Migros in der Kritik: Bärli-Werbung empört Anti-Rassismus-Aktivisten
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Migros in der KritikBärli-Werbung empört Anti-Rassismus-Aktivisten

Die Waschmittel-Kampagne der Migros verbinde dunkle Fellfarbe mit Schmutz, bemängeln Aktivisten und reden von Rassismus. Die Migros betont, es gehe um Plüschtiere.

von
ann

Für die meisten Konsumenten ist es wohl eine harmlose, eher kindlich-lustige Werbung für das meistverkaufte Waschmittel der Schweiz. Für viele Dunkelhäutige ist es aber offenbar ein Affront: Die «Total»-Kampagne der Migros, in der aus Braun-, Eisbären und aus Panthern Tigern werden, sei rassistisch, bemängeln sie.

Am 25. November trafen darum Vertreter verschiedener Anti-Rassismus-Organisationen in Zürich Vertreter der Migros. Die Delegation überbrachte der Migros einen offenen Brief mit rund 90 Unterschriften. Hintergrund der Empörung sind Werbeplakate aus der Kolonialzeit, an die die Migros-Kampagne die Anti-Rassismus-Aktivisten erinnert.

Javelwasser wusch Dunkelhäutige weiss

Damals zeigten Plakate für Javel-Wasser oder Seife, wie Dunkelhäutige damit weissgewaschen werden. «Wir hätten nicht reagiert, wenn in der aktuellen Werbung ein fleckiger Bär weiss geworden wäre», sagt Karl Grünberg, Koordinator des ACOR SOS Rassismus, gegenüber der Zeitung «Le Matin». Aber in diesem Fall ist dieser Bär nicht schmutzig, er ist braun.» Dahinter stecke die Vorstellung, dass alles, was braun oder schwarz sei, schmutzig sei. «Auch wenn die Migros diese Nachricht nicht übermitteln wollte, ist sie unangebracht», sagt er.

Der in Kamerun geborene Schriftsteller Max Lobe, ebenfalls Mitglied der Delegation, zeigte sich «sehr überrascht», dass die Entwickler der Kampagne gar nicht daran dachten, dass diese Werbung die schwarze Gemeinschaft brüskieren könnte. «Der Verantwortliche der Kampagne war sehr berührt.» Dennoch bleibt Lobe wütend, denn die Migros will sich für ihre Kampagne nicht entschuldigen. Die Vertreter wollen darum mit einer grösseren Petition reagieren, falls die Migros den Waschmittel-Spot wieder im Fernsehen zeigt.

«Die Werbung ist nicht rassistisch»

Beim orangen Riesen bestätigt man das Treffen mit der Delegation. Die Migros habe dies persönlich gewünscht, um die Anliegen der Anti-Rassisten besser zu verstehen. «Wir hätten nie gedacht, dass unsere Kampagne auch so wahrgenommen werden könnte», sagt Sprecher Tristan Cerf.

Für die Migros ist dennoch klar, dass die Werbung nicht rassistisch ist. «Ein Teddybär ist kein Mensch!» Die Aktion stehe völlig im Einklang mit dem Verhaltenskodex, der in Bezug auf Diskriminierung sehr streng ist. «Darum werden wir uns auch nicht entschuldigen», so Cerf.

Ob die Kampagne erneut aufgenommen wird, kann Cerf zudem «nicht ausschliessen». Anfang November sei sie wie geplant von der Weihnachtskampagne abgelöst worden und werde darum derzeit nicht gezeigt.

Der Migros-Spot ist nicht der erste, der sich der Bärenfell-Symbolik bedient:

Der Migros-Spot zur Werbung:

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