30.10.2020 20:35

CoronavirusBAG widerspricht Fitnessverbänden – Verwirrung um Maskenpflicht

Gemäss den neuen Schutzkonzepten der Fitnessverbände muss die Gesichtsmaske etwa beim Einzeltraining nicht immer getragen werden. Das Bundesamt für Gesundheit dementiert – und schafft Klarheit.

von
Daniel Krähenbühl
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Trotz den Vorgaben des Bundesrates herrschte unter den Fitnessstudios grosse Unsicherheit, wie das neue Schutzkonzept aussehen soll. Die zwei grossen Player im Schweizer Markt, der Schweizerische Fitness- und Gesundheitscenter-Verband (SFGV) und die IG Fitness haben nun ihre Schutzkonzepte veröffentlicht. Beide sehen grosszügige Ausnahmen für die Maskenpflicht während dem Training vor. 

Trotz den Vorgaben des Bundesrates herrschte unter den Fitnessstudios grosse Unsicherheit, wie das neue Schutzkonzept aussehen soll. Die zwei grossen Player im Schweizer Markt, der Schweizerische Fitness- und Gesundheitscenter-Verband (SFGV) und die IG Fitness haben nun ihre Schutzkonzepte veröffentlicht. Beide sehen grosszügige Ausnahmen für die Maskenpflicht während dem Training vor.

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Beim SFGV, der rund 400 Schweizer Fitness-Unternehmungen vertritt, gilt etwa die Maskenpflicht trotz strengeren Corona-Massnahmen nicht, wenn die Distanzregeln von 1,5 Metern eingehalten werden können oder die Geräte mit «wirksamen Abschrankungen» zwischen den Personen abgetrennt sind.

Beim SFGV, der rund 400 Schweizer Fitness-Unternehmungen vertritt, gilt etwa die Maskenpflicht trotz strengeren Corona-Massnahmen nicht, wenn die Distanzregeln von 1,5 Metern eingehalten werden können oder die Geräte mit «wirksamen Abschrankungen» zwischen den Personen abgetrennt sind.

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«In den Trainingsräumen ist eine Pflicht zum Tragen einer Gesichtsmaske mit den dort ausgeübten Tätigkeiten nicht zu vereinbaren», schreibt der Verband in seinem Schutzkonzept.

«In den Trainingsräumen ist eine Pflicht zum Tragen einer Gesichtsmaske mit den dort ausgeübten Tätigkeiten nicht zu vereinbaren», schreibt der Verband in seinem Schutzkonzept.

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Darum gehts

  • Die IG Fitness und der Schweizer Fitness- und Gesundheitscenter-Verband (SFGV) haben ihre Schutzkonzepte angepasst.

  • Zwar gilt eine generelle Maskenpflicht – trotzdem gibt es viele Ausnahmen.

  • Laut den Fitnessverbänden können die Regeln je nach Grösse und weiteren Massnahmen des Fitnessstudios variieren.

  • Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dementiert: Gerade im Bereich des Einzeltrainings gilt immer eine Maskenpflicht.

Abstand halten, Maskenpflicht und Trainings für bis höchstens 15 Personen: Die Corona-Massnahmen, die der Bundesrat für Sportaktivitäten ab 16 Jahren in Innenräumen beschlossen hat, sind sehr restriktiv. Das sagt selbst Bundesrat Alain Berset im Gespräch mit 20 Minuten: «Es braucht Abstand und Maske. Die Alternative wäre aber, dass die Fitnessstudios schliessen müssten.» Eine Ausnahme von der Maskenpflicht sieht die Covid-19-Verordnung nur für «grosse Räumlichkeiten» vor, wenn zusätzliche Abstandsvorgaben und Kapazitätsbeschränkungen gelten und die Lüftung gewährleistet ist – etwa beim Tennis.

Trotz den Vorgaben des Bundesrates herrschte unter den Fitnesstudios grosse Unsicherheit, wie das neue Schutzkonzept aussehen soll. Die zwei grossen Player im Schweizer Markt, der Schweizerische Fitness- und Gesundheitscenter-Verband (SFGV) und die IG Fitness haben nun ihre Schutzkonzepte veröffentlicht. Beide sehen grosszügige Ausnahmen für die Maskenpflicht während des Trainings vor.

«Ein wahnsinniges Durcheinander»

Beim SFGV, der rund 400 Schweizer Fitness-Unternehmungen vertritt, gilt etwa die Maskenpflicht trotz strengeren Corona-Massnahmen nicht, wenn die Distanzregeln von 1,5 Metern eingehalten werden können oder die Geräte mit «wirksamen Abschrankungen» zwischen den Personen abgetrennt sind. «In den Trainingsräumen ist eine Pflicht zum Tragen einer Gesichtsmaske mit den dort ausgeübten Tätigkeiten nicht zu vereinbaren», schreibt der Verband in seinem Schutzkonzept.

Auf das Tragen einer Maske kann darum verzichtet werden, wenn gewisse räumliche Voraussetzungen gegeben seien: So müssen einer Person beim Training ohne erhebliche körperliche Anstrengung – etwa Yoga – mindestens 4 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen oder Abschrankungen zwischen den einzelnen Personen angebracht sein. Beim Training mit erheblicher körperlicher Anstrengung – etwa Konditionstraining – wird die benötigte Fläche auf 15 Quadratmeter ausgeweitet. Pro Trainingsraum dürfen so maximal 50 Personen anwesend sein. Für Gruppenfitnessräume gilt eine Beschränkung von 15 Personen.

