Aktualisiert 22.04.2018 09:25

«Wir mussten ihn rauszerren»Avicii arbeitete vor dem Tod wie besessen

Die Monate vor seinem Tod verbrachte der Star-DJ mehrheitlich im Studio. Das Label musste ihm sogar Pausen verordnen.

von
woz

DJ Avicii ist im Alter von 28 Jahren gestorben. (Video: Tamedia)

Zwei Tage vor dessen Tod hat Neil Jacobson noch mit DJ Avicii gesprochen. Thema: Welche Featurings auf dem neuen Album sein sollen. «Er hatte eine Liste. Es war das Letzte, über das wir geredet haben», sagt der Präsident des Labels Geffen Records.

Avicii alias Tim Bergling habe in den letzten Monaten intensiv an seinem Album gearbeitet, teilweise im Akkord. «Wir mussten die Pausenzeiten festlegen, weil Tim 16 Stunden am Stück arbeiten konnte», sagt Jacobson zu «Variety». «Wir musten ihn rauszerren, im Sinne von: ‹Tim, komm schon. Geh ins Bett. Ruhe dich aus.›»

Das Album sei auf sehr gutem Weg gewesen. «Es war Aviciis beste Musik seit Jahren, wirklich», so Jacobson. «Es ist eine Tragödie.»

Todesursache bleibt rätselhaft

Avicii ist am Freitag im Alter von 28 Jahren im Golfstaat Oman gestorben. Tim Bergling, wie er mit bürgerlichem Namen heisst, wurde in der Hauptstadt Maskat tot aufgefunden.

Die Todesursache ist weiterhin unklar. Laut dem schwedischen Portal SVT News geht die Polizei nicht von einem Verbrechen aus.

«Wir wissen, was passiert ist, aber wir geben es noch nicht an die Medien», zitiert das Portal einen örtlichen Polizisten. Das Aussenministerium in Oman wolle erst zu einem späteren Zeitpunkt Details zum Todesfall nennen.

«Er fühlte sich gut und war glücklich»

Avicii zählte zu den erfolgreichsten DJs der Welt. Mit dem Song «Levels» gelang ihm 2011 der Durchbruch. 2012 und 2013 schaffte er es im Ranking des «DJ Magazine» jeweils auf den dritten Platz der besten DJs. Er arbeitete unter anderem mit Madonna, der britischen Rockband Coldplay und dem französischen DJ und Musikproduzenten David Guetta zusammen.

Laut einem Freund des Künstlers deutete nichts auf den plötzlichen Tod des Weltstars hin: «Ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte. Er fühlte sich gut und war glücklich», sagt Maitrai Joshi zur schwedischen Zeitung «Aftonbladet». Sie seien zusammen im selben Hotel gewesen und hätten erst gerade noch gemeinsam Zeit auf einem Boot verbracht. Laut Maitrai Joshi war Avacii so zufrieden mit seinen Ferien im Oman, dass er sich entschied, acht Tage länger zu bleiben.

Gesundheitliche Probleme

Avicii war einer der ersten DJs, der es schaffte, mit elektronischer Tanzmusik in den Mainstream vorzudringen. Sein Megahit «Wake me up» mit dem Soul-Sänger Aloe Blacc war 2013 in Europa die Nummer eins. Sein mit elektronischer Musik unterlegter Remix von Coldplays «A Sky Full of Stars» (2014) wurde ein weiterer Hit. Als Producer war er für Madonnas Album «Rebel Heart» (2015) tätig.

Avicii hatte in den vergangene Jahren offen über seine Gesundheitsprobleme gesprochen – unter anderem über eine zum Teil durch exzessiven Alkoholkonsum verursachte Entzündung der Bauchspeicheldrüse. 2014 hatte er einige Live-Auftritte abgesagt, weil er sich die Gallenblase und den Blinddarm entfernen liess.

Letzte Tour mit 26 Jahren

2016 waren seine Fans sprachlos, als er sich – gerade mal 26 Jahre alt – von ihnen verabschiedete. Diese Tour sei seine letzte, schrieb er damals und kündigte an, dass er mehr Zeit für sein Privatleben haben wolle.

Auf der Liste der bestbezahlten DJs des Magazins «Forbes» von 2016 kam der Schwede mit Einnahmen in Höhe von 14,5 Millionen Dollar auf Platz zwölf.

Der Name Avicii stammt aus dem Sanskrit und geht auf den Buddhismus zurück. Das Wort Avici bezeichnet die tiefste Ebene der Hölle. Aus stilistischen Gründen fügte der Künstler ein zusätzliches «i» hinzu.

«Levels» von Avicii. (Quelle: Youtube/ Avicii)

«Wake me up» von Avicii. (Quelle: Youtube/ Avicii)

«Waiting for Love» von Avicii. (Quelle: Youtube/ Avicii)

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