10-Personen-Regel: BAG empfiehlt Waldweihnacht statt Feier unter dem Christbaum
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10-Personen-RegelBAG empfiehlt Waldweihnacht statt Feier unter dem Christbaum

Die Corona-Massnahmen dürften auch an Weihnachten noch in Kraft sein. Wie feiert man mit der 10-Personen-Regel?

von
Pascal Michel
Daniel Graf
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Dieses Jahr müssen sich die Schweizer auf ein etwas anderes Weihnachtsfest einstellen.

Dieses Jahr müssen sich die Schweizer auf ein etwas anderes Weihnachtsfest einstellen.

Foto: Keystone
«Ich würde im Moment nur eine kleine Weihnachtsfeier planen», sagte Gesundheitsminister Alain Berset im «20 Minuten»-Live-Chat.

«Ich würde im Moment nur eine kleine Weihnachtsfeier planen», sagte Gesundheitsminister Alain Berset im «20 Minuten»-Live-Chat.

Foto: «20 Minuten»
Die SVP fordert, dass man das Weihnachtsfest wie gehabt ermöglicht und die Massnahmen für das Fest aussetzt.

Die SVP fordert, dass man das Weihnachtsfest wie gehabt ermöglicht und die Massnahmen für das Fest aussetzt.

Foto: Keystone

Darum gehts

  • Aktuell dürfen sich bei Familienfeiern nur zehn Personen versammeln.

  • Alain Berset rät, damit auch an Weihnachten zu rechnen.

  • Nun rätselt die Schweiz: Wie feiern wir unter diesen Umständen Weihnachten?

  • Der Bund rät zu Feiern im Freien, während die Junge SVP die Massnahmen über Weihnachten aussetzen will.

Im Kampf gegen die explodierenden Corona-Fallzahlen in der Schweiz hat der Bundesrat am Mittwoch eine weitere Stufe gezündet: Mit diversen einschneidenden Massnahmen will er eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern - als nächste Massnahme bliebe wohl nur der Lockdown.

Die Massnahmen gelten unbeschränkt und umfassen beispielsweise ein Verbot von Familienfeiern mit mehr als zehn Personen. Damit ist an ein Weihnachtsfest wie in vorherigen Jahren kaum zu denken: Schon mit der Einladung der Grosseltern und der Familie der Geschwister wäre die 10er-Grenze in vielen Fällen erreicht.

Und wie Gesundheitsminister Alain Berset im Live-Chat mit «20 Minuten» sagte, rechnet er damit, dass die Regel auch an Weihnachten noch gilt: «Ich würde im Moment nur mit zehn Leuten eine Feier planen.» Wie also feiern? Die Möglichkeiten.

Massnahmenstopp über Weihnachten

Einen radikalen Vorschlag, um das Weihnachtsfest wie gehabt möglich zu machen, hat die Junge SVP lanciert. «Die 10-Personen-Regelung ist gar nicht in allen Familien durchführbar. Viele Familien haben selbst im engen Kreis weit mehr als zehn Personen. Es kann doch nicht sein, dass wir an Weihnachten unsere Liebsten nicht sehen dürfen», sagt JSVP-Präsident David Trachsel. Deshalb sei die Verordnung so anzupassen, dass das private Veranstaltungsverbot für Heiligabend und Weihnachten ausser Kraft gesetzt werde. Man vertraue auf die Eigenverantwortung und die Einhaltung der Regeln.

An der Pressekonferenz am Donnerstag liess Michael Gerber, Rechtsexperte beim BAG, durchblicken, dass keine Ausnahmen vorgesehen sind. «Beim Weihnachtsfest handelt es sich um eine private Veranstaltung im Familien- und Freundeskreis.» Dort stehe jetzt nun mal fest, dass es die 10-Personen-Limite gebe. Auch Kinder zählten dazu. «Die Limite ist bewusst tief gehalten angesichts der bekannten Ansteckungsorte. Wir sind alle aufgerufen, das zu respektieren.»

Vorquarantäne

Doch auch mit der geltenden Personenbeschränkung bleiben viele Fragen zur Organisation der Weihnachtsfeier offen. Angenommen, man lädt Grosseltern oder auch Verwandte, die einer Risikogruppe angehören, ein: Wie schützt man sie? Der deutsche Virologe Christian Drosten brachte eine sogenannte «Vorquarantäne» ins Spiel: «Also dass Menschen einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa soziale Kontakte so gut es geht vermeiden.»

Auch die amerikanische Behörde CDC rät in einem Leitfaden dazu: «Wer an einer Feier mit Menschen ausserhalb des eigenen Haushalts teilnimmt, soll Kontakte ausserhalb des Haushalts für zwei Wochen vermeiden.»

