Aktualisiert 14.06.2004 23:59

Bagdad: 16 Tote bei Attentat

Beim zweiten Bombenanschlag in Bagdad innerhalb von 24 Stunden sind am Montag mindestens 16 Menschen getötet worden, unter ihnen 5 Ausländer.

Es handelte sich dabei um zwei Briten, einen Franzosen und einen US-Bürger.

Das gab das US-Militär bekannt. 60 weitere Menschen wurden nach Angaben aus Spitälern verletzt. Nach Polizeiangaben drängte sich ein Selbstmordattentäter zur Hauptverkehrszeit in der Nähe eines zentralen Platzes am Ostufer des Tigris mit seinem Wagen in einen US-Konvoi aus drei Geländefahrzeugen und zündete dann seine Bombe. Durch die Explosion wurde auch die Fassade eines Gebäudes zerstört.

Kurz darauf kam es zu schweren Ausschreitungen. Vergeblich versuchten irakische Polizisten mit Warnschüssen in die Luft wütende Einwohner zurückzudrängen, die mit Stöcken auf die Geländewagen einschlugen. Mehrere Iraker riefen «Nieder mit den USA». Sie machten Washington für die zunehmende Gewalt und Instabilität in ihrem Land verantwortlich.

Anschliessend rückten US-Soldaten mit vier Panzern und mindestens 20 Armee-Geländewagen an und riegelten die Gegend ab.

Opfer von Sicherheitsfirma

Nach Angaben des US-Militärs und westlicher Diplomaten handelte es sich bei den ausländischen Opfern um Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die vom US-Konzern General Electric angeheuert worden war. In London bestätigte das private Unternehmen «Olive Security» den Tod von zwei Mitarbeitern.

Der amtierende irakische Ministerpräsident Ijad Allawi verurteilte den neuerlichen Anschlag scharf und kündigte an, mit aller Härte gegen gewalttätige Gegner des neuen Irak vorzugehen.

Erst am Wochenende waren zwei ranghohe Mitglieder der neuen irakischen Übergangsregierung getötet worden. In der nordirakischen Stadt Kirkuk fand am Montag die Trauerfeier für fünf kurdische Rekruten der neuen irakischen Armee statt, die am Samstag nach einer Autopanne von Unbekannten getötet worden waren.

Hoon macht Überraschungsbesuch

Am Montag traf der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon bei seinem überraschenden 24-Stunden-Besuch in Südirak unter anderem mit dem Vizegouverneur von Basra, Hassan Raschid, zusammen. In Basra ist die Mehrheit der rund 8000 britischen Soldaten in Irak stationiert.

In Istanbul rief der UNO-Gesandte für Irak, Lakhdar Brahimi, die Organisation der Islamischen Konferenz (IOC) zur Unterstützung der neuen Regierung in Irak auf. Dies liege auch in ihrem Interesse, sagte Brahimi zum Auftakt des dreitägigen IOC-Treffens, an dem Minister und rund 2300 Delegierte aus 57 Staaten teilnehmen.

Das US-Militär liess am Montag erneut mehrere Hundert irakische Gefangene aus dem Skandalgefängnis Abu Ghoreib westlich von Bagdad frei. Es handelte sich um die fünfte grössere Freilassungsaktion seit im April die Gefangenenmisshandlungen durch US-Aufseher bekannt wurden.

Britische Soldaten vor Gericht

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in London müssen sich nun auch vier britische Soldaten wegen Misshandlungen vor einem Militärgericht verantworten.

(sda)

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