Badegäste in Japan entgingen nur knapp der Katastrophe
Aktualisiert

Badegäste in Japan entgingen nur knapp der Katastrophe

Ein mächtiger Erdstoss der Stärke 7,2 hat die Bevölkerung von Nordjapan am Dienstag in Angst und Schrecken versetzt.

In einem Hallenbad der Provinzhauptstadt Sendai entgingen mehr als 200 Menschen nur knapp einer Katastrophe: Hier wurden 17 Menschen verletzt, weil Trümmer des einstürzenden Dachs auf die Badegäste fielen, unter ihnen viele Kinder in den Schulferien. Insgesamt erlitten nach dem Beben mindestens 60 Menschen Verletzungen, wie der Fernsehsender NHK berichtete.

In anderen Orten der Präfektur Miyagi wurden Bewohner von Steinen oder Ziegeln getroffen. Ein 72-Jähriger erlitt einen Beinbruch, ein siebenjähriges Kind wurde in der Stadt Zao von herabstürzenden Felsbrocken verletzt. Für 17.000 Haushalte brach die Stromversorgung zusammen. Zahlreiche Menschen wurden im Fahrstuhl eingeschlossen.

Mehrere Hochgeschwindigkeitszüge wurden vorsorglich gestoppt. In der 300 Kilometer von Sendai entfernten Hauptstadt Tokio stellte der Flughafen Haneda vorübergehend seinen Betrieb ein. Fernsehbilder zeigten ein eingestürztes Haus am Rand von Tokio. Im Stadtzentrum schwankten die Hochhäuser. Das Atomkraftwerk in Onagawa wurde automatisch heruntergefahren. Es soll auf mögliche Schäden untersucht werden. In Sendai, der Hauptstadt von Miyagi, wurde eine Raffinerie der Gesellschaft Nippon Oil geschlossen.

«Ich dachte, meine Reifen sind geplatzt», sagte der Taxifahrer Shinji Abe in Shiogama bei Sendai der Nachrichtenagentur Kyodo. Viele Bewohner seien voller Angst aus ihren Häusern gelaufen. «Die Dauer der Erschütterung kam mir ewig vor», sagte Yoji Kimura von der Stadtverwaltung Sendai. Das Beben sei so stark gewesen, dass er sich kaum auf den Beinen habe halten können, sagte ein Behördensprecher.

Das Zentrum der Verwerfung lag 20.000 Meter unter dem Meeresboden, etwa 80 Kilometer vor der Küste der Präfektur Miyagi. Dem Erdstoss um 11.46 Uhr Ortszeit (04.46 Uhr MESZ) folgten mindestens vier Nachbeben. Der staatliche Wetterdienst warnte, dass weitere Beben eine Stärke von 6,0 erreichen könnten.

Das Seebeben löste zwei kleine Tsunamis aus. Die etwa zehn Zentimeter hohen Wellen richteten jedoch keinen Schaden an.

Japan liegt an der Naht von vier tektonischen Platten und ist häufig von Erdbeben betroffen. Am Dienstag hatte es bereits ein Beben der Stärke 4,9 auf der Insel Hokkaido gegeben. Bei der Erdbebenkatastrophe von 1995 in Kobe verloren 6.400 Menschen ihr Leben. (dapd)

Deine Meinung