Preiskampf: Babywindeln kosten einen Drittel weniger

Aktualisiert

PreiskampfBabywindeln kosten einen Drittel weniger

Die Frankenstärke hat zum Preisrutsch bei Markenprodukten geführt. Babywindeln sind im Vorjahrsvergleich bis 35 Prozent günstiger geworden. Gewisse Rabatte waren aber nur von kurzer Dauer.

von
S. Spaeth
Preiskampf bei den Windeln: Im Vergleich zum Vorjahr hat Migros die Preise von Pampers um bis zu 35 Prozent reduziert. Bei Spar und Coop sein es rund 20 Prozent.

Preiskampf bei den Windeln: Im Vergleich zum Vorjahr hat Migros die Preise von Pampers um bis zu 35 Prozent reduziert. Bei Spar und Coop sein es rund 20 Prozent.

Letzten Sommer jagte im Schweizer Detailhandel eine Preissenkungsrunde die nächste. Der Euro war damals so günstig wie nie zuvor. Einkaufen ennet der Grenze wurde zum Massenphänomen. Das verstärkte den Druck auf die Detailhändler, die Kursgewinne bei Importwaren weiterzugeben oder mit ihren Lieferanten neue Verträge auszuhandeln. Um Druck aufzubauen, warfen Coop und Mirgros einzelne Produkte zwischenzeitlich gleich ganz aus dem Sortiment.

Heute lässt sich feststellen, dass die Preise der importierten Markenartikel im Vergleich zum letzten Jahr tatsächlich gesunken sind. Der Vergleichsdienst Comparis hat bei sechs grossen Detailhändlern die Preise von insgesamt 177 Markenartikel erhoben: Und zwar Mitte Februar 2011 und Anfang April 2012 (Aktionen wurden nicht berücksichtigt).

Comparis: «Fahrt lohnt sich nicht mehr»

Den grössten Preisrutsch gab es laut Comparis bei Babywindeln, ein bei Einkaufstouristen bisher äusserst beliebtes Produkt. Coop verlangt für die Windeln Baby Dry Junior von Pampers heute 19 Prozent weniger als vor rund einem Jahr, Denner und Migros sogar 35 Prozent und Spar knapp 20 Prozent weniger (Aldi und Lidl führen das Produkt nicht). «Offenbar hat der Druck der Konsumenten gewirkt», sagt Ralf Beyeler, Preis-Vergleich-Projektleiter bei comparis.ch.

48 Stück Baby Dry Junior Windeln kosten bei Coop heute 19.95 Franken – oder 4.69 Franken weniger als vor einem Jahr. Günstigster Anbieter ist Denner: Hier hat man den Preis um sagenhafte 9.07 auf 16.88 Franken gesenkt. Zum Vergleich: In Deutschland kosten die Windeln bei Schlecker, Edeka und DM umgerechnet (Kurs 1.20) 16.60 Franken. Günstiger sind Pampers Baby Dry Junior bei Müller Drogeriemarkt: Hier schlägt dieselbe Stückzahl mit umgerechnet 15.78 Franken zu Buche. «Für die Babywindeln lohnt sich die Fahrt über die Grenze in der Regel nicht mehr», so Beyeler im Gespräch mit 20 Minuten Online. Die Differenz beträgt noch rund 1.10 Franken.

Mehrwertsteuer nicht berücksichtigt

Was der Comparis-Vergleich aber nicht berücksichtigt hat, ist die Rückerstattung der deutschen Mehrwertsteuer. Wer die Schlange am Zoll in Kauf nimmt und sich die Ausfuhrbescheinigung abstempeln lässt, kann nämlich die bezahlte Mehrwertsteuer in vielen Geschäften in Grenznähe beim nächsten Kauf an Zahlung geben – als eine Art Kundenbindungsmassnahme. Folglich hängt Deutschland die Schweiz wieder ab. Unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer beträgt die Preisdifferenz für die 48 Windeln dennoch 3.26 Franken.

Laut Coop-Sprecher Urs Meier ist die Preissenkung durch Verhandlungen mit Lieferanten und angepassten Marketingkonzepten zustande gekommen. Der Detailhändler stellt in Abrede, dass die Kunden jahrelang zu viel bezahlt hätten. Migros erklärt den Preisrutsch einerseits mit einer Mega-Packung, andererseits ebenfalls mit Preisverhandlungen. «Zudem haben die Detailhändler auch Abstriche bei der eigenen Marge hingenommen», so Migros-Sprecher Urs-Peter Näf.

Dem Preiskampf den Riegel geschoben?

Allerdings trifft die gute Nachricht von den Preissenkungen lediglich auf die Importartikel zu. In der Schweiz abgefüllte oder produzierte Produkte im Comparis-Vergleich sind teurer geworden. Besonders auffällig: Senf und Mayonnaise der Marke Thomy. Der Preis für eine Tube (200 Gramm) Thomy Senf war vor einem Jahr bei den meisten Anbietern auf 1.35 Franken gesenkt worden. Preisbrecher war im Februar 2011 Lidl, die Konkurrenz sah sich zum Nachziehen gezwungen.

Inzwischen ist der Senf aus dem Hause Nestlé erneut auf 1. 70 Franken gestiegen. Dies entspricht einem happigen Anstieg von 26 Prozent. Und Thomy Mayonnaise schlug bei den meisten Anbietern von 2.15 Franken auf 2.50 Franken auf (+16 Prozent). «Die Preissenkung war nur von kurzer Dauer», so Ralf Beyeler. Begründet wird der Anstieg mit höheren Rohstoffpreisen. Beyeler hingegen vermutet: «Nestlé missfiel der Preiskampf auf dem Rücken seines Premium-Senfs und hat für alle die Einstandspreise erhöht.»

Warenkorb wurde billiger

Da die Verteuerung der überprüften Schweizer Produkte weniger stark ausfällt, als die Vergünstigung der Importwaren, wurde der von Comparis verglichene Warenkorb insgesamt günstiger, und zwar (in alphabetischer Ordnung) bei Aldi um 8,4 Prozent, bei Coop um 2,3 Prozent, bei Denner um 3,4 Prozent, bei Lidl um 1,6 Prozent, bei Migros um 6,3 Prozent und bei Spar um 0,8 Prozent. Weil nicht jeder Anbieter alle Produkte im Sortiment hat, bzw. der getestete Warenkorb unterschiedlich gross ist, lassen sich die Prozentwerte nur bedingt miteinander vergleichen.

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