Schild an VBZ-Haltestelle: «Bänkli frei halten, schlafe hier. Ein Obdachloser»
Aktualisiert

Schild an VBZ-Haltestelle«Bänkli frei halten, schlafe hier. Ein Obdachloser»

An Zürcher Tramhaltestellen bitten angeblich Obdachlose mittels Kartonschildern, die Wartebänke in der Nacht als Schlafplatz frei zu lassen. Dahinter steckt eine Guerilla-Aktion.

von
tür

Zur Guerilla-Aktion gehören nicht nur Kartonschilder an Tramhaltestellen, sondern auch das hier... (Video: Sozialwerke Pfarrer Sieber).

An der VBZ-Haltestelle Hardplatz im Zürcher Kreis 4 hat eine Leser-Reporterin am Donnerstagmorgen mitten auf der Wartebank ein Schild mit der Aufschrift «Bitte ab 23 Uhr frei halten, ich schlafe hier! Yves, obdachlos» gesehen. Auch auf Jodel, einer Plattform für anonyme Kommentare und Fotos, kursiert ein Bild eines ähnlichen Schildes bei der VBZ-Haltestelle Rigiblick im Kreis 6.

«Am Anfang fand ich es etwas komisch. Als ich dann noch das Bild eines ähnlichen Schildes auf Jodel sah, dachte ich mir, dass die Schilder kaum von Obdachlosen sind. Das wäre ja ein Riesenzufall», so die Leser-Reporterin. Sollten diese Schilder aber tatsächlich von Obdachlosen stammen, fände sie es eine «herzige» Aktion: «Auch wenn es vermutlich bequemere Orte gibt, um bei dieser Kälte zu übernachten.»

VBZ geht «mit Feingefühl» vor

Bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) weiss man nichts von den Schildern: «Eigentlich sind die Bänke auch nicht als Übernachtungsgelegenheit für Obdachlose gedacht, sondern vor allem für Fahrgäste, die aus gesundheitlichen Gründen auf Sitzplätze angewiesen sind.» Es gebe in der Stadt Zürich genug Personen und Stellen, die sich um Obdachlose kümmerten. Tobler: «Sollte aber ein Obdachloser auf der Bank schlafen, gehen wir natürlich mit dem entsprechenden Feingefühl vor.»

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Die 20-Minuten-Leser-Reporterin entdeckte dieses Schild an der Haltestelle Hardplatz. Sie könne fast nicht glauben, dass dieses wirklich ein Obdachloser geschrieben hat.

Die 20-Minuten-Leser-Reporterin entdeckte dieses Schild an der Haltestelle Hardplatz. Sie könne fast nicht glauben, dass dieses wirklich ein Obdachloser geschrieben hat.

Leser-Reporter
Zur selben Zeit kursiert auch dieses Bild auf dem Kurznachrichtendienst Jodel. Von solchen Schildern hat die VBZ laut Sprecherin Daniela Tobler keine Kenntnis.

Zur selben Zeit kursiert auch dieses Bild auf dem Kurznachrichtendienst Jodel. Von solchen Schildern hat die VBZ laut Sprecherin Daniela Tobler keine Kenntnis.

Leser-Reporter
Nicht nur schilder an VBZ-Haltestellen. Auch Beschriftungen vor Telefonkabinen. Hier in Wollishofen.

Nicht nur schilder an VBZ-Haltestellen. Auch Beschriftungen vor Telefonkabinen. Hier in Wollishofen.

Leser-Reporter/Chrisbaker

Hinter der Guerilla-Aktion stecken die Sozialwerke Pfarrer Sieber, wie Sprecher Walter von Arburg bestätigt: «Mit den Kartonschildern möchten wir die Zürcher daran erinnern und dafür sensibilisieren, dass es auch in unserer Stadt Obdachlose hat.» Sie seien einfach nicht so sichtbar, wie in anderen Grossstädten. Das liegt nicht zuletzt an Einrichtungen wie dem Pfuusbus von Pfarrer Sieber, der seit dieser Woche wieder beim Albisgütli steht. Von Arburg betont, dass die Kartonschilder in den nächsten Tagen wieder eingesammelt werden.

Neuer Pfuusbus von Pfarrer Sieber eingeweiht

Die Sozialwerke Pfarrer Sieber haben am Montag ihren neuen Pfuusbus eingeweiht. Dieser bietet mehr Platz für die Obdachlosen und auch mehr Platz in der Küche.

Vor einem Jahr stellten die Sozialwerke Pfarrer Sieber den neuen Pfuusbus vor. (Video: wed)

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