Folgen der Pandemie – BAG-Angestellte häufen Zehntausende Überstunden an
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Folgen der PandemieBAG-Angestellte häufen Zehntausende Überstunden an

Mitarbeitende des Bundesamts für Gesundheit haben so viel gearbeitet, dass sie ihre Stunden nicht rechtzeitig abbauen können. Deshalb gibt ihnen der Bund jetzt bis 2023 Zeit dafür.

von
Pascal Michel
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Auf dem Campus Liebefeld residiert das BAG.

Auf dem Campus Liebefeld residiert das BAG.

20min/Simon Glauser
Während der Pandemie hat das Amt kurzfristig die Personaldecke erhöhen müssen.

Während der Pandemie hat das Amt kurzfristig die Personaldecke erhöhen müssen.

20min/Simon Glauser
Neben dem Kader waren alle Mitarbeitenden gefordert.

Neben dem Kader waren alle Mitarbeitenden gefordert.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Mehr als 18 Tage Ferien- und Überzeit hat jeder BAG-Angestellte angehäuft.

  • Um diese Stunden abzubauen, gibt der Bund dem BAG nun mehr Zeit.

Kein Bundesamt ist seit dem Ausbruch der Pandemie mehr gefordert als Alain Bersets BAG. Die über 500 Mitarbeitenden arbeiteten im Berner Liebefeld teils Tag und Nacht, um Vernehmlassungen vorzubereiten, Pressekonferenzen zu planen und natürlich um Geschäfte zu erledigen, die abseits der Pandemie auf der Agenda stehen.

Dies schlägt sich im Zeitsaldo der Angestellten nieder: Im Jahr 2020 schnellte das Zeitguthaben pro Vollzeitstelle von 14 auf 18,4 Tage herauf.

Keine Besserung in diesem Jahr

«Aufgeschlüsselt wären diese rund zwölf Ferientage und sechs Tage in Zeitguthaben», sagt Anand Jagtap, Leiter Stab und Kommunikation beim Eidgenössischen Personalamt. Zahlen für 2021 liegen noch nicht vor. Man gehe aber davon aus, dass sich die Situation gegenüber dem Vorjahr nicht stark verändert habe.

Bei 539 Vollzeitstellen kostet dies dem Bund einen stattlichen Betrag. Fast 10’000 Tage Zeitguthaben schuldet der Bund seinen Angestellten. Dies muss er buchhalterisch im nächsten Jahr «zurückstellen».

Bei einem Bruttolohn pro Vollzeitstelle von rund 125’000 Franken, den Alain Berset in seinem Departement zahlt, dürfte die Mehrarbeit der BAG-Angestellten mit rund 4,8 Millionen Franken zu Buche schlagen – theoretisch.

150 Stunden können übertragen werden

Denn laut Personalreglement muss das angehäufte Guthaben kompensiert werden. «Das Bundespersonalrecht sieht aber vor, dass in begründeten Fällen eine Barvergütung von höchstens 150 Stunden je Kalenderjahr möglich ist», sagt Jagtap. Ausserdem könnten am Jahresende total maximal 150 Stunden an Zeitguthaben ins nächste Jahr übertragen werden.

Angesichts des Bergs an angehäufter Überzeit und Ferientage wird dies nicht möglich sein. Deshalb erhalten die Mitarbeitenden des BAG länger Zeit, um die Stunden abzubauen und die Ferien zu beziehen.

«Aufgrund der ausserordentlichen Situation haben das Eidgenössische Personalamt und das BAG vereinbart, dass hohe Mehr- und Überzeiten bis Ende 2023 abgebaut werden müssen», sagt Jagtap.

Über alle Wirtschaftszweige hinweg zeigt sich ein anderes Bild: Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden ging im Jahr 2020 um 3,4 Prozent zurück. Das zeigen neue Zahlen des Bundesamts für Statistik. Hauptsächlich wegen der steigenden Anzahl von Absenzen aufgrund von Kurzarbeit oder Betriebseinschränkungen für Selbstständigerwerbende. Am deutlichsten fiel das Minus im Wirtschaftszweig «Gastgewerbe und Beherbergung» aus, wo 22,2 Prozent weniger Arbeitsstunden geleistet wurden.

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