Keine Sondierbohrungen: Bärengraben: Schwarzer Peter für die Stadt
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Keine SondierbohrungenBärengraben: Schwarzer Peter für die Stadt

Die Mehrkosten beim Bau des neuen Berner Bärenparks sind nicht auf eine fehlerhafte geologische Expertise zurückzuführen, sondern darauf, dass die Stadt Bern auf Sondierbohrungen verzichtete. Das sagt das Berner Geologiebüro, das bisher als schuldig galt.

Die mit dem Bau des Bärenparks beauftragten Stadtbauten Bern hätten damit eine Empfehlung des Büros missachtet, bestätigte am Freitag Ueli Gruner vom Berner Geologiebüro Kellerhals&Haefeli AG auf Anfrage einen Artikel in der Berner Tageszeitung «Der Bund».

Laut einem Protokoll der Sitzung, an der der Entschluss fiel, sei der Verzicht auf Bohrungen aus Kostenüberlegungen erfolgt, so der Geschäftsleiter des Berner Büros. Das Büro war an dieser Sitzung nicht dabei.

Die Bohrungen, welche die Kellerhals&Haefeli AG wegen offener Fragen zum Untergrund empfahl, hätten laut Gruner 30 000 Franken gekostet.

Im vergangenen Herbst wurde bekannt, dass der Bau des neuen Bärenparks am Aareabhang neben dem heutigen Bärengraben 14,5 statt 9,7 Millionen Franken teuer wird. Expertenvorhersagen über den Baugrund seien unpräzise gewesen, erklärte die zuständige Berner Gemeinderätin Barbara Hayoz vor den Medien.

Der Fels verlaufe im Untergrund nicht wie vorhergesagt parallel zum Terrain, sondern ziehe sich auf dem Flussniveau in den Hang hinein, hiess es weiter. Die deshalb nötigen Pfählungen zur Stabilisierung des Hangs verursachen Mehrkosten von 2,8 Millionen Franken. Die übrigen Mehrkosten gehen auf die Teuerung und eine Projektänderung zurück.

Wegen Stillhaltevereinbarung nichts gesagt

Die Kellerhals&Haefeli AG legte bisher ihren Standpunkt nicht dar, weil mit StaBe ein Stillhalteabkommen vereinbart worden sei.

Das Büro beschloss, in die Offensive zu gehen, nachdem bekannt geworden war, dass StaBe ein juristisches Gutachten zu ihren Chancen bei einem allfälligen Prozess hat erstellen lassen. Es habe aufgezeigt, dass die StaBe gute Karten in der Hand hätte, hiess es im «Bund» vom 28. April.

Wegen dieser Passage beschlossen Kellerhals&Haefeli laut Gruner in Absprache mit der Versicherung des Geologiebüros, nun an die Öffentlichkeit zu gehen.

StaBe nimmt keine Stellung

StaBe-Geschäftsleiter Rudolf Lanzrein sagte am Freitag auf Anfrage, dieses Parteigutachten existiere. Sein Unternehmen sei aber erst in der Phase der Analyse des Vorgefallenen. Bis Mitte Mai hätten das Geologiebüro und andere am Bau beteiligte Büros Gelegenheit, zu den Gründen der Mehrkosten Stellung zu nehmen.

Es handle sich also um ein laufendes Verfahren, zu dem er keine weitere Stellung nehmen könne. Er selber habe die Schuld an den Mehrkosten nie dem Geologiebüro zugeschrieben, sondern sich an die Abmachung gehalten, dass bis zum Ende des Verfahrens keine Schuldzuweisungen erfolgen sollten.

Wenn die Analyse des Vorgefallenen abgeschlossen sei, werde sich zeigen müssen, wie es weitergehe. Möglich sei eine Einigung. «Im Extremfall», so Lanzrein, könne es aber auch zu einem Prozess kommen. (sda)

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