Lebenshof statt Schlachtbank: «Bäuerin brachte die Schlachtung des Schweins nicht übers Herz»
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Lebenshof statt Schlachtbank«Bäuerin brachte die Schlachtung des Schweins nicht übers Herz»

Der Lebenshof Hofnarr in Hinteregg ZH ermöglicht ehemaligen Nutztieren ein würdevolles Leben. Das Konzept bringt auch Bäuerinnen und Bauern zum Umdenken.

von
Bettina Zanni

Darum gehts

  • Der Lebenshof Hofnarr in Hinteregg ZH beherbergt rund 100 Hühner, Schweine, Ziegen, Pferde, Enten, Esel und Kaninchen.

  • Die Betreiber Sarah Heiligtag und Georg Klingler ermöglichen ihnen ein Leben fern der Nutztierhaltung.

  • Damit wollen sie auf einem kleinen Flecken umsetzen, was auch im grossen Rahmen möglich wäre.

Eine Kiwi nach der anderen fliegt in das Stallgehege. Gierig machen sich die Schweine darüber her. «Schweine sind Feinschmecker. Besonders exotische Früchte mögen sie gern», sagt Sarah Heiligtag, während sie die letzten Kiwis, ansonsten weggeworfene Foodwaste-Früchte, verteilt.

Später liegen die Tiere satt im Stroh. Ein kleines Mädchen krault sie in den Schlaf. Viel Streicheleinheiten gewohnt sind auch die rund 20 Hühner und die zwei Truthähne. Auf Besucherinnen und Besucher trippeln sie neugierig zu und buhlen um ihre Gunst. Gestresste Menschen, die ausspannen wollen, können im Gehege auch eine «Hühnermeditation» buchen.

«Tiere haben nichts verbrochen»

Auf dem Lebenshof Hofnarr in Hinteregg ZH ermöglichen Sarah Heiligtag und ihr Mann Georg Klingler seit acht Jahren rund 100 Tieren wie Hühnern, Schweinen, Ziegen, Pferden, Enten, Eseln und Kaninchen ein Leben fern der Nutztierhaltung. Zudem haben sie rund 20 Kühen auf anderen Höfen ein sicheres Zuhause vermittelt. Gerettet wurden die Tiere nicht nur von Tierfreunden oder Tierschützern. «Auch zum Beispiel eine Landwirtin in Ausbildung, die ein Schwein von der Geburt bis zur Schlachtung betreuen musste, brachte die Schlachtung nicht übers Herz», sagt Sarah Heiligtag.

Als Gnadenhof bezeichnen die Heiligtags ihren Hof explizit nicht. «Die Tiere brauchen keine Gnade. Sie haben nichts verbrochen», sagt die 42-jährige studierte Ethikerin. Die Tiere hätten vielmehr etwas erlitten und zwar ein sogenanntes Nutz-Leben im Konflikt mit ihren eigentlichen Bedürfnissen.

Platz für Gemüse statt Nutztierfutter

Sie wollten auf einem kleinen Flecken umsetzen, was auch im grossen Rahmen möglich wäre, sagt Heiligtag. «Menschen und Tiere sollen ihren Bedürfnissen entsprechend leben können.» Dazu ernähren sich Heiligtag, ihr Mann und die beiden Kinder sowie die ganze Hofgemeinschaft vegan. Auf dem Hof wird Obst, Getreide und Gemüse angebaut.

«83 Prozent der weltweiten Ackerflächen sind für Nutztierfutter besetzt, diese produzieren aber nur 18 Prozent der menschlichen Kalorien», sagt Heiligtag. Je weniger Nutztiere gehalten würden, desto mehr Flächen würden frei für den Anbau menschlicher Nahrung und die Biodiversität.

Bauern denken um

Die Hofgemeinschaft lebt von den Einnahmen aus ihrem Hofladen, den Restaurants und Food-Abos, die sie mit ihren Produkten beliefern, sowie von den zahlreichen Anlässen, Kursen und Workshops auf dem Hof. Dazu kommen Einkünfte aus externen Teilzeitstellen einiger involvierter Menschen. Der Verein Hofnarr ist ausschliesslich für das Wohl der Tiere zuständig und wird über Tierpatenschaften finanziert.

Das Konzept des Lebenshofs bringt immer wieder Bäuerinnen und Bauern national und international zum Umdenken. Die Heiligtags haben schon einige bei der Umstellung auf einen veganen Hof unterstützt. «Viele Bauern leiden auch, wenn sie ein Kälbchen von der Mutter trennen oder ein Tier zum Schlachthof bringen müssen», sagt Heiligtag. Sie sei überzeugt, dass noch viel mehr Bäuerinnen und Bauern für den Verzicht auf Nutztiere bereit wären, würde die Politik dafür bessere Rahmenbedingungen schaffen. Viel bewegt hat der Hof auch im eigenen Dorf. «Seit wir hier sind, ist halb Hinteregg vegan», sagt Heiligtag lachend.

«Der Tag der guten Tag» ist eine Initiative von Coop Schweiz.

«Der Tag der guten Tag» ist eine Initiative von Coop Schweiz.

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