Aktualisiert 19.09.2013 16:33

Zu wenig effizientAvenir Suisse will das GA abschaffen

Auf Strassen und Schienen sind zu viele Menschen unterwegs, findet Avenir Suisse. Als Gegenmittel schlägt der liberale Think Tank eine Gotthard-Maut vor – und teureres Zugfahren.

von
hhs
Geht es nach Avenir Suisse gehört dieses Bild bald der Vergangenheit an: Ein Bahnfahrer zeigt sein Generalabonnement.

Geht es nach Avenir Suisse gehört dieses Bild bald der Vergangenheit an: Ein Bahnfahrer zeigt sein Generalabonnement.

Avenir Suisse trumpft gerne mit provozierenden Ideen auf – nun knöpft sich der wirtschaftsnahe Think Tank mit einem Diskussionspapier die Verkehrspolitik vor. Die Verkehrsströme auf den Schweizer Strassen und Schienen sollen verringert und die Kosten gesenkt werden, so lautet das Credo von Avenir Suisse.

«Die Mobilität nimmt immer stärker zu und gleichzeitig wird immer lauter über Staus und überfüllte Züge geklagt», sagte Daniel Müller-Jentsch, Projektleiter bei Avenir Suisse, am Donnerstag bei der Präsentation des neuen Diskussionspapiers.

«Mobility Pricing ist fairer»

Beim öffentlichen Verkehr schlägt Avenir Suisse vor, die Preise während der Rushhour auf überlasteten Strecken zu erhöhen und längerfristig das GA abzuschaffen – eine Forderung, die der Wirtschaftsverband Economiesuisse bereits letztes Jahr erhoben hat. «Während der Talzeiten liegen im Zugverkehr enorme Kapazitäten brach», so Müller-Jentsch. Die Sitzplatzauslastung der SBB betrage nur gerade zwischen 20 und 32 Prozent.

«Wir wollen mit unserem Papier die Diskussion anregen», ergänzte Avenir-Suisse-Direktor Gerhard Schwarz. «Mobility Pricing» sei das fairere System als das momentan geltende. «Die Akzeptanz in der Bevölkerung für unsere Ideen ist noch gering.» Dies werde sich aber aufgrund des zunehmenden Drucks auf die Benutzer von Strassen und Schienen ändern.

Verkehr wächst viel schneller als Bevölkerung

Avenir Suisse will auch bei der Strasse ansetzen. Während die Bevölkerung zwischen 2000 und 2011 um 10 Prozent und das Bruttoinlandprodukt um 21 Prozent wuchsen, stieg die Fahrleistung auf den Nationalstrassen doppelt so schnell um 41 Prozent. «Ursache dafür sind weit verbreitete Fehlanreize», erklärte Müller-Jentsch.

Mit der Idee «Mobility Pricing» will die Denkfabrik dieser Entwicklung Gegensteuer geben und die Kosten senken. Mit einem höheren Grad an Benutzerfinanzierung, Preisdifferenzierung nach Zeiten und Strecken sowie Investitionsentscheiden auf Basis von Kosten-Nutzen-Erwägungen, soll die Kostenspirale unterbrochen werden.

Zweite Gotthard-Röhre finanzieren

Der Status quo sei in vielen Bereichen ungerecht, sagte Projektleiter Müller-Jentsch. «Die Kosten sollen von dem bezahlt werden, der sie verursacht.» Als Idee für den Strassenverkehr bringt die Denkfabrik eine Tunnel-Maut ins Spiel – ähnlich wie sie in Österreich bei sechs Tunnels auf den alpenquerenden Strassen erhoben wird.

«Als Pilotprojekt für eine Tunnel-Maut in der Schweiz bietet sich der Gotthard-Tunnel an», argumentiert nun Müller-Jentsch. Der Bundesrat schätzt die Gesamtkosten einer Sanierung auf bis zu zwei Milliarden Franken, beim Bau einer zweiten Röhre auf 2,8 Milliarden Franken.

«Diese Kosten könnte durch eine Tunnel-Maut finanziert werden», sagte der Avenir-Suisse-Projektleiter. Auch diese Idee ist nicht neu: Im Februar 2012 schlug Economiesuisse vor, Strassenzölle einzuführen. Die Rede war von einer Gebühr in der Höhe von 21 Franken.

Eine weitere im Diskussionspapier aufgeworfene Massnahme im Strassenverkehr ist eine City-Maut, wie sie die schwedische Hauptstadt Stockholm kennt. In Städten wie Zürich oder Genf sollte damit die Verkehrsüberlastung gelindert werden. (hhs/sda)

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