Missbrauchs-Skandal: Ayers Rock für Touristen bald tabu?
Aktualisiert

Missbrauchs-SkandalAyers Rock für Touristen bald tabu?

Eine von Australiens grössten Attraktionen könnte für Touristen bald nicht mehr zugänglich sein. Führer der Aborigines drohen damit, die Besteigung des Uluru oder Ayers Rock künftig verhindern zu wollen.

Den unerfreulichen Hintergrund der Kontroverse bildet eine Aktion im Northern Territory vor einem Jahr. Ein Bericht hatte aufgezeigt, dass Kindsmissbrauch unter den Ureinwohnern weit verbreitet ist. Die konservative Regierung entsandte darauf Polizei und Militär in mehr als 70 Aborigines-Gemeinschaften. Sie verhängten ein Verbot von Alkohol und Pornografie sowie strikte Kontrollen darüber, wie Sozialhilfegelder verwendet werden.

Die Ureinwohner, die am Rand der Gesellschaft leben und chronisch benachteiligt werden, wehrten sich gegen die in ihren Augen rassistischen Praktiken der Regierung. Schon damals kündigten sie an, den Uluru oder Ayers Rock allenfalls für Touristen zu sperren. Ein Jahr danach haben sie die Drohung erneuert. Das Vorgehen der Regierung sei desaströs gewesen, sagte Vince Forrester, ein Vertreter des Mutitjulu-Volkes, in dessen Obhut sich der Uluru befindet, an einer Versammlung in Sydney.

Niemand soll ihn mehr besteigen

Die Aborigines-Männer seien als gewalttätige Alkoholiker geschildert worden, die ihre Frauen schlagen und ihre Kinder missbrauchen. «Wir müssen etwas unternehmen, um diese rassistische Gesetzgebung zu stoppen», sagte Forrester gemäss der BBC. «Wir werden der Tourismus-Industrie eine schwere Last aufbürden und den Aufstieg zum Uluru schliessen, so dass niemand ihn jemals wieder besteigen kann.» Die Besteigung wird von den Ureinwohnern ohnehin nicht gerne gesehen, da der Berg für sie heilig ist.

Seit der Aktion vor einem Jahr hat die Regierung von den Konservativen zur Labor-Partei gewechselt. Der neue Premierminister Kevin Rudd betonte jedoch, er wolle die Politik gegenüber den Aborigines fortsetzen und deren Lebensbedingungen verbessern: «In den letzten zwölf Monaten wurden Fortschritte erzielt, doch es bleibt noch viel zu tun, um den Eingeborenen mehr Chancengleichheit zu verschaffen.»

(pbl)

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