06.04.2015 08:29

Playoff-Final-Analyse

Axelsson und die HCD-Brandstifter

Die ersten viereinhalb Drittel gehörten den ZSC Lions: 5:1-Tore. Doch dann wechselte das Momentum erstmals in diesem Playoff-Final. 4:0 in den letzten 30 Minuten für Davos.

von
Marcel Allemann
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Playoff-Final, Spiel 5, 11. April 2015
Playoff-Final, Spiel 5, 11. April 2015

Der HC Davos schlägt die Lions im Hallenstadion 3:0 und entscheidet die Serie 4:1 für sich.

Keystone/Ennio Leanza
Leitwolf Reto von Arx erzielt in der 50. Minute in Überzahl die 1:0-Führung.

Leitwolf Reto von Arx erzielt in der 50. Minute in Überzahl die 1:0-Führung.

Keystone/Patrick B. Kraemer
Davos' Beat Forster drückt den Kopf von Chris Baltisberger aufs Eis und verhindert so ein Tor für die Lions.

Davos' Beat Forster drückt den Kopf von Chris Baltisberger aufs Eis und verhindert so ein Tor für die Lions.

Keystone/Patrick B. Kraemer

Fünf Gründe sind für den bisherigen Verlauf dieser packenden Final-Serie zwischen Titelverteidiger ZSC und dem Herausforderer HCD auszumachen.

1. Das verrückte Genie Dick Axelsson: Stürmer Dick Axelsson stand am Ursprung des Davoser Sieges. Den Puck versteht er, mit seinem Stock jeweils zu streicheln. Brillant, wie er das 3:2 von Gregory Hofmann vorbereitete und das Eigentor von Patrick Geering beim 1:0 provozierte. Daneben fährt der schwedische Lebemann den Gegnern überraschenderweise auch noch unter die Haut. Kaum ein Zürcher mit dem er sich noch nicht angelegt hat. Sein Lieblingskunde ist jedoch Landsmann Henrik Tallinder, dessen Waden er hinter dem Rücken der Schiedsrichter auch schon mal mit kleinen, aber feinen Stockschlägen bearbeitet. Und was machen die ZSC Lions gegen dieses verrückte «Biest»? Nichts! Nicht einmal, als die Partie längst entschieden knöpften sie sich Brandstifter Axelsson vor. Der dürfte sich einen Schranz weggelacht haben.

2. Claude-Curdin Paschouds Geburtstags-Frust: Der Aufsteiger in der HCD-Verteidigung hat bei seinem ersten Playoff-Final bewegende Tage hinter sich. Am Donnerstag sein eklatantes Fehlverhalten beim Tor zum 3:0 der ZSC Lions von Ryan Keller. Am Freitag feierte Paschoud seinen 21. Geburtstag. Und dann gab er am Samstag zusammen mit Noah Schneeberger bei Chris Baltisbergers 2:1-Führungstreffer für Zürich ebenfalls nicht die beste Figur ab. Da staute sich viel Frust an. Der musste raus. Am besten an Baltisberger. Mit einer heftigen Schlägerei. Danach trug Baltisberger nicht nur ein Veilchen am Auge, sondern die Partie drehte. Es war die Initialzündung durch den kräftigen Youngster. «Ich wolle etwas versuchen und es ging auf», meinte er hinterher. Seinen Geburtstag feiern will Paschoud übrigens erst nach der Serie – am liebsten mit einem gelben Pokal in der Hand.

3. Reto Von Arx macht den Blindenbacher: HCD-Trainer Arno Del Curto lobte nach dem verloren gegangen Spiel 1 ausdrücklich den Auftritt von Severin Blindenbacher. Der ZSC-Verteidiger begehe keine Fehler, so schnörkellos wie er müsse man in einem Playoff-Final spielen. In der Zwischenzeit hat er seinen eigenen Blindenbacher gefunden: In Reto von Arx. Im zweiten Spiel nach dessen Comeback beorderte Del Curto seinen 38-jährigen Altmeister vom Sturm wieder in die Verteidigung. Mit Erfolg: Von Arx beging keine Fehler, liess sich durch die wirbligen Zürcher nicht stressen, behielt stets die Ruhe und spielte kluge erste Pässe. Reto von Arx machte den Blindenbacher, derweil Blindenbacher selbst für einmal nicht ganz fehlerfrei blieb.

4. Der rabenschwarze Abend von Patrick Geering: Patrick Geering ist zusammen mit Severin Blindenbacher der beste, zuverlässigste, mobilste ZSC-Verteidiger. Es bleibt das Geheimnis von Ex-Nationaltrainer Sean Simpson, weshalb der 25-Jährige in den letzten vier Jahren nie für ein WM-Turnier aufgeboten wurde. Denn Geering gehörte in dieser Zeitspanne sicher permanent zu den 10 besten Schweizer NLA-Verteidigern. Doch auch ein Patrick Geering zieht einmal einen rabenschwarzen Abend ein. Und ein solcher war dieser 4. April 2015 in Davos, denn der Zürcher produzierte gleich zwei Eigentore. Zuerst verwertete er einen Querpass von Dick Axelsson zum 0:1, später lenkte er Mauro Jörgs Schuss zum 2:4 ab. Hinterlässt das Spuren bei Geering oder steckt er das so cool wie er zumeist spielt weg?

5. Plötzlich fallen die Tore wie reife Früchte: Zuvor schafften die Davoser in sieben Saisonspielen zusammen gegen die ZSC Lions gerade mal fünf Tore. Und plötzlich gibt es deren fünf in einer einzigen Partie, deren vier in gerade mal 17 Minuten. Der HCD hat seine ZSC-Blockade gelöst, das gibt Mut und Selbstvertrauen, um irgendwann auch das nötige Break im Hallenstadion zu realisieren.

1:1 steht es in der Serie und der erste grosse Gewinner dieses Zwischenstandes ist der Eishockey-Liebhaber. Denn somit steht schon mal fest, dass diese packende Show zumindest bis zum kommenden Samstag weiter gehen wird. Je nach dem was nun noch von den beiden Teams ausgepackt wird, könnte man hinterher vom besten Final aller Zeiten sprechen, vom temporeichsten sowieso.

In beiden Teams hat es so viele gute Spieler, gerade in der Offensive. Und das über vier Blöcke. Egal wer gerade auf dem Eis steht, nichts ist berechenbar, alles scheint jederzeit möglich. Der HCD hat die ZSC Lions mit seinem 5:2-Sieg am Samstag herausgefordert. Der Titelverteidiger zeigte bislang zumeist seine besten Leistungen, wenn er herausgefordert wurde. Auch dieses Mal?

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