Grund für die Änderung der Konditionen den Sieg von Valora bei einer grossen SBB-Ausschreibung. Valora hat Ende April den Zuschlag für 262 Kiosk- und Convenience-Flächen an Bahnhöfen erhalten. Valora habe ein extrem offensives Angebot gemacht und etwa die Mietpreise zugunsten der SBB um rund 5 Prozent erhöht, so ein Franchisenehmer. «Dafür müssen wir nun büssen. Valora muss nun über die Agenturverträge zusätzliches Geld reinholen.»

Bei Valora heisst es dazu lediglich: Die Umstellung auf ein Partnersystem habe sich bei einem Verhältnis von rund 800 Agenturen zu rund 50 im Franchising geführten Verkaufsstellen nur schon aufgedrängt, um die Komplexität zu reduzieren.

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