Aktualisiert 30.11.2011 13:28

Dickhäuter-Jubiläum

«Babar», der Elefant, wird 80

Zum Glück haben Elefanten ein gutes Gedächtnis: Die Bilderbuch-Figur «Babar» ist vor 80 Jahren erstmals in Kinderzimmern aufgetaucht - und hat von da an ihren beispiellosen Siegeszug angetreten.

Der Elefant «Babar» weist manchmal ziemlich menschliche Züge auf.

Der Elefant «Babar» weist manchmal ziemlich menschliche Züge auf.

Bilderbuchgeschichten um Elefanten gibt es viele. Doch Babar war wohl der erste Dickhäuter, der die Kinderzimmer eroberte. Vor 80 Jahren erschien die erste liebevoll gezeichnete Geschichte des Franzosen Jean de Brunhoff um den späteren Urwaldkönig im grünen Anzug.

Wie viele andere Figuren entstand auch Babar als Einschlafgeschichte für den Nachwuchs. De Brunhoffs Frau Cécile dachte sich das Elefantenkind, dessen Mutter von bösen Jägern erschossen wurde, für ihre Söhne aus. Als Jean de Brunhoff merkte, wie sehr seine Kinder das Tier ins Herz geschlossen hatten, taufte er den Held der Gute-Nacht-Geschichten «Babar».

1931 veröffentlichte die Frauenzeitschrift «Jardin de Mode» den ersten Band, «Die Geschichte von Babar, dem kleinen Elefanten». Darin wird das Tier-Waisenkind von einer alten Dame in der Stadt «adoptiert» und lernt Dinge wie Rechnen und Autofahren.

74 Bände x 27 Sprachen = 13 Millionen Exemplare

Es folgen 74 weitere Bände in einer Gesamtauflage von 13 Millionen Exemplaren in 27 Sprachen. Auf Deutsch erscheinen die Abenteuer von Babar beim Zürcher Diogenes-Verlag, der zum Jubiläum aber keine Sonderaktion plant.

Nach dem ersten Band erlebt Babar weitere Abenteuer, in denen er nach der Hochzeit mit seiner Elefantenkönigin Céleste im Heissluftballon in die Flitterwochen fährt, für seine Kinder den Weihnachtsmann sucht und nach Amerika reist.

An den Sohn vererbt

Nach dem frühen Tod des Autors 1937 scheint auch der Dickhäuter seine letzte Reise unternommen zu haben, doch neun Jahre später setzt De Brunhoffs ältester Sohn Laurent dessen Arbeit fort.

Der in New York lebende 86-Jährige, der am kommenden Mittwoch vom französischen Kulturminister Frédéric Mitterrand den Kulturorden «Commandeur des arts et des lettres» erhält, zeichnet noch heute an dem Kinderbuchklassiker.

«Babar ist eine der am meisten geliebten Figuren von Kindern in aller Welt», sagte Museums-Kuratorin Christine Nelson zur Eröffnung einer Babar-Ausstellung 2008 in New York. Um sich der modernen Zeit anzupassen, wird der alte Elefant inzwischen von seinem Enkel Badou begleitet, der etwas bunter als die ersten Bücher und in 3D daherkommt.

Der 80-Jährige mischt im französischen Wahlkampf mit

Im Sommer zeigte der Kinderkanal Kika 52 Folgen der Serie «Babar und die Abenteuer von Badou». In Frankreich hatten die Abenteuer des putzmunteren Elefantenenkels bei der Erstausstrahlung letztes Jahr 28 Prozent der Vier- bis Zehnjährigen vor die Bildschirme gelockt.

Viel junges Publikum dürfte auch die Ausstellung «Les histoires de Babar» anziehen, die am Donnerstag kommender Woche in der Galérie des jouets in Paris eröffnet wird. Bis 29. Januar sind dort Originalzeichnungen, Skizzen, Babar-Produkte und Zeichentrickfilme zu sehen.

Vor zwei Wochen hielt der Dickhäuter auch Einzug in den französischen Wahlkampf: Die konservative Regierung verglich den sozialistischen Präsidentschaftsbewerber François Hollande mit Babar, bei dessen Geschichten «die Kinder einschlafen», wie Bildungsminister Luc Chatel bissig bemerkte. (sda)

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