Kanton Schaffhausen: Badi-Einbrecher sollen an den Internet-Pranger
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Kanton SchaffhausenBadi-Einbrecher sollen an den Internet-Pranger

Die Schaffhauser Polizei hat entschieden, die Fotos von zwei Einbrechern ins Internet zu stellen – sofern sich die jungen Männer bis Ende kommender Woche nicht melden.

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sda/rom
Hier, im Freibad von Hallau SH, schlugen die jungen Einbrecher im vergangenen Sommer zu.

Hier, im Freibad von Hallau SH, schlugen die jungen Einbrecher im vergangenen Sommer zu.

Die beiden brachen im Sommer ins Freibad Hallau SH ein. Die Bilder stammen von der Kamera des Badi-Kioskes, den die Täter ausräumten. Gemäss Mitteilung vom Mittwoch stahlen sie dort Zigaretten, Energydrinks und Eintrittskarten.

Um sich Zugang zu verschaffen, schlugen sie ein Fenster ein - merkten dabei aber nicht, dass sie gefilmt wurden. Trotz teilweiser Vermummung seien die Gesichter gut zu erkennen, schreibt die Polizei.

«Das erste Mal»

Die beiden Männer hätten nun die Gelegenheit, sich bis Ende kommender Woche zu melden. Tun sie dies nicht, will die Polizei in einem ersten Schritt verpixelte Bilder ins Internet stellen. Fliegen die Einbrecher auch dann noch nicht auf, werden die unverpixelten Bilder aufgeschaltet.

«Es ist das erste Mal, dass wir auf eine solch dreistufige Internet-Fahndung setzen», sagt Polizeisprecher Patrick Caprez. Er hält dies für verhältnismässig. «Es geht um Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Diebstahl – zudem könnten sie für weitere Delikte verantwortlich sein.» Gesetzlich sei eine solche Fahndung möglich – man stütze sich auf die Strafprozessordnung.

«Nicht verhältnismässig»

Als «höchst problematisch» bezeichnet der auf IT- und Medienrecht spezialisierte Rechtsanwalt Martin Steiger diese Internet-Fahndung: «Selbst wenn die Polizei die Fotos wieder vom Netz nehmen würde, blieben sie auf ewig drin – weil sie durch die Medien oder etwa auch via Facebook verbreitet werden.» Personen blieben somit auch bei einem Freispruch oder einem Fehler am Pranger.

Deshalb braucht es laut Steiger «eine ausdrückliche gesetzliche Grundlage» unter Einhaltung der Verhältnismässigkeit. Denn eine solche Fahndung sei ein schwerer Eingriff in die Grundrechte der angeprangerten Personen. «Abgesehen davon finde ich dieses Vorgehen bei einem Kiosk-Einbruch nicht verhältnismässig», sagt Steiger. Die Internet-Fahndung sollte auf schwerste Straftaten mit eindeutiger Zuordnung von noch nicht identifizierten Tatverdächtigen beschränkt bleiben.

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