Aventis lässt sich von Sanofi schlucken

Aktualisiert

Aventis lässt sich von Sanofi schlucken

Der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis gibt nach dreimonatiger Abwehrschlacht gegen den kleineren Konkurrenten Sanofi-Synthélabo nach.

Nach gut dreimonatiger Abwehrschlacht gibt der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis gegen den kleineren Konkurrenten Sanofi-Synthélabo auf. Wie die französische Regierung am Sonntagabend bestätigte, nahm der Verwaltungsrat von Aventis ein verbessertes Übernahmeangebot von Sanofi an. Damit entsteht gemessen am Umsatz der grösste Pharmakonzern Europas.

Unter dem Eindruck einer möglichen Fusion von Aventis mit dem Schweizer Konzern Novartis hatte Sanofi sein Übernahmeangebot von 58,11 Euro pro Aktie auf etwa 70 Euro erhöht. Der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin lobte die Einigung der beiden Pharmakonzerne. Sie korrespondiere mit Frankreichs «strategischen Interessen», weil sie Arbeitsplätze der Pharmaindustrie in Frankreich sichere. Gesundheitsminister Philippe Douste-Blazy sagte, mit dem Zusammenschluss von Aventis und Sanofi erhalte Frankreich einen der grössten Pharmakonzerne der Welt. Dem Handel müssen noch die Aktionäre zustimmen.

Aventis hatte am Freitag im Abwehrkampf gegen Sanofi-Synthélabos einen herben Rückschlag erlitten. Die französische Börsenaufsichtsbehörde AMF beurteilte den Aventis-Plan, zur Abwehr von Sanofi Optionsscheine an seine Aktionäre auszugeben, als Verstoss gegen die Marktregeln. Das Vorhaben des Strassburger Unternehmens stimme nicht mit Prinzipien für öffentliche Angebote überein, hiess es in einer Erklärung der AMF.

Aventis hatte sich in der Vergangenheit massiv gegen eine Übernahme durch Sanofi gewehrt und den Schweizer Pharmakonzern Novartis als weissen Ritter ins Spiel gebracht. Vergangene Woche hatte Novartis dann Fusionsverhandlungen mit Aventis angekündigt.

Die französische Regierung hatte sich allerdings bemüht, Aventis und Sanofi zu einem Zusammenschluss zu drängen. Premierminister Raffarin hatte seine Präferenz für die Bildung eines «nationalen Champions» in der Pharmabranche erkennen lassen.

Michael Klippel, Betriebsratsvorsitzender der Aventis Pharma Deutschland, sagte auf AP-Anfrage, die Arbeitnehmervertreter müssten bei der Gestaltung des neuen Konzerns mitreden können. In der Vergangenheit hatten die Arbeitnehmervertreter bereits vor dem Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland gewarnt, falls Sanofi Aventis schlucken sollte.

Sanofi hatte im Januar ein feindliches Übernahmeangebot für Aventis vorgelegt, das den nach dem Umsatz doppelt so grossen Konkurrenten damals mit rund 45 Milliarden Euro bewertete.

(dapd)

Deine Meinung