30.06.2018 16:58

Gigantische SchädelwandAzteken entpuppen sich als rituelle Schlächter

Die Berichte über die brutalen Opferriten der Azteken galten lange als Gräuelpropaganda. Doch das Volk in Mesoamerika ging wohl noch härter vor.

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fee

Im Jahr 2015 stiessen Forscher bei Grabungen in Mexiko-Stadt auf eine Mauer aus eingeschlagenen Menschenschädeln, ein sogenanntes Tzompantli. Heute ist klar: Das Ausmass der «Wand aus Schädeln» ist noch viel grösser als zunächst angenommen.

Weitere Grabungen ergaben, dass das Gestell einst 36 Meter lang und bis zu 5 Meter hoch und tief gewesen sein dürfte und an den Seiten jeweils von zwei rund 1,7 Meter hohen Schädel-Türmen mit einem Durchmesser von 5 Metern gesäumt war (siehe Bildstrecke unten).

Rituelle Tötungen

Laut Sciencemag.com beweist der Fund, dass die überlieferten und von vielen Historikern als Gräuelpropaganda kritisierten Grausamkeiten der Azteken tatsächlich geschehen sind.

Das hätten Analysen von Forschern des mexikanischen Instituto Nacional de Antropología e Historia (INAH) ergeben, die die Überreste analysiert haben. Demnach ging es in der Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan, dort, wo sich heute Mexiko-Stadt befindet, zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert rituell blutrünstig zu.

Geschlachtet und auf Stangen aufgezogen

Im Grossen Tempel (Templo Mayor) schnitten die Priester ihren Opfern bei lebendigem Leib den Brustkorb auf und entnahmen ihnen das noch schlagende Herz. Das sollte den Göttern Nahrung bieten und sie glücklich stimmen – kurz: das Fortbestehen der Erde sichern.

Die dann leblosen Körper wurden an einen anderen Ort gebracht, wo die Köpfe von den Rümpfen abgetrennt wurden. Die Köpfe wurden enthäutet und von Muskeln befreit. In die nackten Schädel bohrten die Priester jeweils seitlich zwei Löcher. Dann wurde der Schädel neben anderen auf eine Stange aufgereiht. Und zwar so lange, bis ein Tzompantli entstand.

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Mitten in der Innenstadt von Mexiko-Stadt – hier befand sich einst die Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan  – ... (Im Bild: Ausgegrabene Mauern des Templo Mayor mit der Kathedrale von Mexiko-Stadt, 2008)

Mitten in der Innenstadt von Mexiko-Stadt – hier befand sich einst die Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan – ... (Im Bild: Ausgegrabene Mauern des Templo Mayor mit der Kathedrale von Mexiko-Stadt, 2008)

Wikimedia Commons/Tobias Boyd/CC BY-SA 2.0
... haben Archäologen im Jahr 2015 eine Mauer aus Totenschädeln entdeckt. Gut drei Jahre später ist klar: ...

... haben Archäologen im Jahr 2015 eine Mauer aus Totenschädeln entdeckt. Gut drei Jahre später ist klar: ...

AFP/Hector Montano
... Es war nur ein kleiner Teil eines sogenannten Tzompantli. Denn nach bisherigem Wissensstand ist das Gestell insgesamt 36 Meter lang und bis zu 5 Meter hoch und tief. An den Seiten befanden sich jeweils zwei rund 1,7 Meter hohe Schädel-Türme mit einem Durchmesser von 5 Metern.

... Es war nur ein kleiner Teil eines sogenannten Tzompantli. Denn nach bisherigem Wissensstand ist das Gestell insgesamt 36 Meter lang und bis zu 5 Meter hoch und tief. An den Seiten befanden sich jeweils zwei rund 1,7 Meter hohe Schädel-Türme mit einem Durchmesser von 5 Metern.

Screenshot Youtube/Science

Markt für zu opfernde Menschen

Weiter stellte das Team um Jorge Gómez Valdés auf Basis von 180 untersuchten Schädeln fest, dass es sich bei den Opfern meist um Männer zwischen 20 und 35 Jahren handelte. 20 Prozent der Schädel stammten von Frauen und 5 Prozent von Kindern.

Isotopenanalysen förderten zudem zutage, dass die Opfer aus allen Teilen Mittelamerikas stammten und Kriegsgefangene gewesen sein dürften. Laut den Forschern dürften sie vor ihrem gewaltsamen Ende zunächst einige Monate in Tenochtitlan – genauer: auf einem speziellen Markt für zu opfernde Menschen – verbracht haben.

Gómez Valdés und seine Kollegen gehen davon aus, dass die Menschenopfer nicht nur den Göttern als Nahrung dienten, sondern auch die Macht der Azteken demonstrieren sollten.

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Was wurde aus Tenochtitlan?

Tenochtitlan war vom 14. bis Anfang des 16. Jahrhunderts die Hauptstadt des Reiches der Azteken. Im Jahr 1512 wurde sie von den spanischen Konquistadoren erobert und dem Erdboden gleichgemacht. An ihrer Stelle wurde das heutige Mexiko-Stadt errichtet. Der Templo Mayor wurde dabei zerstört und an seiner Stelle die Kathedrale gebaut.

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