Impfkommission wartet zu - Aargau prescht bei Teenager-Impfung vor
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Impfkommission wartet zuAargau prescht bei Teenager-Impfung vor

Im Kanton Aargau können sich ab kommender Woche 12- bis 15-Jährige für die Covid-19-Impfung anmelden. Den Piks erhalten sie aber nur, wenn die Zustimmung der Eltern vorliegt. Das steht im Widerspruch zur Empfehlung des BAG.

von
Lukas Hausendorf
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In der Schweiz ist der Covid-19-Impfstoff von Pfizer/Biontech jetzt auch für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. 

In der Schweiz ist der Covid-19-Impfstoff von Pfizer/Biontech jetzt auch für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen.

REUTERS
Die Eidgenössische Impfkommission hat ihre Empfehlung noch nicht angepasst. Das BAG hat aber bereits Empfehlungen zu Handen der Gesundheitsdirektionen abgegeben.

Die Eidgenössische Impfkommission hat ihre Empfehlung noch nicht angepasst. Das BAG hat aber bereits Empfehlungen zu Handen der Gesundheitsdirektionen abgegeben.

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Demnach sollen Kinder ab zwölf Jahren unabhängig von ihren Eltern entscheiden können, ob sie sich impfen lassen wollen. Sofern sie urteilsfähig sind. Darüber befinde aber das medizinische Fachpersonal, das die Impfung vornimmt.

Demnach sollen Kinder ab zwölf Jahren unabhängig von ihren Eltern entscheiden können, ob sie sich impfen lassen wollen. Sofern sie urteilsfähig sind. Darüber befinde aber das medizinische Fachpersonal, das die Impfung vornimmt.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Im Kanton Aargau sollen sich Kinder ab zwölf Jahren ab Montag für die Corona-Impfung registrieren können.

  • Für die Impfung setzt der Kanton aber das Einverständnis der Eltern voraus.

  • Gemäss BAG-Empfehlung sollen sich urteilsfähige Kinder aber selbst und auch gegen den Willen der Eltern für oder gegen eine Impfung entscheiden können.

Am Freitag hat die Arzneimittelbehörde Swissmedic den Impfstoff von Pfizer/Biontech für 12- bis 15-Jährige zugelassen. Im Kanton Aargau kann sich diese Altersgruppe bereits ab kommender Woche für die Impfung registrieren, wie das zuständige Gesundheitsdepartement am Freitagabend mitteilte. Der Kanton prescht damit vor. Die Empfehlung der Eidgenössische Kommission für Impffragen (Ekif) steht noch aus und wird nicht vor Mitte Juni erwartet.

Die Impfung der 12- bis 15-Jährigen erfolge aber nur im Impfzentrum des Kantonsspitals Aarau. Bei der Registrierung werde die jüngste Altersgruppe allen anderen gleichgestellt. Allerdings verlangt der Kanton Aargau für die Impfung das Einverständnis der Eltern. Minderjährige müssten dies vorweisen können oder in Begleitung einer erziehungsberechtigten Person erscheinen. Diese Regelung steht im Widerspruch zur Empfehlung des Bundesamts für Gesundheit. Das sei die bisherige Praxis, erklärte die Aargauer Gesundheitsdirektion am Samstag auf Anfrage. Man werde die Empfehlungen des BAG und der Ekif aber prüfen.

Das BAG hält in einem Schreiben an die kantonalen Gesundheitsdirektionen und medizinisches Fachpersonal fest, dass ältere Kinder selbst bestimmen können, ob sie sich impfen lassen möchten oder nicht. Und zwar unabhängig vom Standpunkt ihrer Eltern. Das berichtet am Samstag der «Tages Anzeiger» (Bezahlartikel). Das betrifft explizit auch die Altersgruppe der 10- bis 15-Jährigen. Sie könnten «unabhängig vom Einverständnis der Eltern oder Erziehungsberechtigten einer Impfung zustimmen, sofern sie als urteilsfähig gelten», heisst es im Schreiben.

Eltern haben nichts zu melden

Die Entscheidung über die Urteilsfähigkeit müsse das impfende Fachpersonal treffen. Und dieses müsse dem Wunsch der Kinder stattgeben. Entscheidend sei, dass ein Kind die Tragweite eines Eingriffs für seinen Körper abschätzen könne, so das BAG. Gegenüber den Eltern ist das Personal nicht rechenschaftspflichtig, es ist an die ärztliche Schweigepflicht gebunden. Ärztinnen und Ärzte, die sich nach den Wünschen der Eltern richten, könnten sogar gebüsst werden. Der «Tages Anzeiger» stützt sich bei dieser Einschätzung auf ein Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 2008.

Damals ging es um die Behandlung einer 13-Jährigen bei einem Osteopathen. Dieser hatte die Behandlung gegen deren Willen fortgesetzt und allein auf die Zustimmung der Mutter abgestellt.

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