10.07.2020 19:08

Teure Schutzkonzepte

Badis erhöhen Eintrittspreise wegen Corona

In einzelnen Strandbädern müssen Gäste wegen der Corona-Schutzkonzepte mehr bezahlen. Höhere Preise zu einer bestimmten Tageszeit sollen den Gästestrom lenken.

von
Bettina Zanni
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In einzelnen Strandbädern müssen die Gäste diese Saison tiefer in die Tasche greifen. So verlangt etwa das Strandbad Lido in Luzern von Erwachsenen für einen Tageseintritt 12 Franken statt wie bisher 8 Franken.

In einzelnen Strandbädern müssen die Gäste diese Saison tiefer in die Tasche greifen. So verlangt etwa das Strandbad Lido in Luzern von Erwachsenen für einen Tageseintritt 12 Franken statt wie bisher 8 Franken.

Lido Luzern
«An der Kasse haben wir endlos Reklamationen von Gästen, die unsere Preiserhöhungen nicht verstehen», sagt Marcel Wiesler, Geschäftsführer des Strandbads Lido. Viele Leute hätten zu Unrecht das Gefühl, dass sie die Preise aufgeschlagen hätten, um mehr Geld zu verdienen.

«An der Kasse haben wir endlos Reklamationen von Gästen, die unsere Preiserhöhungen nicht verstehen», sagt Marcel Wiesler, Geschäftsführer des Strandbads Lido. Viele Leute hätten zu Unrecht das Gefühl, dass sie die Preise aufgeschlagen hätten, um mehr Geld zu verdienen.

Lido Luzern
 «Dabei sind die Preiserhöhungen die einzige Möglichkeit, um nachmittags um 15 Uhr die Türen nicht schliessen zu müssen», so Wiesler.

«Dabei sind die Preiserhöhungen die einzige Möglichkeit, um nachmittags um 15 Uhr die Türen nicht schliessen zu müssen», so Wiesler.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • In der aktuellen Saison haben Badis die Eintrittspreise aufgeschlagen.
  • Grund dafür ist das Corona-Schutzkonzept.
  • Etwa im Strandbad Lido in Luzern zahlen Gäste für einen Tageseintritt vier Franken mehr als früher.

Spielt das Wetter mit, verbringen diesen Sommer wegen der Pandemie voraussichtlich so viele Schweizer wie noch nie ihre Ferien in den Badis. Doch das Vergnügen im Nass hat seinen Preis. In einzelnen Strandbädern müssen die Gäste diese Saison tiefer in die Tasche greifen. So verlangt etwa das Strandbad Lido in Luzern von Erwachsenen für einen Tageseintritt 12 Franken statt wie bisher 8 Franken. Grund dafür sind die Covid-19-Schutzkonzepte.

«An der Kasse haben wir endlos Reklamationen von Gästen, die unsere Preiserhöhungen nicht verstehen», sagt Marcel Wiesler, Geschäftsführer des Strandbads Lido. Viele Leute hätten zu Unrecht das Gefühl, dass sie die Preise aufgeschlagen hätten, um mehr Geld zu verdienen. «Dabei sind die Preiserhöhungen die einzige Möglichkeit, um nachmittags um 15 Uhr die Türen nicht schliessen zu müssen.»

Vier Franken teurer

Laut Wiesler sollen die Preiserhöhungen eine bessere Verteilung der Badegäste ermöglichen. «Wir wollen verhindern, dass es am Nachmittag zu Häufungen kommt.» Gäste, die ein Morgen- oder ein Abendticket lösten, würden dagegen belohnt. So bezahlen diese nur noch sechs Franken und vier Franken statt wie üblich acht Franken.

In der Hochsaison besuchten täglich über 4000 Gäste das Strandbad, sagt Wiesler. «Wir wollen immer noch, dass jeder die Möglichkeit hat, unser Strandbad zu besuchen. Würden wir nur auf die Abstandsregeln setzen, wäre dies aber unmöglich, ohne Gäste heimschicken zu müssen.»

Acht statt fünf Franken

Auch im Strandbad Winkel in Erlenbach ZH kostet das Badevergnügen für auswärtige Gäste mehr als üblich. Neu bezahlen sie acht statt fünf Franken. Sujin Suthagaran, stellvertretender Gemeindeschreiber der Gemeinde Erlenbach, begründet den Preisaufschlag mit dem Schutzkonzept. Dafür habe zusätzliches Personal eingestellt werden müssen, was höhere Personalkosten zur Folge habe.

Das Personal kontrolliere den Abstand regelmässig, reinige die Anlage zusätzlich und zähle die Badegäste aufgrund der Platzbeschränkung. Weitere Kosten fallen laut Suthagaran durch Beschilderungen und Informationen zur aktuellen Situation an. «Die Badegäste haben Verständnis für den erhöhten Eintrittspreis.»

Trotz Mehrkosten keine Preiserhöhungen

Andere Badis erhöhen ihre Preise trotz Mehrkosten nicht – müssen aber mit Verlusten rechnen. «Monatlich geben wir durch das Schutzkonzept 5000 Franken mehr aus», sagt Matthias Horvath, Geschäftsführer des Schwimmbads Wislepark in Worb BE. Unter das Konzept fielen der Einsatz von Personal für das Erfassen von Kundendaten, Plexiglas, Desinfektionsmittel und der erhöhte Reinigungsaufwand. Diese Kosten wollten sie nicht auf die Kunden abwälzen. «Wir hoffen aber, die Ausgaben durch Gäste kompensieren zu können, die diesen Sommer nicht ins Ausland verreisen.»

Konsumentenschützer verteidigen die Betriebe, die die Eintrittspreise hochgeschraubt haben. «Am Schluss geht es um das Überleben einer Badi», sagt David Trachsel, Geschäftsführer der liberalen Konsumentenorganisation Vision Konsum. Kämen Badibetreiber zum Schluss, dass sie mit Preiserhöhungen weniger Verluste machten, seien solche gerechtfertigt. Um zusätzliche Kosten komme man nicht herum. «Würden die Preise einer Gemeindebadi nicht erhöht, müssten die Steuerzahler die Verluste am Ende ausbaden.» Betrieben, die wegen ihrer Preiserhöhungen mit Reklamationen eingedeckt werden, empfiehlt er eine transparentere Kommunikation. «Es geht darum, das Bewusstsein zu schaffen, dass die Corona-Restriktionen kosten.»

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180 Kommentare
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MoDi

11.07.2020, 11:21

Ich mag mich erinnern, dass ich als Kind nicht immer in der Badi sein konnte und ein Glace wirklich was besonderes war. Warum? Wir lebten damals unter dem Existenzminimum und auch eine Badi war Luxus. Scheinen doch viele vergessen zu haben.

EU-Währungskommissar Paolo

11.07.2020, 10:41

EU-Währungskommissar Paolo Warnt. Was macht eigentlich so ein EU-Währungskommissar Paolo den ganzen tag ? Warnen ? Kohle vom volk einkassieren.

Diego

11.07.2020, 10:07

Es gibt Badis, welche die Preise gesenkt haben und erst noch alles auf diese Saison hin eine komplett Renovation gemacht haben.