Bezirksgericht Zürich: Baby getötet – neun Jahre Haft für Vater
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Bezirksgericht ZürichBaby getötet – neun Jahre Haft für Vater

Religiöse Eltern erzogen ihre Kinder mit Gewalt. Dabei erstickte ein zweieinhalb-monatiges Mädchen. Nun steht das Urteil fest: Der Vater muss 9 Jahre hinter Gitter.

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Am Bezirksgericht Zürich wurde am Dienstag das Urteil verkündet.

Am Bezirksgericht Zürich wurde am Dienstag das Urteil verkündet.

Das Bezirksgericht Zürich hat am Dienstag ein Ehepaar verurteilt, das seine Töchter systematisch züchtigte. Ein erst zehn Wochen altes Mädchen starb dabei. Der Vater erhielt eine Freiheitsstrafe von 9 Jahren, die Mutter 14 Monate bedingt.

Der 39-jährige Vater wurde wegen eventualvorsätzlicher Tötung und eventualvorsätzlicher Verletzung der Fürsorgepflicht, mehrfacher eventualvorsätzlicher Körperverletzung und Tätlichkeiten verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er für den Tod des Säuglings verantwortlich ist.

Der arbeitslose Tauchlehrer hatte das Kind im Februar 2013 unter einem Berg von Sofakissen und Decken begraben, um es ruhigzustellen – ein Gutachten hatte ergeben, dass infolge dessen Überhitzung und Erstickung zum Tod des Babys geführt hatten.

Als Tauchlehrer habe er doch wissen müssen, was bei fehlender Luft passieren könne, vor allem in einer Stresssituation, sagte der Richter zum Vater, der das Urteil regungslos entgegennahm. «Sie haben in Kauf genommen, dass das Kind stirbt. Aber Ihnen war Ihre Ruhe wichtiger.» Dieses Verhalten gegenüber dem wehrlosen Baby sei grausam gewesen. «Das war Russisches Roulette.»

Den Tod in Kauf genommen

Zum Tatmotiv führte das Gericht mehrere mögliche Gründe an, unter anderem Überforderung und den Wunsch zur Ruhigstellung des Kindes. Nicht zuletzt habe der streng religiöse Beschuldigte aber im Rahmen einer Züchtigung gehandelt.

Zudem habe er eine krasse Verletzung der Sorgfaltspflicht begangen und schwere Tathandlung ausgeführt. Damit habe er den Tod seines Kindes in Kauf genommen. Er habe ein Klima der Angst geschaffen, befand das Gericht. Es vermisste beim Beschuldigten jegliche Einsicht. So hatte dieser am Strafprozess die Aussagen verweigert.

Immerhin gestand ihm das Gericht wegen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung eine eingeschränkte Schuldfähigkeit und damit eine leichte Strafminderung zu, was zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren führte. Der Staatsanwalt hatte zehn Jahre gefordert.

Mutter trägt Mitschuld

Die 41-jährige Mutter wurde wegen eventualvorsätzlicher Verletzung der Fürsorgepflicht, mehrfacher eventualvorsätzlicher Körperverletzung durch Unterlassung sowie wegen mehrfacher Tätlichkeiten verurteilt.

Sie war zwar nicht direkt für den Tod des Babys verantwortlich, trug die brutalen Erziehungsmethoden aber mit und schlug auch selber zu. Das Gericht hielt der Mutter jedoch eine gewisse Umkehr zugute, da sie heute eine Gewaltprävention besuche.

Nicht nur das Baby, sondern auch seine ein Jahr ältere Schwester wurde mit Holzkellen und Teppichklopfer geschlagen, eiskalt abgeduscht und geohrfeigt. Das mittlerweile knapp vier Jahre alte Mädchen überlebte die brutalen Methoden und lebt heute in einer Pflegefamilie. Es soll nun Schmerzensgelder erhalten.

Der Vater hat 4'000 Franken Genugtuung anerkannt. Weitere 10'000 Franken soll er ihr für den Verlust ihrer jüngeren Schwester bezahlen. Die Mutter hat ein Schmerzensgeld von 3'500 Franken akzeptiert. Zudem wurden beide Eltern grundsätzlich verpflichtet, für einen noch zu bemessenden Schadenersatz aufzukommen. (att/sda)

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