Krebserregend und hochgiftig: BAG untersucht Schloss Bümpliz auf radioaktive Strahlung
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Krebserregend und hochgiftigBAG untersucht Schloss Bümpliz auf radioaktive Strahlung

Das BAG will Ende Oktober erneut prüfen, ob radioaktive Strahlungen rund um das Schloss Bümpliz messbar sind. Anfang des 20. Jahrhunderts tüftelten dort Chemie-Studenten mit dem hochgiftigen Element Radium.

von
Lara Hofer
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1903 haben zwei Berner Chemie-Studenten im Keller des Schlosses Bümpliz mit radioaktivem, hochgiftigem Radium experimentiert.

1903 haben zwei Berner Chemie-Studenten im Keller des Schlosses Bümpliz mit radioaktivem, hochgiftigem Radium experimentiert.

Raphael Moser
Damals wurde das Radium noch als unproblematisch und sogar als heilend eingestuft, weswegen die Experimente vollkommen legal waren. 

Damals wurde das Radium noch als unproblematisch und sogar als heilend eingestuft, weswegen die Experimente vollkommen legal waren.

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Erst viele Jahre später wurde bekannt, dass das Element sehr gefährlich und gesundheitsschädigend ist. Es kann in hohen Dosen zu Krebserkrankungen führen.

Erst viele Jahre später wurde bekannt, dass das Element sehr gefährlich und gesundheitsschädigend ist. Es kann in hohen Dosen zu Krebserkrankungen führen.

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Darum gehts

  • Zwei Berner Chemiker tüftelten vor mehr als hundert Jahren im Schloss Bümpliz mit hochgiftigem, radioaktivem Radium.

  • Kontrollmessungen im Jahr 1980 zeigten, dass noch immer Reste des Materials im Schloss liegen. Diese wurden umgehend beseitigt.

  • Ende Oktober will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erneut eine Radium-Analyse vor Ort durchführen.

Im Jahr 1903 tüftelten zwei Berner Chemie-Studenten auf eigene Faust mit Radium. Sie richteten sich ein Chemielabor im Keller des Schlosses Bümpliz ein. Die Gefahr, die vom radioaktiven Zerfall des Radiums ausgeht, war damals noch niemandem bewusst. Es schien unproblematisch, ein entsprechendes Labor ohne Schutzvorrichtungen in einem Wohnhaus einzurichten.

1977 wurde das Schloss Bümpliz dann an die Stadt Bern verkauft. Drei Jahre später wurden im Schloss Kontrollmessungen durchgeführt. Diese zeigten, dass Reste von radioaktivem Material zurückgelassen wurden. Die schädlichen Verunreinigungen wurden daraufhin entfernt und der Stadt Bern wurde bestätigt, dass das öffentlich zugängliche Areal gemäss damals geltender Gesetzgebung saniert ist und niemand, auch bei dauerndem Aufenthalt, einer unzulässigen Strahlendosis ausgesetzt ist.

Nun hat sich ein Leser bei 20 Minuten gemeldet, um das Thema erneut aufzugreifen. Dem Leser zufolge sei es Mitarbeitern der Stadt Bern untersagt worden, auf dem Areal des Schlosses Bümpliz zu arbeiten, weil massiv hohe Radiumwerte festgestellt worden seien. Stimmt das?

Aktuelle Situation

«Für die Anwohnenden sowie Besucherinnen und Besucher des Schlosses Bümpliz besteht gemäss dem BAG keine gesundheitliche Gefährdung», teilt Dagmar Boss von Immobilien Stadt Bern auf Anfrage mit. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) habe bestätigt, dass jederzeit normal auf dem Areal gearbeitet werden kann. «Die Pflege- und Unterhaltsarbeiten der Schlossanlage werden im gewohnten Rahmen durchgeführt, einzig Neupflanzungen werden derzeit nicht mehr getätigt», so Boss.

Es stimme jedoch, dass das BAG eine erneute Radium-Analyse durchführen möchte. Alle betroffenen Areal-Teile, wie beispielsweise der Rosengarten, sollen neu untersucht werden. «Ob tatsächlich eine Belastung vorliegt, können wir heute noch nicht wissen.» Ob überhaupt und welcher Handlungsbedarf besteht, sollen die Untersuchungen zeigen. Die entsprechenden Bohrungen und Messungen sind für Ende Oktober geplant.

Wie gefährlich ist Radium?

Radium wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von der Chemikerin Marie Curie entdeckt. Es galt damals als harmlos, gar als gesundheitsfördernd und wurde als Medikament eingesetzt. Heute ist bekannt: Radium ist ein radioaktives Element, das zu den hochgiftigen Substanzen gehört. Es kann in hohen Dosen zu Krebserkrankungen führen. Die häufigste Krankheit ist der Knochenkrebs, aber auch die Wahrscheinlichkeiten für Leukämie sowie Brust- und Leberkrebs werden hiervon berührt. Glücklicherweise sind wir Menschen über unsere Haut ausreichend vor den Alpha-Strahlungen des Radiums geschützt. Gelangen die Strahler aber über die Aufnahme von Wasser in unseren Körper, so ist deren Aggressivität im biologischen Gewebe eine der höchsten unter allen bekannten Radionukliden.

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