Bagdad: Geheimgefängnis entdeckt
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Bagdad: Geheimgefängnis entdeckt

In einem geheimen Gefängnis des irakischen Innenministeriums sind mehr als 170 unterernährte Häftlinge entdeckt worden, die möglicherweise auch gefoltert wurden.

Dies teilte Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari am Dienstag mit. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden. Die Betroffenen seien inzwischen in offizielle Haftanstalten verlegt worden, wo sie medizinisch versorgt würden. Bei den Häftlingen handelt es sich den Angaben zufolge überwiegend um Sunniten.

Erst am Sonntag hatten amerikanische Truppen ein Gebäude des irakischen Innenministeriums im Bagdader Stadtteil Dschadrija durchsucht. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Bryan Whitman, erklärte dazu, irakische und amerikanische Soldaten hätten den Verdacht gehegt, dass es dort Missstände geben könnte. «Und sie haben Zustände vorgefunden, die ihnen Anlass zur Sorge gaben», sagte Whitman.

Der Vorsitzende der grössten sunnitischen Partei des Landes erklärte, er habe persönlich mit Regierungsvertretern über Folter in den Gefängnissen des Innenministeriums gesprochen, «einschliesslich in Dschadrija». Seine Beschwerden seien jedoch abgewiesen, die Häftlinge als «frühere Elemente des Regimes» bezeichnet worden, erklärte Mohsen Abdul Hamid von der Islamischen Partei.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International begrüsste Dschaafaris Entscheidung, eine Untersuchung einzuleiten. Sie forderte ihn auf, die Ergebnisse zu veröffentlichen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz erklärte, es wisse nichts über ein solches Geheimgefängnis, werde sich aber um weitere Informationen bemühen.

Zwei irakische Geschäftsleute erhoben unterdessen Vorwürfe gegen US-Soldaten, Gefangene in einen Löwenkäfig geworfen zu haben. Diese und andere Gräueltaten seien Teil einer systematischen Einschüchterung während ihrer Haftzeit gewesen, sagte Thahe Mohammed Sabbar am Montagabend in Washington der Nachrichtenagentur AP. US-Militärsprecher Paul Boyce wies die Vorwürfe zurück.

Im Namen des 37-jährigen Sabbar und des zwei Jahre jüngeren Schersad Kamal Chalid haben die Amerikanische Bürgerrechtsunion (ACLU) und die Menschenrechtsorganisation Human Rights First Klage gegen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und ranghohe Offiziere erhoben. Darin werden Soldaten beschuldigt, die beiden Gefangenen sexuell misshandelt und mit Elektroschocks und Scheinhinrichtungen gefoltert zu haben. Der Vorwurf, in einen Löwenkäfig geworfen worden zu sein, taucht in der Klage vom März jedoch nicht auf.

Offensive im Grenzgebiet fortgesetzt

In Bagdad kamen am Dienstag zwei Polizisten und zwei Passanten bei der Explosion einer Autobombe ums Leben. Der Anschlag ereignete sich in der Nähe eines Restaurants, wie die irakische Polizei mitteilte. Unter den sieben Verletzten sind auch zwei Kinder. In Kirkuk wurden vier Polizisten bei einem Überfall von Aufständischen erschossen.

US-Truppen und irakische Streitkräfte setzten unterdessen ihre Offensive gegen Rebellen in der Umgebung von Obeidi nahe der syrischen Grenze fort. Sie stiessen auf erbitterten Widerstand, bis zum Dienstag wurden drei US-Marineinfanteristen getötet. Unter den Aufständischen habe es bei der Offensive mindestens 50 Opfer gegeben, teilten die US-Streitkräfte mit.

In Washington wies der US-Senat am Dienstag eine Forderung an Präsident George W. Bush ab, einen Zeitplan für den Truppenabzug aus dem Irak vorzulegen. Die Vorlage wurde mit 58 zu 40 Stimmen abgelehnt. (dapd)

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