Berner Spitäler : Bagatellfälle führen zu Überlastungen auf den Notfallstationen 

Publiziert

Berner Spitäler Bagatellfälle führen zu Überlastungen auf den Notfallstationen 

Die Lage auf den Notfallstationen der Berner Spitäler ist angespannt – auch weil sich zu viele Personen ohne gravierende Verletzungen anmelden. Die Spitäler reagieren mit unterschiedlichen Massnahmen. 

1 / 3
Das Spital Thun verzeichnet über 30 Prozent mehr ambulante Patientinnen und Patienten im Vergleich zu vor einem Jahr.

Das Spital Thun verzeichnet über 30 Prozent mehr ambulante Patientinnen und Patienten im Vergleich zu vor einem Jahr.

20min/Simon Glauser
Einer der Gründe: Vermehrt wird der Notfall wegen sogenannter Bagatellfälle aufgesucht.

Einer der Gründe: Vermehrt wird der Notfall wegen sogenannter Bagatellfälle aufgesucht.

LAB
Das wiederum hat auch damit zu tun, dass weniger Hausarztpraxen in der Region Notfalldienste anbieten oder diese selbst überlastet sind. 

Das wiederum hat auch damit zu tun, dass weniger Hausarztpraxen in der Region Notfalldienste anbieten oder diese selbst überlastet sind. 

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Die Notfallstationen der Berner Spitäler sind aktuell überlastet. 

  • Ein Grund ist, dass der Notfall vermehrt wegen Bagatellfällen aufgesucht wird. 

  • Die Spitäler sehen sich zu Triagen und Personalrotationen gezwungen. 

Die Notfallstationen der Berner Spitäler platzen derzeit aus allen Nähten. Das Spital Thun etwa verzeichnet über 30 Prozent mehr ambulante Patientinnen und Patienten im Vergleich zu vor einem Jahr.  Einer der Gründe: Vermehrt wird der Notfall wegen sogenannter Bagatellfälle aufgesucht. Dies habe zum einen damit zu tun, dass weniger Hausarztpraxen in der Region Notfalldienste anbieten oder diese selbst überlastet sind, erklärt Sprecher Pierre Hagmann. Andererseits habe die Pandemie die Menschen womöglich zusätzlich für eigene körperliche Befindlichkeiten sensibilisiert, was teilweise dazu führe, dass diese «Mühe bekunden, zwischen ernsthaften, dringlichen Problemen und Bagatell-Situationen zu unterscheiden». Über die überlastete Notfallstation am Thuner Spital hatte Radio Beo berichtet. 

Auch die Notaufnahme des Spitalzentrums Biel wird oft «wegen nicht gravierender Verletzungen oder Erkrankungen» aufgesucht.  Dass der Juli diesbezüglich ein «Rekord-Monat» war, habe aber auch mit einem Mangel an Alternativen zu tun, erklärt Sprecherin Marie-Pierre Fauchère: «Viele Leute haben keinen Hausarzt oder keine Hausärztin, oder ihr Hausarzt ist in den Ferien.» Hagmann sieht als weiteren Grund für die starke Auslastung, dass aufgrund von Hitze, Covid-19 und wieder aktiverem Freizeitverhalten aktuell mehr gesundheitliche Probleme auftreten. 

Die Spitäler der Inselgruppe verzeichnen bei den Notfällen bereits seit dem Ende der Corona-Massnahmen «einen Anstieg im zweistelligen Prozentbereich», schreibt das Unternehmen auf Anfrage. Notfalleinrichtungen seien in Zeiten überlasteter Gesundheitssysteme die ersten Puffer, welche die Versorgungsengpässe abfangen würden. «Aufgrund des Fachkräftemangels sowie krankheitsbedingter Ausfälle ist es für das Spital anspruchsvoll, diese Zusatzbelastung zu tragen, da die Personaldecke in Berufsgruppen wie der Pflege auch in der Inselgruppe dünn ist», so Sprecher Didier Plaschy. 

Fasttrack für Bagatellfälle

Die Spitäler reagieren mit unterschiedlichen Massnahmen auf die Engpässe. In Thun werden die Patientinnen und Patienten beim Eintritt via Notfall nach Priorität triagiert und nach Dringlichkeit behandelt. «Für Patienten und Patientinnen mit Bagatellfällen, die keine eigentliche Notfallinfrastruktur benötigen, haben wir einen Fasttrack eingerichtet», erklärt Hagmann. «Damit stellen wir sicher, dass echte Notfälle weiterhin rechtzeitig und umfassend behandelt werden können.» Bei nicht-dringlichen Fällen komme es allerdings vermehrt zu längeren Wartezeiten. 

Das Inselspital setzt demgegenüber auf Personalrotationen und – in Absprache mit den Angestellten – auf eine Erhöhung des Beschäftigungsgrades. Zudem wird aktuell eine Rekrutierungskampagne für Pflegepersonal lanciert. Auch hier müssen Patientinnen und Patienten mit weniger gravierenden Krankheitsbildern oder Verletzungen mit längeren Wartezeiten rechnen. 

Um die Notfallstationen zu entlasten, empfehlen die Spitäler, wann immer möglich die Hausärztin oder den Hausarzt zu kontaktieren. 

Aktivier jetzt den Bern-Push!

Nur mit dem Bern-Push von 20 Minuten bekommst du die aktuellsten News aus der Region Bern, Freiburg, Solothurn und Wallis blitzschnell auf dein Handy geliefert.

Und so gehts: In der 20-Minuten-App tippst du rechts unten auf «Cockpit». Dort auf «Mitteilungen» und dann «Weiter». Dann markierst du bei den Regionen «Bern», tippst noch einmal «Weiter» und dann «Bestätigen». Voilà!

Wir sind auch auf Instagram. Folg uns für Posts, Storys und Gewinnspiele aus der Region – und schick uns deine Bilder und Inputs: 20 Minuten Region Bern.

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

(sul)

Deine Meinung

158 Kommentare