Otto Kölbl, der an der Universität Lausanne zu Corona forscht, sagt dazu: «Gerade Kinder und Jugendliche kann man nicht einfach zwei Wochen vor Weihnachten isolieren. Aber auch für Erwachsene dürfte das schwierig sein.» Und auch wenn man das gewissenhaft durchführe, bleibe das Problem der Asymptomatischen: «Wenn ich mich kurz vor Weihnachten gesund und gut fühle, kann ich keinen Test machen. Trotzdem könnte ich nach wie vor ansteckend sein und an der Weihnachtsfeier in Grossmutters Stube so meine Verwandten in Gefahr bringen.»

Feiern aufsplitten

Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erklärt auf Anfrage, in den Tagen vor der Feier seien Expositionen möglichst zu vermeiden. Sprecher Daniel Dauwalder empfiehlt weiter: «Den Personenkreis so klein wie möglich halten - sicher nicht mehr als zehn Personen -, idealerweise nicht mehr als zwei Haushalte gleichzeitig.» In Innenräumen solle man regelmässig lüften und die Distanz- und Hygieneregeln einhalten. «Allenfalls auch Masken tragen.» Das BAG rät zur Minimierung des Ansteckungsrisikos zu Aktivitäten im Freien wie etwa einer Fackeltour im Wald oder einer Waldweihnacht.

Feiern im Freien

Ein Weihnachtsfest mit Personen aus vielen unterschiedlichen Haushalten steigert das Infektionsrisiko. Eine Möglichkeit wäre deshalb, Verwandte zu definieren, mit denen man sich trifft - und solche, die man dieses Jahr auslässt. Denn auch bei gestaffelten Feiern besteht die Gefahr, dass durch die Rotationen mehr Personen angesteckt werden. Mehr Spielraum gibt es bei Feiern im Freien. Aktuell gilt im öffentlichen Raum die 15-Personen-Regel.

Kölbl glaubt, dass die Massnahmen bis Weihnachten nicht gelockert werden. Er empfiehlt deshalb, dieses Jahr im Freien zu feiern: «Wir sind eine Skifahrer-Nation, und gegen die kalten Temperaturen kann man sich wappnen», findet er. Konkret schlägt er vor, Stadtpärke, Grillplätze im Wald und sonstige Naherholungsgebiete dafür zu nutzen.

«Mit warmer Kleidung, einem Feuer und einem grossen Topf Glühwein, um sich warm zu halten, kann eine Weihnachtsfeier im Freien ein schönes Erlebnis sein», ist Kölbl überzeugt. Und rüstige Grosseltern würden so oder so oft lange Spaziergänge im Freien unternehmen. «Die würden die Temperaturen vermutlich sogar noch besser aushalten als die heutigen Jugendlichen.»

Getrennt anreisen

Bei Feiern in geschlossenen Räumen sei das Übertragungsrisiko um ein Vielfaches höher. «Selbst wenn wir bis Weihnachten noch zu zehnt in der Stube feiern dürften, ist das nicht empfehlenswert», sagt Kölbl. Er kann sich auch vorstellen, dass bis dann schon eine 5- oder 3-Personen-Regel gilt.

Wichtig sei auch im Freien, dass die Haushalte möglichst wenig durchmischt würden: «Wenn mehrere Haushalte zusammen etwas ausserhalb der Stadt feiern, sollten etwa alle mit unterschiedlichen Autos anreisen.»

«Nicht alles auf Vorrat absagen»

Tatjana Kistler, Mediensprecherin von Pro Senectute, appelliert an alle, in der Advents- und Weihnachtszeit ganz besonders den Kontakt zu älteren Personen zu pflegen. Das könne auch über Videotelefonie oder Multimedia-Apps sein: «So hören sie nicht nur die Stimme eines lieben Menschen, sondern können auch sein Gesicht sehen.» Bezüglich des gemeinsamen Weihnachtsfests müsste die Familie gemeinsam diskutieren, wie der Schutz der älteren Mitglieder sichergestellt werden kann. «Zentral ist es, miteinander ganz normal zu reden, die Bedürfnisse aller zu ergründen und gemeinsam nach Varianten zu suchen, wie man diesen Wünschen gerecht werden kann», sagt Kistler. Die Selbstverantwortung allen gegenüber sei derzeit grosszuschreiben. Trotzdem rät Kistler, noch nicht auf Vorrat alles abzusagen, sondern die Entwicklungen der Pandemie genau zu beobachten und aufgrund der aktuellen Situation im persönlichen Umfeld das Gespräch zu suchen, eine Risikoabwägung zu machen und gemeinsam zu planen.

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