Aktualisiert 26.01.2016 11:14

Strecke Bern–Zürich

Bahn-Experten streiten über neuen Mega-Tunnel

Der Bund prüft einen 28-km-Bahntunnel zwischen Zürich-Altstetten und Rupperswil. Experten sind sich uneinig, ob ein solcher Tunnel sinnvoll wäre.

von
the
Diese beiden Varianten hat der Bund untersucht.

Diese beiden Varianten hat der Bund untersucht.

20 Minuten

Die Schweiz bekommt möglicherweise bald einen Megatunnel zwischen Zürich-Altstetten und Rupperswil AG. Stand bis anhin im Hinblick auf den sogenannten Ausbauschritt 2030 der Bau der beiden Tunnel Chestenberg und Honeret im Vordergrund, prüft der Bund nun auch eine Variante mit einem einzigen Tunnel.

Dieser habe ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis und verkürze die Reisezeit sogar noch stärker als die Variante mit zwei Tunneln, bei der die Strecke Bern–Zürich in 45 statt 56 Minuten zu bewältigen wäre.

Weniger Einsprachen

Rolf Steinegger, Experte für Verkehrssysteme an der ZHAW, sieht Vorteile in einem langen Tunnel. «Der Tunnel wäre insgesamt günstiger zu realisieren, weil nur zwei statt vier Portale gebaut werden müssen und der Grundaufwand für Bauinstallationsplätze und Provisorien nur ein- statt zweimal zu bezahlen ist.»

Die Anschlussbauwerke an die bestehenden Strecken seien teuer, weil zusätzliche Brücken, Unterführungen, Stützmauern und Ausgleichsflächen für den Naturschutz notwendig wären. Auch könne man auf einer grosszügig trassierten Strecke schneller fahren. «Die Zeitersparnis dürfte aber nur Sekunden bis Minuten betragen.»

«Im Mittelland besteht Aufholbedarf»

Politisch hat das Projekt laut Steinegger gute Chancen. «Lange haben wir viel Geld in die Neat gesteckt. Im Mittelland besteht nun Aufholbedarf.» Dabei habe ein langer Tunnel bessere Chancen: Bei zwei Tunneln gäbe es mehr Einsprachen, weil an vier Orten Umwelt und Anwohner betroffen wären und Rekurse eingelegt werden können. «Ein einziger Tunnel kostet zwar mehr aufs Mal, bietet aber mehr Planungssicherheit.»

Nachteile sieht der Experte kaum. «Von der Landschaft bekommt man leider nichts mehr mit, aber dafür werden Umwelt und Anwohner geschont.»

«Lieber auf Swissmetro setzen»

Kurt Scheiber, Präsident von Pro Bahn, sieht beide Tunnelprojekte kritisch: «Wegen ein paar Minuten Zeitersparnis so viel Geld auszugeben, ist irrsinnig.» Stattdessen solle man auf einen Ausbau der bestehenden Zugkompositionen setzen. «Wir könnten pro Zug 14 Doppelstockwagen verwenden statt wie bisher maximal acht Doppelstock- und vier Einstockwagen.»

Auch dass die Streckenführung unterirdisch verlaufen soll, stört Schreiber: «Wir kommen früher oder später sowieso unter die Erde, da müssen wir das nicht schon beim Zugfahren haben.» Wenn schon Tunnel, dann solle das alte Projekt Swissmetro vorangetrieben werden, bei dem im Vakuumtunnel die Strecke zwischen Bern und Zürich in 15 Minuten zu bewältigen sei.

Auch politisch sieht Schreiber Probleme: «Beim momentanen Spardruck kann es gut sein, dass die Unterstützung im Parlament für solche Prestigeprojekte klein ist und man eher auf den Unterhalt der bestehenden Infrastruktur und Züge setzt.»

Fehler gefunden?Jetzt melden.