Aktualisiert 15.07.2020 15:42

Trotz AnsteckungenBAG lässt Gesichtsvisiere weiterhin zu

Weil Plastikvisiere nicht genügend schützen, hatten sich in Graubünden mehrere Personen mit Corona angesteckt. Trotzdem will das BAG die visiere nicht verbieten.

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Ungenügender Schutz: Face Shields. (Symbolbild)

Ungenügender Schutz: Face Shields. (Symbolbild)

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In Graubünden haben sich mehrere Personen mit dem Corona-Virus angesteckt, obwohl sie ein Face Shield trugen.

In Graubünden haben sich mehrere Personen mit dem Corona-Virus angesteckt, obwohl sie ein Face Shield trugen.

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Sogenannte Face Shields helfen nicht zum Schutz gegen Corona. Das sagt das Gesundheitsamt des Kantons Graubünden.

Sogenannte Face Shields helfen nicht zum Schutz gegen Corona. Das sagt das Gesundheitsamt des Kantons Graubünden.

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Coronavirus-Ansteckung trotz Gesichtsvisier: In Graubünden hatten sich in einem Hotel Angestellte, die eine Schutzmaske trugen, im Gegensatz zu ihren Kollegen mit Visier nicht angesteckt. Das BAG reagierte am Mittwoch dennoch nicht mit Einschränkungen.

Drei Hotelmitarbeiter hätten sich angesteckt, die Visiere getragen haben. Von den Maskenträgern im Personal habe sich hingegen kein einziger infiziert, bestätigte die Bündner Kantonsärztin Marina Jamnicki gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA Aussagen in den Tamedia-Medien. Auch wenn die Beobachtung nicht repräsentativ sei, falle das Bild doch klar und eindeutig aus.

Die Analyse der Fälle und der Übertragungswege hätten gezeigt, dass insbesondere die in der Gastronomie verbreiteten Plastikvisiere ungenügend Schutz vor Infektion bieten, hatten Jamnicki und das kantonale Gesundheitsamt von Graubünden schon am Dienstag mitgeteilt.

Massnahmen sind den Branchen überlassen

Die Bündner Kantonsärztin rät deshalb von der alleinigen Verwendung von Plastikvisieren ab. Die Visiere vermittelten ein falsches Gefühl von Sicherheit. Könne der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden, würden Gesichtsmasken oder andere geeignete Massnahmen empfohlen.

Im Gespräch mit GastrosuisseAuch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) betont einerseits, das Gesichtsvisier sei nur als Ergänzung geeignet und ersetze keinesfalls eine Gesichtsmaske. «Die Verwendung des Visiers ist keine 3. Alternative», schreibt BAG-Sprecher Yann Hulmann am Mittwoch auf Anfrage. Auch Hygiene und Distanzregeln müssten eingehalten werden.

Die entsprechenden Massnahmen seien aber den Branchen überlassen, so Hulmann. Der Bund nehme nun Kontakt mit Gastrosuisse auf. Dort ist man sich der Problematik bewusst.

Im «Schutzkonzept für das Gastgewerbe unter Covid-19» vom 22. Juni heisst es: «Zwei Personen, die länger nebeneinander arbeiten, halten einen Abstand von 1,5 Metern zueinander ein, wenden sich den Rücken zu und arbeiten versetzt, oder tragen Hygienemasken (chirurgische Masken, OP-Masken) oder Gesichtsvisiere." Es entsteht der Eindruck, Masken und Visiere seien gleichwertig.

Entstanden ist dieses Schutzkonzept in Zusammenarbeit mit dem BAG, dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco).

(SDA)

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28 Kommentare
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Tellentochter

16.07.2020, 16:17

Besser wäre der Name: Bundesamt der Unkompetenz!

Tellentochter

16.07.2020, 16:15

Das BAG kann man nicht ernst nehmen, einfach nur unkompetent und unseriös...

Vorschriften

16.07.2020, 07:24

wieso schreibt das BAG nicht verbindlich vor, was genau zu tragen ist, sondern überlässt es immer der Eigenverantwortung von Privaten oder Branchen. Wenn bewiesen ist, dass eine Schutzmassnahme untauglich ist, dann gehört die Vorschrift angepasst. Wenn das nicht geschieht, gefährdet dies die Gesundheit aller. Und jetzt bitte keine nutzlosen Kommentare von Corona- und Maskenleugnern. Das Virus existiert und wer es nicht glaubt, soll sich als Pfleger auf einer Corona-Station melden - ohne jegliche Schutzkleidung.