Rolle der Kinder in der Pandemie - BAG beurteilt Kinder trotz neuer Erkenntnisse als selten ansteckend
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Rolle der Kinder in der Pandemie BAG beurteilt Kinder trotz neuer Erkenntnisse als selten ansteckend

Die Taskforce kommt zum Schluss, dass Kinder das Coronavirus übertragen können. Das BAG hingegen stuft dies weiterhin als «selten» ein.

von
Bettina Zanni
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In der Schweiz herrschte die Meinung vor, dass Kinder bei der Verbreitung des Coronavirus eine untergeordnete Rolle spielten.

In der Schweiz herrschte die Meinung vor, dass Kinder bei der Verbreitung des Coronavirus eine untergeordnete Rolle spielten.

20min/Michael Scherrer
In ihrem neusten Policy Brief kommt die Taskforce um Taskforce-Chef Martin Ackermann aber zu einem neuen Schluss.

In ihrem neusten Policy Brief kommt die Taskforce um Taskforce-Chef Martin Ackermann aber zu einem neuen Schluss.

ETH Zürich
«Kinder und Jugendliche können sich mit Sars-Cov-2 infizieren, krank werden und das Virus übertragen», schreiben die Wissenschaftler.

«Kinder und Jugendliche können sich mit Sars-Cov-2 infizieren, krank werden und das Virus übertragen», schreiben die Wissenschaftler.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Kinder und Jugendliche könnten das Virus übertragen, stellt die Taskforce in einer neuen Stellungnahme klar.

  • Das BAG schreibt hingegen weiterhin, Kinder selbst würden das Virus selten auf andere Personen übertragen.

  • Die widersprüchlichen Informationen sorgen für Empörung.

Kindergärten, Kitas und Schulen blieben vom Shutdown in der zweiten Welle verschont. In der Schweiz herrschte die Meinung vor, dass Kinder bei der Verbreitung des Coronavirus eine untergeordnete Rolle spielten. In ihrem neusten Policy Brief kommt die Taskforce aber zu einem neuen Schluss.

«Kinder und Jugendliche können sich mit Sars-Cov-2 infizieren, krank werden und das Virus übertragen», schreiben die Wissenschaftler. Um die Rolle von Kindern und Jugendlichen bei der Covid-19-Epidemie genauer zu ermitteln, sind laut der Taskforce weitere Studien erforderlich.

Die derzeit verfügbare wissenschaftliche Literatur erlaubt laut der Stellungnahme keine präzise Bestimmung des Zusammenhangs zwischen dem Alter einer Person und der Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Virus zu infizieren oder es zu übertragen. Letztere ergebe sich aus einer Kombination von Faktoren. In Studien zur haushaltsinternen Exposition steige der Anteil der Infizierten mit dem Alter, hält das Gremium weiter fest.

Widerspruch sorgt für Empörung

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) antwortet auf seiner Website unter den häufig gestellten Fragen hingegen nach wie vor: «Kinder unter zwölf Jahren werden meist von erwachsenen Personen mit dem neuen Coronavirus angesteckt. Sie selbst übertragen das Virus jedoch selten auf andere Personen. Kinder ab zwölf Jahren und Erwachsene tragen vermehrt zur Übertragung des Virus bei.»

Die widersprüchlichen Informationen sorgen auf Social Media für Empörung. «Es wäre schon wichtig, dass auf der BAG-Seite keine Aussagen stehen, die dem heutigen Wissensstand widersprechen», kritisiert Ex-Taskforce-Mitglied Dominique de Quervain.

Texte würden bei Bedarf angepasst

Die Taskforce bestätigt auf Anfrage, dass das BAG alle Policy Briefs der Taskforce vor der Publikation zur Kenntnis nehme. Eine baldige Anpassung der Information plant das Amt zurzeit jedoch nicht. «Selbstverständlich verändern sich Einschätzungen entsprechend der wissenschaftlichen Erkenntnisse und somit werden auch die Texte auf der Webseite des BAG bei Bedarf angepasst», schreibt BAG-Sprecher Yann Hulmann.

Laut Hulmann stellt das BAG fest, dass Kinder aller Altersgruppen das Virus tragen und verbreiten können. «Allerdings nimmt die Rate mit dem Alter zu. Dies hängt mit der höheren sozialen Kontaktrate und verschiedenen anderen Faktoren zusammen.» Dieselbe Aussage werde auch im Policy Brief gemacht. Zusätzlich halte dieses fest, dass weitere Studien zur Übertragungsdynamik bei Kindern nötig seien.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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