22.04.2018 17:14

Sein Name bedeutet HölleAvicii hat seine Abgründe nie versteckt

Die Nachricht von seinem frühen Tod hat die Welt geschockt. Um seine innere Zerrissenheit und seinen Gesundheitszustand hat Avicii derweil nie ein Geheimnis gemacht.

von
fim
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Der schwedische Produzent und DJ Avicii war ein Schwerarbeiter. Zuletzt hätte er bis zu 16 Stunden am Stück in seinem Studio an neuen Songs gearbeitet, erzählt Label-Chef Neil Jacobson von Geffen Records.

Der schwedische Produzent und DJ Avicii war ein Schwerarbeiter. Zuletzt hätte er bis zu 16 Stunden am Stück in seinem Studio an neuen Songs gearbeitet, erzählt Label-Chef Neil Jacobson von Geffen Records.

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Sein Arbeitspensum war während seiner rund zehnjährigen Karriere stets sehr hoch – egal, ob er mehrere hundert Auftritte im Jahr absolvierte oder nur noch im Studio arbeitete. Sein Job setzte ihm zu: Avicii musste ...

Sein Arbeitspensum war während seiner rund zehnjährigen Karriere stets sehr hoch – egal, ob er mehrere hundert Auftritte im Jahr absolvierte oder nur noch im Studio arbeitete. Sein Job setzte ihm zu: Avicii musste ...

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... sich 2014 ins Spital einweisen lassen. 2016 gab er seinen Bühnen-Rückzug bekannt. Für 2018 sei allerdings ein Comeback geplant gewesen, berichtet unter anderem Bild.de.

... sich 2014 ins Spital einweisen lassen. 2016 gab er seinen Bühnen-Rückzug bekannt. Für 2018 sei allerdings ein Comeback geplant gewesen, berichtet unter anderem Bild.de.

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Bei den riesigen Erfolgen, die Avicii als DJ feierte, war es leicht zu übersehen, dass hinter dem Superstar ein sensibler und suchender Mann stand. In seinem Schaffen und mit seinen Auftritten in der Öffentlichkeit hat er immer wieder gezeigt, wie schwer es ihm fiel, seine Liebe zur Musik zu leben, ohne dabei von der ständigen Arbeit und den Nebenerscheinungen des Welt-Ruhms zermürbt zu werden. Eine Spurensuche.

Sein Künstlername steht für die Hölle:

Als sich Tim Bergling in seinen Anfängen vor rund zehn Jahren auf die Suche nach einem Künstlernamen begab, wurde er beim Buddhismus fündig: Avici bezeichnet die «tiefste Ebene der buddhistischen Unterwelt, auf die jene Verstorbenen gelangen, welche die schwersten Verbrechen begangen haben», heisst es auf Wikipedia. Aus Wiedererkennungsgründen hängte Tim noch ein zweites -i an das Wort an.

Aviciis letzter Release, eine EP mit sechs Songs, die er im Sommer 2017 veröffentlichte, benannte er denn auch nach dieser buddhistischen Hölle. «Avci», in Originalschreibform. Das Dunkle schien ihn zu faszinieren.

Im Video spricht Avicii über seinen Künstlernamen und seine Gesundheit.

Avicii ist tot

(Video: Tamedia/Youtube)

Er thematisierte seinen Gesundheitszustand:

In mehreren Interviews sprach der Schwede offen darüber, dass ihm das Leben auf Tour und in der Öffentlichkeit stark zusetze – er sei ein introvertierter Mensch. 2014 musste Avicii mehrere Auftritte absagen, weil er sich die Gallenblase und den Blinddarm entfernen liess. Der DJ trank übermässig Alkohol.

Wie ein Veranstalter, der mehrere Shows von Avicii organisiert hat, gegenüber Bild.de sagt, sei er auch mit Krücken noch auf die Bühne gegangen. «Er war selten wirklich fit. Trotzdem trat er auf. Einmal hab ich erlebt, wie er auf die Bühne im wahrsten Sinne des Wortes gekrochen ist.»

2016 zieht Avicii die Reissleine: In Ibiza tritt er im Ushuaia-Club ein letztes Mal auf. Mit der Dokumentation «True Stories», die Ende 2017 erschien, gab Avicii offene Einblicke in sein Leben, liess sich sogar im Spitalbett filmen.

In seinem Schaffen steckt Schwermut:

Selbst in seinen allergrössten Hits, zu denen Menschen weltweit tanzen und feiern, stecken schwere Zeilen: «Weck mich auf, wenn es vorbei ist» («Wake Me Up»), oder «Manchmal fühle ich mich gut / so wie ich mich nie, nie, nie, nie gefühlt habe» («Levels»). Auch die Suche nach Liebe wird in vielen Songs thematisiert – über Aviciis Beziehungsstatus war zuletzt nichts bekannt. Seine letzte Beziehung hatte er 2014 mit der Bloggerin Racquel Bettencourt.

Das Video zu «Levels» zeigt zudem einen Mann, der in Anlehnung an den antiken Mythos von Sisyphus einen Stein einen Berg hochrollt. Die Geschichte ist bekannt: Er wird mit der Arbeit nie fertig. Ein Bild, das mit den neusten Erkenntnissen zu Aviciis getriebener Arbeitsweise eine neue Tiefe erhält. Wie der Präsident von Geffen Records sagt, habe Avicii zuletzt bis zu 16 Stunden am Stück gearbeitet.

Er suchte offensichtlich nach Ausgleich:

Auf seinem Instagram hat Avicii in den vergangenen Monaten immer wieder Bilder von seinen Reisen auf der ganzen Welt mit seinen mehreren Millionen Followern geteilt. Bergling war auf der Suche nach Ruhe und echtem Leben, fernab der Showbiz-Mühle, die ihn jahrelang so zermürbt hatte. Umgeben von der Natur scheint er auf den Reise-Bildern am zufriedensten.

«Vergesst nicht, zu chillen.»

«Selfies zu knipsen bringt mehr Leute um als Hai-Attacken.»

«Ich empfehle jedem, den Tafelberg auf die Bucket-List zu nehmen.»

Seinen Bezug zum Smartphone macht er in diesem Post klar: «Ich kann nicht mit, ich kann nicht ohne [es] leben.»

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