Schutzkonzept sei mit Daniel Koch erarbeitet worden

Das Schutzkonzept des Verbands entspreche den Vorgaben des Bundesrats, sagt SFGV-Vizepräsident Roland Steiner. «Es wurde gemeinsam mit Daniel Koch, dem ehemaligen Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit, erstellt.» Die Fitness-Unternehmungen seien über den genauen Inhalt der verordneten Massnahmen nicht im Voraus informiert gewesen, sagt Steiner. Die Verordnung sei am Mittwoch veröffentlicht und um Mitternacht in Kraft gesetzt worden. «In den paar wenigen Stunden kann niemand ein vernünftiges Schutzkonzept machen. Daher war da ein wahnsinniges Durcheinander.»

Das Corona-Schutzkonzept der IG Fitness, die etwa Activ Fitness oder Basefit vertritt, sieht zwar eine vollständige Maskenpflicht vor – jedoch gelten auch hier Ausnahmen, sollten die räumlichen Gegebenheiten es zulassen. Auch hier gibt es aber eine Kapazitätsgrenze: Neben Vorgaben zur Mindestfläche pro Kunde dürfen im Gerätebereich maximal 80 Prozent Personen anwesend sein, wie nutzbare Trainingsstationen zur Verfügung stehen.

Maske muss bei Einzeltrainings immer getragen werden

Das Bundesamt für Gesundheit nimmt zum Schutzkonzept-Chaos in der Fitnessbranche erstmals Stellung. «Die Kontrolle der Richtigkeit und der Umsetzung der Schutzkonzepte obliegt den Kantonen», sagt BAG-Sprecher Yann Hulmann. Die Bestimmungen des Bundes seien aber klar: Für die Ausübung von Sport in einem Fitnessstudio gilt eine Maskenpflicht. «Die Betreiber von Fitnesszentren können nicht garantieren, dass Personen oder Trainerinnen und Trainer immer 1,5 Meter Abstand voneinander haben, weshalb die Maskenpflicht im Bereich des Einzeltrainings und der allgemeinen Räumlichkeiten immer gelten muss.»

Des Weiteren sei die Personenzahl bei einem Gruppenkurs auf 15 zu begrenzen. Je nach Raumgrösse müsse diese Zahl allerdings kleiner sein. «Zentral ist, dass die Abstände je nach Training immer eingehalten werden können.» Beim Yogakurs im Gruppenraum reichten 4 Quadratmeter pro Person. «Dann kann die Maske – ausschliesslich auf der Matte – ausgezogen werden», so Hulmann.

Beim regulären Fitnessbetrieb eines genügend grossen Centers sei die Zahl nicht auf 15 Personen begrenzt, da es sich beim Training an den Maschinen um Einzeltraining handle. Gemäss der Verordnung des Bundes müssen die Platzverhältnisse so bemessen sein, dass pro Person mindestens 15 Quadratmeter Fläche zur ausschliesslichen Nutzung zur Verfügung stehen oder wirksame Abschrankungen zwischen den einzelnen Personen angebracht werden. «Das Fitnesscenter muss also die frei für das Einzeltraining nutzbare Fläche durch 15 Quadratmeter teilen», sagt Hulmann. «Gerätetraining stellt kein ruhiges Training wie Yoga oder Pilates dar und benötigt 15 Quadratmeter pro Person.»

Maske und Training – geht das?

Laut Christina Spengler, Vizepräsidentin der Sportwissenschaftlichen Gesellschaft der Schweiz (SGS) und Leiterin des Labors für Human- und Sportphysiologie an der ETH Zürich, ist das Sporttraining mit Maske problemlos möglich. Durch den erhöhten Atemwiderstand mit einer Maske werde das Training aber oftmals als anstrengender erlebt, sagt Spengler. «Das Gesamtanstrengungsempfinden ist grösser, weil die Atemmuskulatur ein bisschen mehr arbeiten muss.»

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123 Kommentare
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TukTuk

31.10.2020, 23:02

„Das Schutzkonzept sei von Daniel Koch erarbeitet worden... „ na denn, selbst Mickey Mouse hätte wohl besseres zu Stande gebracht.

zitrone

31.10.2020, 20:28

macht doch was ihr wollt :) bringt ja eh alles nichts.

Einzelsportler

31.10.2020, 19:44

Im Fitnesscenter wäre es zwar nicht so ein Problem, dass sich Maske und Brille gegenseitig ausschliessen. Dafür aber ist dies beim Einkaufen dann ein grosses, wenn auch noch wieder mal alles umplatziert werden. Luft anhalten, Brille auf, suchen, Brille ab ... sehr mühsam und ablenkend. Im Fitnesscenter hingegen ist die Wärmeentwicklung unter der Maske sowie die Atembehinderung das Hauptproblem. Das tue ich mir auf keinen Fall an. Dann kommt halt das Fitnessgerät in meine gute Stube und wenn es nicht regnet kann man sich in Wald und Flur bewegen.